aktualisiert: 11.09.2009 17:02 Uhr
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OCHSENFURT
Bio-Kraftstoffe: Einigkeit zwischen Südzucker und den Grünen
Unkalkulierbare Bedingungen
Wenn es um die Zukunft von Bio-Kraftstoffen geht, sind sich Grünen-Bundestagsabgeordnete und die Südzucker AG einig. Die wurde bei einem Gespräch im Ochsenfurter Werk deutlich.
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Die Grünen und die Südzucker AG ziehen bei den Biokraftstoffen an einem Strang. Im Bild (von links): die Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell und Christine Scheel, die Kandidaten Patrick Friedl und Hans Plate, die Kreisrätinnen Eva Pimpurs und Karen Heußner sowie Prof. Dr. Markwart Kunz und Dr. Lutz Guderjahn.FOTO GERHARD MEISSNER
Der Zuckerkonzern, zwischenzeitlich Marktführer bei der Erzeugung von Bioethanol, fordert langfristig kalkulierbare Rahmenbedingungen. Bundestagsabgeordneter Hans-Josef Fell, energiepolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion und anerkannter Vordenker, wirft der Großen Koalition Versagen in der Klima-Politik vor.
800 000 Tonnen Ethanol, vorwiegend für die Beimischung in Benzin, produziert die CropEnergies AG jährlich – rund die Hälfte davon in der Zuckerfabrik Zeitz.
Die Südzucker-Tochter ist damit führender Hersteller in Europa. Doch die vergangenen Jahre waren hart, wie sich Vorstandsmitglied Dr. Lutz Guderjahn erinnert.
Die von der rot-grünen Bundesregierung veranlasste Steuerbefreiung für Bio-Kraftstoffe war von der Großen Koalition vorzeitig aufgehoben wurden.
Außerdem wurde die Beimischungsquote nicht wie zuvor beschlossen erhöht. Als börsennotierte Aktiengesellschaft büßte CropEnergies dadurch empfindlich Vertrauen bei den Anlegern ein.
„Die Rahmenbedingungen, auf denen unser Businessplan aufgebaut war, haben sich durch die Änderung der Gesetzeslage um 180 Grad geändert“, sagt Vorstandsmitglied Guderjahn.
Innerhalb der dreijährigen Bauzeit der Ethanolanlage in Zeitz sei dies drei Mal geschehen, sagt Südzucker-Vorstand Kunz. Als Teil eines starken Konzerns überstand CropEnergies die Krise.
Kleine und mittelständische Produzenten von Bio-Kraftstoffen, darunter die ebenfalls in Ochsenfurt ansässige Campa, seien durch die geänderte Besteuerung in die Insolvenz getrieben worden.
Geschadet hat der Bio-Treibstoff-Branche auch die Diskussion „Tank oder Teller“. Völlig irrational und fehlgeleitet sei die Debatte über die ethische Vertretbarkeit von nachwachsenden Energie-Rohstoffen, sagt Hans-Josef Fell.
Gerade beim Bio-Ethanol und Bio-Diesel fallen als Nebenprodukt große Mengen eiweißreiche Futtermittel an. Sie ersetzen Soja, für dessen Anbau in Brasilien große Urwaldflächen gerodet werden.
Auch volkswirtschaftlich seien Bio-Treibstoffe von hohem Nutzen, erläutert Markwart Kunz. Nach einer Studie des Münchner Ifo-Instituts sichere die Produktion von jährlich rund 1,9 Millionen Tonnen Bio-Ethanol in Deutschland rund 31 000 Arbeitsplätze.
Im Gegensatz zur Mineralölwirtschaft sorge Bio-Treibstoff zu einer inländischen Wertschöpfung von 3,7 Milliarden Euro. Vor allen die wenig industrialisierten ländlichen Regionen profitieren davon.

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