aktualisiert: 18.03.2011 18:24 Uhr
Text
Text
WINTERHAUSEN
Biogas oder Nahrungsmittel?
Bauern diskutierten mit Abgeordneten über die Zukunft der Landwirtschaft
Heiße Eisen der Agrarpolitik diskutierten Vertreter landwirtschaftlicher Organisationen mit Bundestags- und Landtagsabgeordneten aus der Region.
Dazu eingeladen hatte der Bauernverband MdB Paul Lehrieder (CSU), MdB Rainer Erdel (FDP), MdL Volkmar Halbleib (SPD) und MdL Manfred Ländner (CSU), um die bäuerlichen Anliegen in die Politik einzubringen, wie BBV-Kreisobmann Hermann Brell sagte. Ganz oben auf der Prioritätenliste stand das Gesetz zu den erneuerbaren Energien (EEG).
Dieses soll noch in diesem Jahr neu aufgelegt werden. In der Vergangenheit habe es für viele Betriebe neue Einkommensmöglichkeiten geschaffen, zum Beispiel durch die Förderung der Photovoltaik. Ohne das EEG wären wir arme Kirchenmäuse, meinte Brell. Allerdings sehen die Bauern hier mit getrübtem Blick in die Zukunft. „Die Freiflächen hat man uns genommen und es wird auch nicht mehr jedes Dach anerkannt“, so der Landwirt. Es werde genauer geprüft.
Den Ausstieg aus der Freiflächen-Photovoltaik betrachtete Erdel, im Hauptberuf selbst Landwirt, als richtig. Bauchschmerzen habe er allerdings mit der Regelung ab 1. Januar 2012, nach der nur noch Biogasanlagen genehmigt werden sollen, die auch ein schlüssiges Wärmekonzept aufweisen. Doch für sehr große Anlagen soll das nicht gelten. „Da gräbt man den bäuerlichen Biogasbetrieben das Wasser ab“, meinte Erdel.
Einig waren sich alle Politiker in einem Punkt: Mit den erneuerbaren Energien, speziell der Biosgasproduktion, müsse man vernünftig umgehen und einen goldenen Mittelweg finden. Ohnehin sei die Akzeptanz in der Bevölkerung sehr gering, es gehe auch um den Ruf der Landwirtschaft. Unter den Bauern sei inzwischen ein knallharter Wettbewerb um Ackerflächen und Pachtpreise ausgebrochen, so dass manch einer auf der Strecke bleibt.
„Diesen Konkurrenzkampf in der Landwirtschaft haben wir nie gewollt“, sagte Georg Kuhn, Vorsitzender der regionalen Vermarktungsinitiative „MainfrankenPlus“ aus Allersheim. Über die gestrichene Förderung bei der Freiflächen-Photovoltaik sei er nicht traurig. „Wir sollten uns wieder auf unsere eigentliche Aufgabe besinnen, nämlich hochwertige Lebensmittel aus der Region für die Region zu produzieren“, appellierte der Landwirt an seine Berufskollegen.
Auch Lehrieder und Ländner sprachen sich für die Herstellung „guter und sicherer Lebensmittel“ aus. Und das lohne sich ja durch den Preisanstieg auch wieder. „Wenn wir nur noch Energiewirte und keine Landwirte mehr haben, brauchen wir auch keinen Bauernverband mehr“, machte Ländner deutlich.
Eine rege Diskussion entstand schließlich noch um die Ernährungsbildung. Mit großem Entsetzen habe sie festgestellt, dass Landwirtschaft und Ernährung im Lehrplan der Schulen nicht mehr vorkommen, erläuterte Lioba Kinzinger, Ortsbäuerin aus dem Auber Stadtteil Burgerroth. Deswegen sei das Projekt „Landfrauen machen Schule“, an dem sie selbst teilnimmt, auch enorm wichtig und dürfe nicht gekürzt werden.
„Wir brauchen diese Bildung in allen Schulen, sonst haben wir irgendwann nur noch unmündige Verbraucher“, meinte die Bäuerin. Und vielleicht lernen dann die Menschen auch wieder, wie sie sich mit Produkten aus der Region einfach und vernünftig ernähren können. Heute wisse doch fast keiner mehr, wie man einen Grießbrei oder eine Kartoffelsuppe kocht.
Diesen Artikel
Die neuesten Kommentare
|
mufftie (512 Kommentare) am 19.03.2011 08:32
Endlich mal...Endlich mal wird über das übersinnige Biogas, das die Grünen eingefordert haben, diskutiert. "Wenn die Welt nichts mehr zu essen hat, nützt euch das biogas auch nichts mehr"! So einfach ist das. Wenn am anderen Ende der Erde Menschen verhungern, braucht man über dieses Luxusgas, das fruchtbaren Boden verbraucht, nicht länger darüber nachdenken. Zudem wollten noch ganz Schlaue den Ertrag mit Genmais steigern. Mien Vorschlag: Sofortigen Stopp der Förderungen und zurück fahren! |
(0)
|

Wetter
















