publiziert: 04.04.2013 20:58 Uhr
aktualisiert: 06.04.2013 12:06 Uhr
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Abstimmung über Platz'schen Garten

Am 21. April ist Bürgerentscheid über die Blockrandbebauung auf dem St.-Benedikt-Areal
  • Foto: Ernst Jerg
    Platz'scher Garten: Die Interessengemeinschaft hat einen eigenen Anhänger vor dem Areal in der Rottendorfer Straße stehen und versucht, Bürger für die Abstimmung zu mobilisieren.
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Am 21. April gehen die Würzburger an die Abstimmungsurnen, es steht ein Bürgerentscheid an. Es geht um die Frage, ob auf dem Areal des Benediktinerklosters zwischen Friedrich-Ebert-Ring, Rottendorfer-, Dürer und St. Benedikt-Straße eine Blockrandbebauung mit 98 Wohnungen entstehen darf. Der Investor ist Riedel-Bau, eine Interessengemeinschaft (IG) wendet sich gegen das Bauprojekt. Die Stadt hat großflächig die Abstimmungsbenachrichtigungen versandt.

Viele Würzburger Bürger haben wohl noch nicht realisiert, dass ein Bürgerbegehren, das nach Erreichen der notwendigen Unterstützerstimmen zu einem Bürgerentscheid wird, eine echte Abstimmung darstellt, vergleichbar mit einer Wahl, vermutet die IG Paradiesgarten. Diese Erfahrung machten Mitglieder an ihren Informationsständen. Sie wenden sich gegen eine Zerstörung des Parks, der in Würzburg als Platz'scher Garten bekannt ist.

Sorge ums Kleinklima

Die Bürger sorgen sich um das Würzburger Kleinklima, sollten die Bäume teilweise für neue Wohnungen gefällt werden. Außerdem, so ihre Argumentation, sei das Wohnen an dieser Stelle zu laut, zu ungesund und die neuen Behausungen brächten mehr Verkehr in die Anwohnerstraßen.

Riedel Bau will dort Wohnraum schaffen. Nur 30 Prozent des Areals, das nie öffentliche Fläche gewesen sei, würden bebaut, der alte Baumbestand solle weitgehend erhalten bleiben, Neupflanzungen seien vorgesehen, so eine öffentliche Verlautbarung der Baufirma.

Über was genau stimmt der Bürger nun am 21. April ab? Rathaussprecher Georg Wagenbrenner erläutert den Entscheid so: „Die Bürger sollen entscheiden, ob das St. Benedikt-Areal weiter oder dichter bebaut werden soll als bisher.“

„Nein“ heißt für Bebauung

Die Frage auf dem Stimmzettel lautet daher in Auszügen: „Sind Sie dafür, dass der Stadtrat der Stadt Würzburg sämtliche Planungen zu einer Bebauung des St. Bernedikt-Areals („Platz'scher Garten“) einstellt und aufhebt?“ Wer „Nein“ ankreuzt ist damit für die geplante Bebauung, wer mit „Ja“ stimmt spricht sich gegen die Projektpläne und für das Ansinnen der Bürgerinitiative aus. Der Bürger stimmt nicht über die Visionen der BI ab, wie sich das Areal künftig entwickeln ließe.

Jeder stimmberechtigte Würzburger bekommt oder hat schon eine Abstimmungsbenachrichtigungskarte bekommen, aus der das Wahlereignis, das Datum und das Wahllokal ersichtlich ist. Auf der Rückseite der Karte ist ein Antrag auf Briefabstimmung abgedruckt, für den Fall, dass der Bürger am Tag der Abstimmung selbst verhindert ist. Die Abstimmungslokale sind laut Wagenbrenner von 8 bis 18 Uhr am Sonntag geöffnet.

Ab 18 Jahre stimmberechtigt

Stimmberechtigt ist jeder Deutsche oder Unionsbürger über 18 Jahre, der seit mindestens drei Monaten seinen Hauptwohnsitz in Würzburg hat. Es darf laut Stadt kein Wahlausschluss durch einen Richterspruch vorliegen.

Wie viele Stimmen braucht die Interessengemeinschaft denn nun, um die Blockrandbebauung am Platz'schen Garten zu verhindern? Die Antwort des Stadtsprechers: „Der Gesetzgeber hat hier ein Quorum vorgesehen, das sich nach der Höhe der Einwohnerzahl richtet.“ Dieser Anteil betrage zehn Prozent. Für Würzburg wären das mindestens etwa 10 000 stimmberechtigte Bürger, die mit Ja stimmen.

Bei gleich vielen Ja- und Nein-Stimmen gilt die Frage als mit Nein beantwortet. Dann wäre der Bürgerentscheid durchgefallen und der Platz'sche Garten wird, wie bisher geplant, bebaut. Sollte die Bürgerinitiative Paradiesgarten erfolgreich sein, ist der Stadtrat ein Jahr lang an das Ergebnis der Abstimmung gebunden. Dann kann es ein Jahr lang keine Blockrandbebauung auf dem Platz'schen Garten geben.

Würzburgs Bürgerentscheide

• 1997: Verlagerung des Röntgengymnasiums an die Herieden für eine Fachhochschul-Erweiterung: Die Befürworter scheitern knapp. • 2006: Das Projekt Bahnhofs-Arcaden scheitert um Haaresbreite. 20 010 Bürger sind dafür, 20 995 dagegen. • 2008: Neubau der Fachhochschule am Alandsgrund: 20 Prozent sind dafür, 10 Prozent dagegen.

Von unserem Redaktionsmitglied Ernst Jerg
    
    

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»Alle 19 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

haßgau (124 Kommentare) am 05.04.2013 19:19

Naja

So langsam fragt mer sich ob die Würzburger einfach gegen alles sind.
(9)
tortuga (191 Kommentare) am 05.04.2013 17:50

Hintergrund ...

Es ist schon immer wieder erstaunlich, mit welcher Dreistigkeit gewisse Würzburger Bürger ihre Privat-Interessen in ein "soziales" Mäntelchen hüllen! - Eine der führenden Persönlichkeiten der Bürger-Initiative beabsichtigte das Grundstück zum Zwecke der Errichtung einer Bäckerei käuflich zu erwerben. Gleichzeitig wird so getan, als ob es sich bei dem Flurstück um ein hochwertiges Biotop handelt. - Ich war dort. Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich nicht um hochwertigen Baumbestand, sondern schlicht um Gehölz. Im Übrigen ist nicht nachvollziehbar, auf welche Weise hier versucht wird, einen Bauträger zu diskreditieren. Auch der Eigentümer, die Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach, sieht sich Angriffen aus der "untersten Schublade" ausgesetzt. Toll, wie großzügig die Kritiker des Bauvorhabens das Eigentum Dritter vordergründig einer "sozialen" Nutzung zuführen wollen (Motto: "Die Stadt finanziert uns einen Park") , um hintergründig nachbarschaftliche Eigeninteressen zu kaschieren.
(13)
Lonicerus (210 Kommentare) am 07.04.2013 13:06

Richtigstellung

Die Bäckerei wollte Teile des Areals tatsächlich erwerben, allerdings vor mehr als 40 Jahren!
Das erwähnte Mitglied der IG wollte dies nie (er war noch nicht einmal 10 Jahre alt, als der Vater diese Idee hatte). Welcher Schublade bedient sich Anselm Grün, wenn er so alte Kamellen auskramt und so tut, als wären es aktuelle Pläne der Bäckerei?

Damals, also anfangs der 70er Jahre, hieß es seitens der Stadt, dass die Bäume erhalten werden müssten und der Park im Ostteil nicht bebaut werden dürfte. Das war zu einer Zeit, als das ökologische Bewusstsein in der Bevölkerung noch nicht so verankert war.
Interessanterweise war die Stadtverwaltung damals ihrer Zeit weit voraus, während die heutigen Entscheidungsträger den Eindruck erwecken, noch im 19. Jahrhundert zu leben...
(1)
Kleeblatt1903 (191 Kommentare) am 05.04.2013 17:30

Klimawandel in Mainfranken

Wen man weiß, wie sich das Klima hier in den letzten Jahrzehnten ändern wird - und dank verschiedener Klimamodelle von Klimatologen z.B. des Instituts für Geographie und Geologie der Uni Würzburg weiß man das - sollte man eigentlich heute schon anfangen, um jeden noch so kleinen Baum in dieser Stadt zu kämpfen. Wie hier viele schon geschrieben haben: Im Frauenland, Steinbachtal etc. wird jetzt schon massiv Grünfläche versiegelt. Was hilft es, wenn man beim neuen Stadtteil Hubland Kaltluftschneisen und Grünanlagen einplant, wenn man andererseits genau das in der Stadt mit Füßen tritt? Da macht es auch keinen Unterschied, ob paar Meter weiter der Ringpark ist - das ist ja geradezu eine naive Denkweise. Achja: Am Hubland wird aktuell Wohnraum abgerissen...
(4)
ermitaze33 (188 Kommentare) am 05.04.2013 15:23

Innovative

Bau verschandelt die Städte.
Zitat von Oscar Wilde
Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden
(2)
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