aktualisiert: 22.02.2012 16:53 Uhr
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GAUKÖNIGSHOFEN
Bauernverband informierte über die Windkraft
Geld im Dorf lassen – Rahm selber abschöpfen
Unter dem Motto „Energiewende – Windkraftanlagen im Landkreis Würzburg“ stand eine Informationsveranstaltung des Bayerischen Bauernverbandes.
Über 200 Landwirte, Bürgermeister, Kommunalpolitiker und Bürger hatten sich im Haus der Jugend eingefunden. Der Kreisobmann der Bauern, Hermann Brell, fand gleich zu Anfang deutliche Worte zur Windkraft.
Die ist seinen Worten nach vor allem ein Geschäft, und zwar ein Gutes. Investoren aus dem Münchner Raum und auch aus Norddeutschland locken mit Renditen von über fünf Prozent. Hier seien keine Umwelt schützenden Idealisten am Werk, sondern knallharte Geschäftsleute.
Derzeit sind ihre Werber im ganzen Land unterwegs, um sich die besten Standorte für ihre Windenergieanlagen zu sichern. Ihre Methoden grenzen schon fast an Bauernfängerei, meinte Brell. Sie sichern sich durch die Unterschriften ihrer „Kunden“ die Felder im Umkreis günstiger Standorte.
Tatsächlich bekommt aber nur derjenige, auf dessen Grund die Anlage errichtet wird, die jährliche Entschädigung von bis zu 25 000 Euro. Dadurch entsteht Neid in der Dorfgemeinschaft. Die hohen Pachtbeträge für die nächsten 20 Jahre zeigen auch, dass mit den Anlagen sehr viel Geld zu verdienen ist.
Und das sollte nach Meinung des Bauernverbandes in den Dörfern bleiben. „Bürgerwindräder“ heißt das Zauberwort. Denn wer freut sich nicht, wenn sich am Horizont das „eigene Windkraftwerk“ dreht und nicht nur den umweltfreundlichen Strom für die Einwohner, sondern noch für viel mehr Menschen erzeugt.
410 Windräder sind derzeit in Bayern aufgestellt, davon drehen sich über 100 in Unterfranken. Das berichtete Regierungsdirektor Rainer Kern von der Regierung von Unterfranken. Und wenn es nach dem bayerischen Energiekonzept geht, werden bis 2021 noch einmal 1000 bis 1500 Stück dazugebaut. Dann werden sie zusammen mit Photovoltaik-, Biogasanlagen, Wasserkraftwerken und Geothermie die Hälfte des Strombedarfs im Land decken.
Noch steht der Regionalplan zur Windkraftnutzung nicht endgültig, aber ein paar Zahlen konnte Kern schon nennen. So beträgt die Vorrangfläche für Windräder mit 2500 Hektar etwa 2,5 Prozent der Landwirtschaftlichen Nutzflächen. Als Vorbehaltsflächen wurden 1700 Hektar ausgewiesen. Er empfahl den Bürgermeistern, möglichst bald geeignete Gebiete für künftige Windparks auszuweisen.
Sonst könnte nämlich bei Einhaltung der nötigen Abstände zu Bebauung und Straßen leicht Wildwuchs bei den „Spargeln“ aufkommen. Denn als privilegierte Baumaßnahmen haben sie Vorrang.
„Das Geld im Dorf lassen, den Rahm selber abschöpfen“ – war das Credo des dritten Referenten des Abends. Michael Diestel ist Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Bad Neustadt ist gleichzeitig auch der Geschäftsführer der Agrokraft, einer Tochter des BBV, die Landwirte und Bürger bei der Gründung von örtlichen Energiegenossenschaften berät.
Anhand einiger erfolgreicher Projekte schilderte er die Vorteile und Möglichkeiten genossenschaftlicher Arbeit. Denn das Kapital dazu ist vorhanden. Allein im nicht gerade reichen Landkreis Rhön-Grabfeld sind 4,4 Milliarden an privaten Geldvermögen angespart. Warum dieses Geld irgendwo anlegen, wenn es doch im eigenen Dorf Früchte tragen kann.
„Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das schaffe viele“, dieser Ausspruch von Friedrich Wilhelm Raiffeisen stand Pate bei der Gründung eines Bürgersolarkraftwerks in Großbardorf. Inzwischen haben die Großbardorfer 14,8 Millionen in ihre Energieerzeugung investiert. Eine Biogasanlage erzeugt Strom und versorgt die Bürger mit Nahwärme und auch auf der neuen Überdachung des Stadions sind Fotozellen.
Oder bei dem geplanten Windpark mit 14 Windrädern zwischen Streu und Saale. Die hier gegründete Energiegenossenschaft har es geschafft, dass fast alle Grundstücksbesitzer auf einem großen Areal zugestimmt haben die Anlagen gemeinsam zu errichten.
Doch hier profitieren nicht nur einige wenige von der monatlichen Pacht von 15 000 Euro pro Windrad, die die Genossenschaft zahlt. Ein Zehntel steht demjenigen zu, auf dessen Grund die Anlage steht, ein weiteres Zehntel bekommt der Besitzer des Kranstellplatzes und die restlichen 80 Prozent werden an die restlichen Grundstücksbesitzer ausgezahlt.

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