aktualisiert: 08.07.2009 17:59 Uhr
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GIEBELSTADT
Bauernaufstand in Goretex
Proben für die Geyer-Festspiele laufen auf Hochtouren – Premiere am Freitag
Regisseur Renier Baaken späht gottergeben seufzend in die dunkle Wolkendecke über seinem Kopf. Seine Leute sollen doch an diesem Abend proben. Schließlich ist am Freitag Premiere der diesjährigen Geyer-Festspiele. Oder, falls das Wetter so bleiben sollte, der „Giebelstädter Wasserspiele“, wie Baaken mit Galgenhumor bemerkt.
Pünktlich um halb acht begeben sich die Darsteller auf die breite Bühne. Zwar regnet es, aber man hat schon Schlimmeres erlebt und ist ja nicht aus Zucker.
Da kommen sie, die geknechteten Bauern in ihren Regenjacken, Goretex-Schuhen und Funktionshosen, und schleppen einen großen Baumstamm hinter sich her.
Ob's anno 1525 auch zum Bauernaufstand gekommen wäre, wenn die damaligen Landwirte schon so schöne Sachen besessen hätten?
Wie dem auch sei – in ihrem künstlerischen Elan lassen sich die Laienschauspieler vom schlechten Wetter nicht ausbremsen. Handlung und Botschaft sind klar, wie in jedem Jahr:
Das Bauernleben ist elend. Ausgepresst bis weit über die Grenzen des Erträglichen greifen die Geknechteten zur Mistforke und zetteln einen gewalttätigen Aufstand gegen Adel und Klerus an.
Zimperlich gehen dabei weder die einen noch die anderen vor. Nicht in der Realität des Jahres 1525, und auch nicht auf der Freilichtbühne des Geyer-Schlosses in Giebelstadt.
Dort peitscht sich Ritter Grumbach zuerst warm und darf dann ungestraft den Sadisten geben.
Nach seinen ersten hämischen Sätzen möchte man ihn schon aus dem Sattel des hinzugedachten Pferdes zerren, so dermaßen widerwärtig ist dieser Charakter angelegt.
Genau das hat Regisseur Renier Baaken beabsichtigt. Die Zuschauer sollen mit dem Bauernvolk sympathisieren. Adel und Klerus werden bei den Geyer-Festspielen traditionell leidenschaftlich gehasst.
Um diese Rollenverteilung noch besser herauszuarbeiten, hat Baaken in diesem Jahr einen zusätzlichen Akt eingearbeitet – den dritten. Noch mehr schuftende Bauern und wieder die Großkopferten, die sie abscheulich behandeln.
Die Zuschauer erwartet also ein handfestes Spektakel. Unter anderem wird auch in diesem Jahr wieder zünftig geprügelt, randaliert und gekämpft. Oliver Tell, der den Florian Geyer mittlerweile schon zum neunten Mal spielt, verspricht, eindrucksvoll vom Turm zu stürzen.
Ein flammendes Inferno ist ebenfalls zu erwarten – falls es nicht gießt wie aus Kübeln.
„Die Pyrotechnik wird immer schon am Mittag aufgebaut“, erklärt Renier Baaken. Wird sie vom Regen ertränkt, brennt sie unter Umständen nicht.
Eine traditionell männliche Rolle hat der Regisseur mit einer weiblichen Darstellerin besetzt: Der Ochsenkarren wird von einer Kuh gezogen.
Dafür trainiert das Rind schon eine ganze Weile, denn die handelsübliche unterfränkische Milchkuh zieht für gewöhnlich keine Karren. Mit ihren Rollen besser vertraut sind einige der Pferde. „Deren Besitzer erzählen mir, ihre Tiere würden aus den Vorjahren schon ihr Stichwort kennen“, wundert sich Baaken.
Mit der Probe geht es derweil voran. Während Ritter Grumbach fröhlich foltert, verziehen sich die Regenwolken. Und als der Bürgermeister den Vogt gefangen setzt, scheint sogar die Sonne.
Mit dieser meteorologischen Entwicklung könnten die Schauspieler wohl auch am Premierenabend leben. Der Kartenvorverkauf laufe übrigens gut, sagt Oliver Tell. Dennoch seien noch genügend Tickets zu bekommen.
Karten und Informationen unter www.florian-geyer-spiele.de

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