aktualisiert: 05.02.2012 16:56 Uhr
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WÜRZBURG
ADAC kritisiert städtische Verkehrspolitik
Der Ortsclub Würzburg lud zum Neujahrstreffen ins Autohaus G.V.O. ein
Der Ortsclub des ADAC Würzburg lud zum Neujahrtreffen ein. Versammlungsort war diesmal das Autohaus G.V.O im Gewerbegebiet-Ost. Bei dem Treffen wurde auch das Hybridfahrzeug Opel Ampera E-Mobil vorgestellt.
Zu Gast war Herbert Behlert, Vorsitzender des ADAC Nordbayern. Er brachte Erfolgsdaten des Clubs mit: Der ADAC ist in Europa der größte Verein mit derzeit 17,8 Millionen Mitgliedern. Der Zuwachs allein im Jahr 2011 betrug 560 000 Mitglieder. Und: Der ADAC Nordbayern ist mit 960 000 Mitglieder der siebtstärkste Regionalverband in Deutschland; der Mitgliederzuwachs im vergangenen Jahr betrug 36 000.
Ortsclub-Vorsitzender Harald Walter blickte auf erfolgreiche Jugendarbeit und Verkehrserziehung in Würzburg in den letzten 15 Jahren zurück – und mahnte zugleich die angespannte Trainingsplatzsituation an. „Auch das durch den TÜV Süd zur Verfügung gestellte Gelände ist keine Dauerlösung. Wir suchen dringend einen geteerten oder auch gepflasterten Platz für unsere Jugend!“
Kritisch unter die Lupe nahm Walter die Verkehrssituation im Großraum Würzburg: „Es werden bereits Diskussionen über Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet geführt. Wir meinen, Tempo 30 in Wohngebieten ja, aber nicht auf den Hauptverkehrsadern in der Stadt.“ Das würde den Individualverkehr in der Stadt massiv beeinträchtigen. Der ADAC versteht sich als „Anwalt für die mobile Gesellschaft in Würzburg“.
Ortsclub-Referent Jürgen Harloff wurde noch deutlicher: Flüssiger Straßenverkehr mit ausreichenden Parkmöglichkeiten sei eine „wichtige Grundvoraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt, wie auch für die Lebensverhältnisse. Die öffentlichen Verkehrsmittel können da nicht alle Mobilitätsbedürfnisse befriedigen.“
Beklagenswert seien die Defizite bei der Straßenerhaltung in Würzburg. Harloff nannte den Zeller Bock als Negativbeispiel. Es entstünden erhebliche volkswirtschaftliche Schäden, wenn lang anstehende Reparaturarbeiten nicht gleich ausgeführt und Maßnahmen erst beim Totalschaden ergriffen würden.
Der Individualverkehr in der Domstadt müsse stets Beeinträchtigungen hinnehmen. Beispiele: Stilllegung der Siligmüllerbrücke, eingeschränkte Zufahrtsmöglichkeiten zur Innenstadt von der Koellikerstraße zum Ulmer Hof stadteinwärts, Linksabbiegen vom Röntgenring in die Pleich am Congress Centrum („Eine Ampelphase lässt hier maximal vier Pkw passieren“), die diskutierte Sperrung des Rennwegs für den Pkw-Verkehr entlang der Residenz. Auf der Hauptverkehrsader zwischen Berliner Ring und Congress Centrum, Haugerring und Röntgenring gäbe es keine grüne Welle. Auf der Zufahrt zur Innenstadt über die Neubaustraße werde teilweise an jeder Ampel gestoppt. Gleiches gelte für den Sanderring. Auch die Reduzierung um „einige hundert öffentliche Parkplätze“ sei nicht hinzunehmen.
Wird Individualverkehr verdrängt?
Der Referent vermutet, dass der Individualverkehr in der Innenstadt Würzburgs verdrängt werden soll. „Ein Mitglied des Stadtrats sagte mir im letzten Jahr, dass innerhalb des so genannten Bischofshutes eine Pkw-freie Innenstadt angestrebt werde.“ Ins Visier nahm Harloff die geplante Straßenbahnlinie 6 von der Innenstadt ins Hubland. Hier werde viel Geld in die Hand genommen für die Anschaffung neuer Straßenbahnzüge und den Bau Pkw-freier Gleiskörper. „Ich möchte die Frage offen lassen, ob diese Straßenbahnlinie überhaupt gebraucht wird. Immerhin kommt der Stadtteil Versbach, für den ebenfalls einmal eine Planung vorlag, nach wie vor ohne Straßenbahn zurecht. Auch Höchberg scheint ohne Straßenbahn gut auszukommen.“
Und weiter: „Für die Neubaustrecke der Linie 6 sei ein zusätzliches jährliches Defizit von zwei bis drei Millionen Euro errechnet worden. Dabei werde in der Öffentlichkeit verschwiegen, dass diese Defizite zumindest teilweise über die Gas- und Strompreise ausgeglichen würden. So jedenfalls die Information von einem Stadtratsmitglied. Ich habe diesbezüglich dreimal bei der WVV schriftlich angefragt, ob dies tatsächlich so sei. Sämtliche Anfragen wurden ignoriert“, so Harloff.
Alternativen zur neuen Linie? In anderen Städten würden nach Angaben des ADAC inzwischen Doppelgelenkbusse mit Hybridantrieb betrieben, die eine Kapazität von rund 180 Personen hätten. Der Vorteil dieser umweltfreundlichen Fahrzeuge bestehe darin, dass der Verkehrsraum nur dort in Anspruch genommen werde, wo sich gerade ein solcher Bus befindet und die Fläche im übrigen für den Individualverkehr freibleibt.
Würzburgs Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake – selbst seit 40 Jahren ADAC-Mitglied sagt klar: „Die Mehrheit des Stadtrates will keine Pkw-freie Innenstadt.“ In punkto Siligmüllerbrücke stehe noch ein Verkehrsgutachten aus.
Sie sprach sich deutlich für die Straßenbahn-Linie 6 zum Hubland aus: die Straßenbahn sei ein notwendiges und im Vergleich zum E-Bus zuverlässiges Verkehrsmittel, das auch steigende Beförderungsleistungen meistern könne.
Zum Straßenzustand in der Stadt merkte sie an, dass das Baureferat stets sorgfältig zwischen Straßenerneuerung und -instandsetzung abwäge, um Gelder sparsam und effizient einzusetzen.
Manfred Oppitz, TÜV-Süd-Niederlassungsleiter, referierte zum Thema „Chancen und Risiken der Elektromobilität“. Sein Fazit: E-Mobile werden sich mittelfristig als Stadt- und Zweitauto durchsetzen, wenn vier Forderungen erfüllt würden: Anschaffungskosten senken, Reichweite steigern, Komfort beim Aufladen verbessern und Sicherheit der Batterien erhöhen.
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ds07 (114 Kommentare) am 06.02.2012 22:00
Vollkommen richtig !Die 2 Meinungen hier kann ich nur bejahen ! Ich habe nichts gegen den ADAC und bin auch selbst Mitglied, aber die Ansichten, die in diesem Artikel genannt werden sind altbacken und albern....ich will gar nicht weit ins Detail, aber die Linie 6 a) mit Linien nach Versbach/Höchberg zu vergleichen (ich würde mich sehr freuen, wenn dorthin auch die Straba fährt), sagt schon alles über den Realitätssinn der Herren - ganz zu schweigen von der Werbung für E- Bussen, von denen jeder weiß, dass sie keine Lösung und noch teurer sind.... |
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scheva (100 Kommentare) am 05.02.2012 18:55
ADAC = zurück ins MittelalterSelten habe ich so viel Blödsinn auf einmal gelesen - was die Herren (es sind ja ganz überwiegend ältere Herren...) vom ADAC uns da als ihre vision von der Zukunft des stadtverkehrs verkaufen wollen ist schlicht lächerlich - gut, dass sie es so offen sagen, dass ihre Vision für Würzburg lautet "mit aller Kraft zurück in die 50er Jahre"! Mir kommen die tränen, über was die sich da beklagen... aber natürlich kein Wort über Klimawandel, Feinstaubbelastung, Lärmbelastung und was wir sonst noch alles im Zusammenhang mit Autoverkehr in der Stadt diskutieren müssen. Nein, es reduziert sich auf weinerliches Genöle über einen Linksabbieger.... Und was für eine tolle Vision: auf ewig mit dem Auto mitten durchs Welterbegelände! Na prima - wie wärs mit einem Riesenparkplatz im Hofgarten? Oder, ganz schick, die residenz aushöhlen und zum Parkhaus umbauen??Und was sie zum öffentlichen Verkehr sagen, da möchte man ihnen wirklich nur raten: entweder informieren bevor man den Mund aufmacht oder einfach mal.... genau, denselben geschlossen halten: die tollen Hamburger Doppelgelenkbusse werden in den nächsten 3 Jahren alle abgestellt - viel zu teuer, viel zu störanfällig. Hybridbusse? Wo denn? Ein paar Versuchsexemplare - wo es keine Fördermittel dafür gibt kauft sie keiner freiwillig - ebenfalls viel zu teuer und viel zu störanfällig. Es wird niemals ein Zukunftsmodell sein, zwei komplette Antriebssysteme in einem Fahrzeug rumzuschleppen. Man hätte auch erwartet, dass vielleicht das eine oder andere Wort zur Sicherheit im Verkehr fällt - nein, natürlich nicht, Tempo 30 verhindert zwar Tote und Verletzte, reduziert Lärm und Schadstoffausstoß, aber wenn Schulen dann dummerweise an Hauptverkehrsstraßen liegen? Kann man nix machen, flüssiger Verkehr geht für den ADAC vor.... Was der ADAC da sagt ist Punkt für Punkt seine Position aus den 50er und 60er Jahren: "Freie Fahrt für freie Bürger" - liebe Leute, ich kann nur jedem raten, der ADAC-Mitglied ist - schaut euch das genau an, was die wirklich wollen und dann bedenkt eines - um eine günstige Versicherung hierfür und dafür zu haben muss man nicht ADAC-Mitglied sein. Es gibt gottlob seit Jahren Alternativen zum ADAC, die den Verkehr nicht nur durch die Windschutzscheibe betrachten und statt Politik für Autos Politik für Menschen machen. |
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vulture (464 Kommentare) am 05.02.2012 17:15
?!?!„Die Mehrheit des Stadtrates will keine Pkw-freie Innenstadt.“ Leider zu Ungunsten dieser Stadt. Seltsam ist, dass sich die PKW-Lobby mit der Allgemeinheit identifiziert. Tatsächlich bildet sie nicht das Interesse derselben ab. Das Ziel von ADAC etc. ist es Einzelinteressen als Allgemeinwohl zu verkaufen. Und sicher gibt es genug Autofahrer in Wbg.. Viel zuviele für das kleinräumige Würzburg in Tallage, mehr als es verkraften kann... Die längst überfällige verkehrspolitische Wende (auch in Konkurrenz zu anderen Städten) steht noch immer aus. So ein schlauer "Bürcher"-Spruch wäre: Man fragt doch die Frösche nicht, wenn man den Teich trocken legen will. |
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