publiziert: 01.02.2012 14:03 Uhr
aktualisiert: 01.02.2012 14:14 Uhr
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18 000 Euro Strafe und zwei Jahre ohne Führerschein

Zeitbombe auf der Autobahn mit James-Bond-Aktion
  • Tatort Autobahn: Rasen, drängeln, ausflippen – der ganz normale Wahnsinn. Der Kitzinger Strafrichter hatte es jetzt mit einem besonders krassen Fall zu tun: Weil ein 28-Jähriger andere gefährdete, muss er zwei Jahre auf seinen Führerschein verzichten. Das Bild ist gestellt.
    Archiv-Foto: DPA
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Gerade auf der Autobahn kann man ja so einiges verlieren: Anstand, Geduld, Beherrschung, Nerven. Bei dem 28-jährigen Angeklagten scheint es regelmäßig einen Totalverlust von all dem zu geben – hinter dem Steuer rastet der Mann völlig aus und macht Dinge, die sich James Bond nicht trauen würde.

17 Einträge aus den vergangenen fünf Jahren gibt es im Verkehrszentralregister. Innerorts 63 Sachen zu schnell. Statt Tempo 60 mal eben 166. Der Führerschein war in dieser Zeit mehrmals weg. Zusammengerechnet kam im Laufe der Zeit – neben jeder Menge Geldstrafen – ein ganzes führerscheinloses Jahr zusammen.

Auch Anfang April vergangenen Jahres war der 28-Jährige wieder einmal „ohne“. Was ihn aber nicht hinderte, die Überführung einer BMW-Limousine persönlich in die Hand zu nehmen. Als Mitinhaber einer Autowerkstatt in Hessen befand sich der Mann mit einem Kundenauto auf dem Heimweg, als wieder einmal die Gäule mit ihm durchgingen.

Auf der A 3 bei Rüdenhausen jagte die tickende Zeitbombe auf der rechten Spur an einem Auto vorbei, das sich auf der Überholspur befand. Etwa auf gleicher Höhe hielt der Kamikaze-Fahrer seine linke Hand aus dem Fenster und versuchte die Beifahrertür des anderen Wagens zu öffnen. Das Gericht wird später sagen, dass man so etwas „nur aus Actionfilm“ kennt. James Bond lässt grüßen.

Ein paar Kilometer weiter, bei Kist, startet der 28-Jährige die nächste Aktion: Weil es ihm in einer 120er-Zone nicht schnell genug geht, überholt er einen Daimler mit 140, wieder rechts. Dann setzt er sich auf der Überholspur vor den Wagen und bremst diesen bis auf 30 herunter.

Jetzt vor Gericht vermittelt einen besonnenen, ruhigen Eindruck. Schwer vorstellbar, was da passiert, wenn er hinterm Steuer austickt. Inzwischen scheint es auch so etwas wie Einsicht zu geben: Nach eigenen Angaben hat sich der 28-Jährige für diverse Kurse – von Aggressionsabbau bis hin zum besseren Zeitmanagement – angemeldet. Er will sich helfen lassen: „Ich habe eingesehen, dass es nicht mehr so weitergeht.“

Eine späte Einsicht. Und eine teure. Der Richter verhängt 180 Tagessätze zu je 100 Euro – macht stolze 18 000 Euro und hinterlässt Eindruck. Ebenso wie die Tatsache, dass der Mann insgesamt zwei Jahre ohne Führerschein auskommen muss. Nachdem er seit dem Vorfall vor acht Monaten bereits „ohne“ ist, gibt es also noch 14 Monate kein Wiedersehen mit der Fahrerlaubnis.

Und womöglich sogar noch länger. „Dass es ziemlich schwierig wird, den Führerschein wiederzubekommen“, deutet das Gericht schon einmal Hürden wie diverse Eignungstests durch die Führerscheinbehörde an.

Und noch etwas macht das Gericht klar: Hätte es das Geständnis nicht gegeben, wäre der Angeklagte „mit einem Bein im Gefängnis“ gestanden. So lange sich der 28-Jährige nicht zusammenreißen könne, habe er jedenfalls „auf der Straße nichts zu suchen“. Oder anders ausgedrückt: James Bond gehört ins Kino.

Von unserem Redaktionsmitglied Frank Weichhan
    
    

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»Alle 10 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

deutzi (161 Kommentare) am 02.02.2012 09:23

Ein Rentner

hätte sich nicht so aufgeführt,deshalb Eignungstest ab Führerscheinerteilung alle 2 Jahre
für jeden.
(1)
mitchhucannon (881 Kommentare) am 03.02.2012 19:01

Oooha...

...das würde ich jetzt nicht so einfach behaupten!
(0)
Wi127 (458 Kommentare) am 03.02.2012 21:06

Genau.

Ich kenne/kannte mehrere renitente "Kampfopis", die - ihren eigenen Aussagen zufolge - tatsächlich "immer noch alle jungen Burschen in den Sack stecken können".

Es ist genauso unpassend, alle Rentner als brave, vorsichtige Fahrer zu bezeichnen, wie alle jungen Autofahrer als sich selbst überschätzende Raser.

Jede Pauschalisierung ist Quatsch.
(0)
masterdoc (38 Kommentare) am 01.02.2012 22:12

Die deutschen Richter

gehen viel zu mild mit diesen potentiellen Mördern am Steuer um. Dieser Mann verwendet sein Auto als Waffe - lebenslang wäre die gerechte Strafe.
(0)
Wi127 (458 Kommentare) am 01.02.2012 21:37

Respekt!

Endlich mal eine angemessene Strafe - muss man echt mal sagen! Gut so, wieder so!
(1)
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