publiziert: 09.02.2012 14:42 Uhr
aktualisiert: 09.02.2012 15:37 Uhr
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2400 Mastschweine sind Dipbachern zu viel

Ärger im Dorf um Stallerweiterung – Landwirt will einen Luftwäscher gegen den Gestank einbauen
  • Ärger mit dem Schwein: Die Landwirtsfamilie König will ihren landwirtschaftlichen Betrieb am Aussiedlerhof nördlich von Dipbach erweitern. Sie plant den Bau eines neuen Schweinestalls für 2400 Mastschweine. Bürgern stinkt das Vorhaben.
    Foto: Thomas Obermeier
  • Zukunftsaussichten: Auf dem jetzigen Feld oberhalb der Böschung (links bis zu den Strohballen) soll der neue Schweinemaststall in Dipbach gebaut werden. Die Mehrzweckhalle (rechts) möchte Familie König in einen Einstreustall für Milchvieh ändern. Im Hintergrund ist das Dorf Dipbach zu sehen.
    Foto: Irene Konrad
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Die Landwirtsfamilie König will einen neuen Schweinestall bauen. Im vergangenen November hat sie beim Landratsamt Würzburg zum zweiten Mal einen Antrag auf Erweiterung ihres landwirtschaftlichen Betriebs am Aussiedlerhof nördlich von Dipbach gestellt. Diesmal planen die Königs einen Stall für 2400 Mastschweine. Außerdem wollen sie künftig eine Mehrzweckhalle als Einstreustall für Milchvieh nutzen und weitere Plätze für Vieh genehmigt bekommen.

„Wir haben alle Auflagen erfüllt und für unseren

Luftwäscher ein Zertifikat.“

Günter König Landwirt in Dipbach

Insgesamt möchte die Familie zusätzlich zu den Schweinen 350 Milchkuhplätze (jetzt 218), 92 Plätze für Kälber bis drei Monaten (jetzt 30) und 258 Plätze für Kälber und Jungvieh von drei bis 24 Monaten (jetzt 110) genehmigt bekommen.

Seit 2009 wissen die Dorfbewohner von Dipbach, dass Familie König einen großen Schweinestall bauen will. Gegen den ersten Plan ist vor allem die Initiative „Saubere Luft in Dipbach“ Sturm gelaufen und hatte 90 Einwendungen mit 200 Unterschriften beim Landratsamt eingereicht. Damals hatten die Königs einen offenen Tieflaufstall für 1968 Bio-Schweine auf Strohbasis beantragt. Die Dipbacher befürchteten eine unzumutbare Geruchsbelästigung, denn der Hof liegt zwar im Außenbereich, aber nur 300 Meter von den ersten Wohnhäusern entfernt.

Aus Immissionsschutzgründen wäre der offene Schweinemaststall nicht genehmigungsfähig gewesen. Um den gesetzlichen Bestimmungen zu entsprechen und den Wunsch der Dorfbewohner nach „null Gestank“ entgegen zu kommen, haben die Königs neu geplant. Der jetzt beantragte Schweinestall ist geschlossen. Die Tiere werden auf Spaltenböden gehalten, es wird einen Luftwäscher geben und die Gülle soll in einer Biogasanlage verarbeitet werden.

Günter König ist sich sicher: „Wir haben alle Auflagen erfüllt und für unseren Luftwäscher ein Zertifikat. Der neue Stall kostet uns 250 000 Euro mehr, als der erste Plan und wir haben Folgekosten. Das muss unsere Familie alles selbst tragen“. Der Landwirt verweist darauf, dass er und seine Frau Theresia sowie die Töchter Katrin und Anja mit Schwiegersöhnen und Enkelkindern vom landwirtschaftlichen Betrieb leben müssen. Er sei gern Landwirt und lebe doch auf dem Land in einem ursprünglichen Bauerndorf. Demnächst sei er der einzige Bauer im Dorf, der als Vollerwerbslandwirt übrig geblieben ist.

Familie König kann den wieder aufkommenden Widerstand gegen den neuen Schweinestall nicht verstehen. Der regt sich seit das Landratsamt das Genehmigungsverfahren eröffnet hat. Die Antragsunterlagen liegen bis zum 17. Februar öffentlich aus und zwar in der Dienststelle in Ochsenfurt und der Gemeinde Bergtheim. Einwendungen gegen das Vorhaben können bis einschließlich 2. März vorgebracht werden.

Jüngst hat sich der Bergtheimer Gemeinderat mit dem geplanten Schweinestall beschäftigt. 30 Dipbacher haben zugehört, als Bürgermeister Konrad Schlier die Sachlage schilderte. Die erste Wohnortbebauung zum geplanten Standort liege 240 Meter weit weg. Der Immissionsradius des zertifizierten Luftwäschers beträgt 100 Meter. „Es sind also keinerlei Häuser mit Geruchs- und Staubproblemen betroffen“, so Schlier. Selbst der nahe Sportplatz liege außerhalb der 100 Meter.

Eine ganze Stunde lang hat das Ratsgremium über seine Stellungnahme diskutiert und sie schließlich vertagt. Gemeinderat Josef Störmann-Belting fürchtet Geruch und Staub bei Ausfällen des Luftwäschers und sorgt sich um den Brandschutz. Der stellvertretende Bürgermeister Robert Kremling setzte die Betriebsgröße von 300 Hektar und die damit verbundene Futtererzeugung in Relation und möchte prüfen lassen, ob es sich nach der Aufstockung überhaupt noch um einen privilegierten landwirtschaftlichen Betrieb handelt oder ob er nicht „in die Gewerblichkeit reinrutscht“.

„Wer überprüft denn, ob alle Vorschriften eingehalten werden?“

Angelika Königer Gemeinderätin in Bergtheim

Gemeinderat Heinz Weippert sprach von den „nicht mehr verkehrstauglichen Betonstraßen“ zum Anwesen König, vom Abwasser und Wasserzufuhren und von der „jetzt schon nicht mehr eingehaltenen Sonntags- und Nachtruhe“. Angelika Königer wollte wissen: „Wer überprüft denn, ob alle Vorschriften eingehalten werden?“ Dafür erntete sie von den Zuhörern genauso Applaus wie Edith Scholl bei ihren Fragen zur Lebensqualität und der „Unruhe im Dorf“.

Gemeinderat Tobias Sauer ist selbst Landwirt und betreibt seit kurzem einen Stall mit 1000 Mastschweinen. „Es gibt Kontrollen ohne Ende“, erklärte er und sprach von einer „gläsernen Produktion“. Leider werde Fleisch heute vor allem „im Discounter gekauft“. Immer sei ein Spagat vonnöten, um den Landwirten, der Dorfbevölkerung und den Verbrauchern gerecht zu werden und Verständnis füreinander aufzubringen. Der Gemeinderat Bergtheim will sich jetzt in einem Ausschuss mit der Stallproblematik befassen. Zudem wird Bürgermeister Schlier eine Verlängerung der Frist für die Stellungnahme beim Landratsamt beantragen.

Kritik zur Massentierhaltung

Das Nachdenken über die Massentierhaltung beschäftigte jüngst nicht nur den Bergtheimer Gemeinderat. Der Bund Naturschutz (BN) lehnt große Tierbestände ab. „Diese Planungen schaden Mensch, Tier und Umwelt“, ist Steffen Jodl überzeugt. Der BN-Kreisgeschäftsführer kritisiert die „industrielle Billigproduktion von Fleisch“. „Das Tier ist nur noch Ware. Das ist einfach traurig“, so Jodl. Er spricht von „den ganzen negativen Begleiterscheinungen bei dieser Art der Tierhaltung“. Bäuerliche Betriebe sollten ihre Schweine und Rinder besser artgerecht oder nach den Vorgaben des ökologischen Landbaus halten. Pro Schwein würden allein die Umweltkosten der großen Tierhalter bei 50 Euro liegen.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Landwirt in einem Stall dieser Größenordnung ohne Antibiotika auskommt“, zweifelt Jodl und spricht von unternehmerischem Denken, bei dem es ums „reine Geld verdienen“ gehe. „Mit bäuerlicher Landwirtschaft hat ein Stall für 2400 Mastschweine nichts zu tun“, meint der Naturschützer. Um der Billigproduktion entgegen zu treten seien alle gefordert, ihren Fleischverbrauch zu reduzieren. „Wer nur ein- bis zweimal in der Woche Fleisch isst, kann sich das qualitativ höherwertige Lebensmittel auch leisten“, ist Jodl überzeugt.

Von unserer Mitarbeiterin Irene Konrad
    
    

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»Alle 21 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

Napewastewin (1 Kommentare) am 10.02.2012 23:41

Wie wär's mit Miteinander statt gegenseitiger Vorwürfe?

Wie schade, dass das Thema so viele Vorwürfe, Unverständnis und Gegeneinander hervorruft!
Dabei geht es doch vorrangig darum, wie eine Dorfgemeinschaft gut miteinander leben kann. Wie soll ein Dorf aussehen, in dem wir gerne leben möchten?
Und da hat man durchaus das Recht zu hinterfragen, wenn ein solches Großprojekt, das weitreichende Auswirkungen für alle Bewohner hat, geplant wird. Da müssen sogar in der Planung alle Beteiligten mitreden dürfen und ihre Bedenken äußern.
Es geht hier keinesfalls um Abrechnungen: etwa Städter gegen Bauern, Biostall gegen Geruchsvermeidung. Das finde ich völlig kontraproduktiv.

Ja, es ist nicht schön, dass die Schweine nicht als Bioschweine im offenen Stall auf Stroh in Dipbach glücklich werden dürfen, doch eventuell könnten sie das , wenn der Landwirt einen Standort weiter weg vom Ort gewählt hätte, was er aber abgelehnt hat wegen zu hoher Kosten. Es geht ja nicht um einen herkömmlichen mittleren bäuerlichen Betrieb mehr, sondern um Massentierhaltung im großen Stil am Dorfrand. Das ist auch nicht mehr charakteristisch für das traditionelle bäuerliche Dorfleben, das vielen von uns sehr wichtig ist.

Ja, wir brauchen die Landwirte, und sie sollen ihren Platz in jedem Dorf haben. Deshalb gibt es ja auch die Privilegierung der Landwirtschaft. Sie haben bestimmte Vorrechte, sie bekommen Subventionen, und sie haben weiß Gott kein leichtes Leben.
Das bedeutet aber keinesfalls, dass man sie nicht kritisieren und wenn nötig in ihre Grenzen verweisen darf.

Es stimmt auch, dass der Landwirt seine Planung abgeändert hat und nun einen Luftwäscher plant, der ihn sehr, sehr viel Geld kosten wird, wenn er ihn einbaut. Doch darf man diese Summe vergleichen mit der Summe der ursprünglichen Planung, die nicht genehmigungsfähig war?
Und genau an dem Punkt muss man hinterfragen dürfen, ob so ein Luftwäscher tatsächlich hält, was er laut Werbung verspricht. Denn wenn ein Stall erst mal gebaut ist, und dann stinkt es trotzdem, ist Ärger vorprogrammiert, den man vielleicht bei rechtzeitiger Umplanung vermeiden könnte.
Außerdem geht es um viel mehr als nur Geruchsbelästigung:
Transportfahrten, Gülle ausbringen, Verschmutzung und Beschädigung von Wegen und Straßen, Tierschutz, Belastung des Grundwassers und vieles mehr. All das kann man nicht einfach geschehen lassen, ohne sich einzumischen.

Eine persönliche Bemerkung möchte ich als „Neigschmeckte“ noch machen: es wird den Zugezogenen , die häufig, aber keinesfalls immer aus der Stadt kommen, oft pauschal der Vorwurf gemacht, dass sie billige Bauplätze kaufen und sich dann über etwas Landluft beschweren. Da macht man es sich aber wirklich ein bisschen zu einfach und hat einen Bösewicht gefunden. Und man braucht sich dabei nicht einzugestehen, dass man nämlich selbst auch lieber ohne Schweinegestank leben würde, wenn man denn die Wahl hätte. Viele glauben immer noch resigniert: „Da kann mer nix mach.“
Natürlich kann man was machen und zwar gemeinsam!
(3)
Mathias55 (154 Kommentare) am 11.02.2012 20:46

Landwirt zu sein, bedeutet Privilegiert zu sein

Als Landwirt hat man ein Privileg. Man hat mehr Rechte, aber auch viel mehr Pflichten als "Normalbürger".
(0)
dominator (7 Kommentare) am 10.02.2012 20:20

NUR WER

weis wie der Hof vor Ort aussieht, kann verstehen warum der Landwirt Stress mit der Gemeinde und den Bürgern hat. Wer sich nicht an die Sonntagsruhe hält (Feldarbeiten ) die nichts mit der Ernte zu tun haben, verdreckte Strassen und zerstörte Landwirtschaftliche Wege hinterlässt, der hat irgendwann ein akzeptanzproblem
(3)
mitchhucannon (881 Kommentare) am 11.02.2012 09:47

Nu mal langsam...

...das Gleiche Problem gibt es irgendwie überall. Der größte Landwirt im Ort macht immer den meisten Dreck, die Wege kaputt usw. Die anderen, etwas kleineren sind natürlich die braven Schäfchen, die immer gleich die Straßen kehren und die Betonwege weithin umfahren, damit diese ja nicht kaputt gehen.

Das ist egal, ob das in Dipbach, Bergtheim, besonders Unterpleichfeld oder wo ganz wo anders ist, es gibt überall ein paar neidernde Bäuerle...
(0)
suppenstar (190 Kommentare) am 11.02.2012 20:31

Neiddebatte

Das hier ist definitv keine Neiddebatte.
(0)
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