publiziert: 28.02.2013 18:52 Uhr
aktualisiert: 02.03.2013 12:05 Uhr
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Ausstellung mit Kunst aus der Nazi-Zeit eröffnet

„Tradition und Propaganda“ mit Kunst aus der NS-Zeit wurde im Museum im Kulturspeicher eröffnet
  • Alle Fotos: Norbert Schwarzott
    Bannerträger zu Pferd: Die Bronzeskulptur von Adolf Daumiller wurde 1939 von Oberbürgermeister Memmel erworben.
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Normalerweise sind Ausstellungseröffnungen im Museum im Kulturspeicher ein eher fröhliches und erfreuliches Ereignis. Kunstinteressierte kommen zusammen, freuen sich auf Kunstwerke, deren Herkunft ihnen meist nicht unbekannt ist, und die Stimmung ist locker und gelöst. Am Mittwochabend war alles anders. Es herrschte (an)gespannte Erwartungshaltung, es gab keine auflockernde Musik, sondern ausschließlich Reden, und bei der Erstbesichtigung der Bilder und Skulpturen konnte man sehr viele ernste Gesichter und Mienen entdecken.

Erstmals nach 70 Jahren holt das Museum Kunst aus der Dunkelheit des Depots in die hellen Ausstellungsräume, von der manche meinen, sie wären im Keller wohl besser aufgehoben. Entsprechend unterschiedlich fielen auch die Meinungen der Eröffnungsbesucher aus.

    
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Zunächst wies Oberbürgermeister Georg Rosenthal in seiner Ansprache darauf hin, dass diese Ausstellung „eine erste Wegmarke des sich Erinnernwollens“ in Würzburg sei. Eine Stadtgemeinschaft müsse auch die Verantwortung für ihre Vergangenheit übernehmen, deren Erbe sich auch in der Sammlung des Museums materialisiert habe. Heute, 70 bis 80 Jahre nach Entstehung der Kunst des Dritten Reichs, sei es eine Verpflichtung , damit kritisch und offen umzugehen. Rosenthal: „Lange, viel zu lange, wurde damit gar nicht umgegangen.“ Das sei ein Versäumnis, „das so richtig nicht zu entschuldigen ist“.

„Wir sehen heute keine schöne, sondern eine schaurige Ausstellung, die mich frösteln lässt“, waren die ersten Worte von Kulturreferent Muchtar Al Ghusain. Dennoch sei sie wichtig und überfällig. Er verwies darauf, dass die Ausstellung mit Kunst, die während des Dritten Reichs entstand und gesammelt wurde, nicht als Einzelprojekt zu betrachten sei. Sie sei eingebettet in den 2010 begonnenen „Dialog Erinnerungskultur“, durch den „Blicke geschärft und Gedenkrituale neu justiert“ worden seien.

Museumsleiterin Marlene Lauter wies darauf hin, dass sich „Tradition und Propaganda“ von den bisherigen Wechselausstellungen unterscheide, weil sie eine Ausstellung über die Gründungsgeschichte der 1941 entstandenen städtischen Galerie sei. Ihr besonderer Dank galt Kuratorin Bettina Keß, die das schwierige Thema „mit Fingerspitzengefühl und Sachverstand“ bearbeitet habe.

Bettina Keß zeigte zu Beginn ihrer Einführung in die Ausstellung eine Zeichnung des Würzburger Zeichners und Grafikers Leo Dittmer (1915 bis 2000), die auch in der Ausstellung zu sehen ist. Darauf ist das berühmte Ensemble um das Varieté „Moulin Rouge“ abgebildet. Dittmer fertigte die Zeichnung 1943 in Paris an, wo er zu dieser Zeit Kunst studierte. In der Ausstellung ist das Bild der Kategorie „Kriegsbilder“ zugeordnet. Denn es gab während der NS-Zeit zahlreiche Künstler, die aus Propagandagründen das Kriegsgeschehen durch ähnliche Darstellungen verharmlosten. Dittmer aber diesen Künstlern zuzuordnen, wurde von einigen Ausstellungsbesuchern, die ihn noch persönlich kannten, heftig bestritten. Die Diskussion ist also bereits eröffnet.

Die Ausstellung geht noch bis zum 12. Mai 2013.

Von unserem Redaktionsmitglied Karl-Georg Rötter
    
    

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Die neuesten Kommentare

baer (328 Kommentare) am 02.03.2013 09:24

ob es bei leo dittmer...

einer diskussion bedarf, wage ich zu bezweifeln...
intensive recherche ist, nicht nur für journalisten, eine wesentliche grundlage für fundierte arbeit und interpretation.
als besucher und freund des kulturspeichers überwiegt bei mir grad unmut und ratlosigkeit,
ob des versuches, leo dittmer's werk als "nationalsozialistische kunst zur verharmlosung des krieges" zu bezeichnen.
peter kemp
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red faction (418 Kommentare) am 02.03.2013 08:23

Schöne Ausstellung

Ich finde das Die Deutsche Kunst niemanden vorenthalten wird.
Ich stehe zu meinen Vaterland.und das lasse ich mir nicht nehmen.
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appeldorn (826 Kommentare) am 01.03.2013 08:01

Die Entzauberung.

Die nationalsozialistische Kunstauffassung dreht sich um den Heros. Die Verherrlichung und Glorifizierung der arischen Rasse steht im Mittelpunkt dieser Malerei.
Durch die Ausstellung im Kulturspeicher erfährt sie ihre Entzauberung.
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