aktualisiert: 08.02.2012 08:21 Uhr
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WÜRZBURG
Augustinerstraße: CSU will kein neues Hochhaus mehr
Nach Urteil gegen Tricyan Tower: Denkmalschützer fühlen sich gestärkt
Eins ist nach dem vom Verwaltungsgerichtshof (VGH) gekippten Bebauungsplan klar: Das ambitionierte Hochhausprojekt „Tricyan Tower“ in der Augustinerstraße hat seinen Namen nicht mehr verdient.
„Tricyan“ ist ein Heilmittel, das für gute Laune sorgen soll. Inspiriert zur Namensgebung wurde Friedrich Schwab vom Investor Informica Real Invest AG von seiner Gattin, sie ist Apothekerin.
Während von einem Gute-Laune-Hochhaus keine Rede mehr sein kann, freuen sich die Denkmalschützer über das Münchner Urteil: Sie setzen darauf, dass das 82 Jahre alte Baudenkmal Ämterhochhaus nun doch, soweit möglich, saniert wird. Die CSU schwenkt bereits um.
Architekturhistorikerin Suse Schmuck von der Heiner-Reitberger-Stiftung sieht im Urteil „eine gerade für Würzburg wichtige Stärkung des Denkmalschutzes“. Willi Dürrnagel, Vorsitzender des Verschönerungsvereins (VVW), erklärte im gemeinsamen Pressegespräch, dass weiterhin der Erhalt des Hochhauses Ziel sei.
Der VVW hatte die Klage der Hochhaus-Nachbarn ideell wie finanziell unterstützt. Man frohlocke jetzt nicht, so Dürrnagel, sondern biete der Stadt das Gespräch für eine möglichst rasche Lösung an. Er hoffe, „dass Herr Baumgart mit seiner Arroganz über seinen Schatten springt“. Der Stadtbaurat hatte seit 2005, als das marode Hochhaus wegen statischer Probleme geräumt wurde, stets für ein neues Hochhaus plädiert. CSU-Stadtrat Dürrnagel war dagegen einer der wenigen, bisweilen sogar der einzige, die zumindest prüfen wollten, ob der Altbau nicht zu retten ist.
Falls die Stadt nicht auf diese Linie einschwenke, kündigte Dürrnagel weiteren Widerstand des VVW an. Schuld an der Misere seien nicht zuletzt die Stadträte, wobei er glaube, „dass einige daraus gelernt haben“.
Das scheint zumindest für Dürrnagels CSU-Fraktion zu gelten. So erklärte Thomas Schmitt gegenüber der Main-Post die neue Position seiner Fraktion: Es soll kein neues Hochhaus mehr geben, ein Neubau soll so hoch sein wie die Nachbarhäuser, alternativ könne man den Erhalt des Baudenkmals Ämterhochhaus prüfen. Einen weiteren Architektenwettbewerb lehne man ab.
„Stadträte müssen sich auf die juristische Qualität ihrer Verwaltung verlassen können.“Dr. Jochen Hofmann-Hoeppel, Anwalt der Hochhaus-Kläger
Die von Dürrnagel erwähnte „Schuld der Stadträte“ relativiert Rechtsanwalt Dr. Jochen Hofmann-Hoeppel, der die Klage gegen den Tricyan Tower durchgefochten hat: „Stadträte müssen sich auf die juristische Qualität ihrer Verwaltung verlassen können.“ Für Hofmann-Hoeppel sind die massiven Verfahrensfehler, die der VGH im Bebauungsplan festgestellt hat – vornehmlich im Bereich Denkmalschutz und Wasserschutz – größtenteils unverständlich. Er habe den Eindruck, bei der Aufstellung des Bebauungsplanes sei kein Jurist beteiligt gewesen.
Barbara Lenz als Vertreterin der klagenden nachbarlichen Erbengemeinschaft, betont, dass man seine Interessen wahren wollte, aber: „Wir sind keine Verzögerer.“ Durch die Dauerbaustelle habe man wegen Mietminderungen finanzielle Einbußen. Lenz wünscht sich einen Neubau nicht höher als die Nachbarhäuser. Alle Beteiligten eint der Wunsch, dass rasch was passiert. Damit in der Augustinerstraße auch ohne Tricyan gute Laune herrscht.
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»Alle 10 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare
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deltatango (185 Kommentare) am 08.02.2012 15:26
An dieser Stelle ...... eine herzlichen Dank an die CSU, an erster Stelle hier Willi Dürrnagel, der mit unermüdlichem Einsatz gegen eine Stadbildverschandelung kämpft. Chapeau aber auch vor Thomas Schmitt und die Fraktion, denn es ist besser, Fehler einzusehen als sie zu wiederholen.Da ich nicht vom Fach bin, kann ich zum baulichen Zustand des "Hoch"hauses wenig sagen, aber da in den letzten fünf Jahren kaum mehr passiert ist, als daß ein paar Putzplacken abgefallen sind, scheint es ja soooo schlimm nicht zu sein. Mein Auge stört das Gebäude jedenfalls erheblich weniger als der geplante Neubau, den ich nur als klotzig und extra-häßlich bezeichnen mag. |
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steve67 (740 Kommentare) am 08.02.2012 13:26
Weißeigentlich jemand ob der Investor das Gebäude von der Stadt nur unter der Voraussetzung gekauft hat etwas neues bauen zu dürfen. Wenn jetzt eine Sanierung angestrebt wird, dann kann das doch nur die Stadt machen. Der Investor dürfte da außen vor bleiben (wollen). Mit anderen Worten: Der Verkauf würde rückabgewickelt oder die Stadt zahlt dem Investor Schadenersatz. Da wäre ich aber dafür, dass den der Stadtbaurat aus seiner Diensthaftpflicht (die er hoffentlich hat) bestreitet. |
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scheva (94 Kommentare) am 08.02.2012 12:38
Das Problem heisst Baumgart!Es ist die Baumgart'sche Hybris, Spuren im Stadtbild zu hinterlassen, die SEINER Auffassung nach wohl eine Bereicherung darstellen. Ein beratungsresistentes Alphatier der Extraklasse, der von der Politik leider gerade wieder einen Freibrief für alle seine Ausfälle erhalten hat, selbst aber mimosenhaft empfindlich ist, falls jemand wagt, Kritik zu äußern, der alles sofort persönlich nimmt und unfähig ist zu einem erfrischenden Streit um Inhalte.Er weiss schon alles, Diskussionen unnötig, und dann werden eben Alternativen wie z.B. die Sanierung in der Augustinerstraße ausgeblendet. Die Bürgerschaft hat das Maul zu halten und bekommt eine Lösung verpasst, fertig. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Wenn es dann mal zu Entscheidungen kommt wie jetzt, wo auch ein Baumgart mit örtlichem Persilschein an die Grenzen seiner Macht kommt, tut sich doch regelmässig ein Scherbenhaufen auf, der freien Durchblick auf willkürliche "Basta"-Entscheidungen und unfassbare Inkompetenz gewährt - ich sage nur: Mozartareal..... Kritiker sind für den Herrn aber ja bekanntlich Geiferer und die Politik belohnt ihn dafür mit fast einstimmiger Wiederwahl. Das lässt tief blicken..... An dieser Stelle jedenfalls Hochachtung für die CSU, wenn sie nun -spät, aber doch noch rechtzeitig- umschwenkt - hoffentlich nicht nur als Showeinlage, sondern ehrlich und standfest! |
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eilers (60 Kommentare) am 08.02.2012 09:28
SANIERUNG IST MÖGLICHDie Sanierung ist aus technischer und betriebswirtschaftlicher Sicht ohne weiteres möglich. Es fehlt aus ideologischen Gründen (Stichwort Modernismus) der Wille. Im bestandsgeschützten Lukra wurden die Gebäude von Nuklearmedizin, Hautklinik, Frauenklinik und Chirurgie mit ähnlichem Bestand (schlechte Betonqualität) brandschutztechnisch und statisch auf den neuesten Stand gebracht. Also: Jetzt die Chance nutzen und sanieren- ein Highlight wird in der Augustinerstrasse entstehen. |
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max2010 (71 Kommentare) am 08.02.2012 22:25
Der Besitzer...Der Besitzer will aber nicht - er will etwas Neues. Wieso müssen wir Bürger immer anderen Leuten auf deren Grund und Boden einreden? Jeder, der Geld in die Hand nimmt, bekommt in den Gemeinden und Städten erstmal Probleme. SO wird die Innenstadt eines Tages aussterben. Ich als s.Oliver hätte zur Stadt irgendwann gesagt: "Leckt mich, wenn ihr mir immer nur Probleme macht, bau ich halt keinen großen Store". Schaut euch mal London an, da boomt die Wirtschaft. Weil die eben nicht so zimperlich sind. |
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