publiziert: 02.04.2013 16:27 Uhr
aktualisiert: 04.04.2013 12:04 Uhr
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Bombendrohung: Jobcenter geräumt

60 Mitarbeiter mussten am Dienstag das Haus verlassen – Entwarnung nach zwei Stunden
  • Foto: Theresa Müller
    Zwangspause: Wegen einer Bombendrohung blieb das Jobcenter am Dienstag Vormittag geschlossen.
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Eine Bombendrohung hat am Dienstagvormittag das Jobcenter in der Würzburger Bahnhofstraße in Atem gehalten. Rund 60 Mitarbeiter mussten das fünfstöckige Haus verlassen. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Es ist 9.25 Uhr, als sich telefonisch ein Mann bei einer Mitarbeiterin meldet: „Ihr habt mir mein Leben zerstört. In der Bahnhofstraße ist eine Bombe platziert, die hochgehen wird.“ Die Angestellte verständigt sofort ihren Chef. Winfried Schreyer, Leiter des Jobcenters, lässt sich den Wortlaut der Drohung wiedergeben. Dann ruft er die Polizei. Diese ist zehn Minuten später mit mehreren Einsatzwagen vor Ort. Nicht die Polizei, sondern der Einrichtungsleiter veranlasst die Räumung des Gebäudes. Sicher ist sicher. Zuvor hat Schreyer per e-Mail alle Mitarbeiter im Haus über die eingegangene Bombendrohung informiert.

Um 9.40 Uhr verlassen die Mitarbeiter „ruhig und besonnen“ (Schreyer) das Gebäude und sammeln sich – wie für den Notfall vorgesehen – auf dem gegenüberliegenden WVV-Parkplatz. Die einzelnen Stockwerksbeauftragten passen auf, dass auch alle aus dem Haus kommen. Es wird von der Polizei großräumig abgeriegelt. Nach einigen Minuten in der Kälte dürfen sich die Mitarbeiter in die Stadt verteilen. Das Jobcenter bleibt an diesem Vormittag geschlossen.

Um 9.55 Uhr wiederholt ein Anrufer die Bombendrohung direkt bei der Polizei. Der Anruf, so heißt es, kommt offenbar aus einer Telefonzelle in der Zellerau. Währenddessen durchsucht ein Hundeführer mit einem Spürhund das komplette Jobcenter-Gebäude samt Tiefgarage. Sprengstoff finden sie nicht. Um 11.40 Uhr wird der Einsatz für beendet erklärt, nach der Mittagspause nehmen die Angestellten ab 14 Uhr wieder den Publikumsverkehr auf.

Die Polizeiinspektion Würzburg-Stadt versucht nun in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter dem Täter auf die Spur zu kommen. Die Ermittlungen laufen wegen der „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“. Jobcenter-Chef Schreyer geht davon aus, dass es sich um einen Kunden in verzweifelter Lage handelt. „Wir haben die Drohung sehr ernst genommen“, sagte er gegenüber unserer Zeitung.

Seit 2005 gibt es das Jobcenter in der Würzburger Bahnhofstraße als gemeinsame Einrichtung der Stadt Würzburg und der Agentur für Arbeit. Es ist das fünftgrößte Jobcenter in Bayern. In diesen acht Jahren gab es bis dato eine Bombendrohung, die sich ebenfalls als harmlos herausstellte. Vor einem halben Jahr wurden mit Wurfgeschossen drei Scheiben im Jobcenter zerstört. Davor gab es einmal aggressive Graffiti-Schmierereien.

Auch Sprecher Gunther Kunze ist klar, dass oftmals die Enttäuschung über eine persönliche Notlage auf das Jobcenter und seine Mitarbeiter projiziert wird. Da fallen in Gespräch auch mal Gehässigkeiten oder Drohungen. Schreyer: „Es sind meistens Leute, die sich mit dem Gesetz nicht abfinden können und sich ungerecht behandelt fühlen. Sie drücken das dann vor Ort aus.“

Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Jungbauer
    
    

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»Alle 8 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

Wi127 (933 Kommentare) am 03.04.2013 09:41

Blanke Not

"Es sind meistens Leute, die sich mit dem Gesetz nicht abfinden können und sich ungerecht behandelt fühlen."
Ja, danke. Hat mal einer der Oberen drüber nachgedacht, dass es vielleicht einfach de blanke Not ist, die die Leute zu solchen Verzweiflungstaten treibt?
Konto restlos überzogen, Miete fällig, nichts im Kühlschrank, und dann heißt es im Jobcenter: "Wir brauchen von Ihnen jetzt aber noch die Unterlagen zu XYZ, bevor wir Ihren Antrag bearbeiten können..."

Natürlich kann man von den Mitarbeitern nicht erwarten, dass sie sich jedes Einzelschicksal zu Herzen nehmenAber ein bisschen Feingefühl sollte ab und zu schon angebracht sein. Vor allem, weil "das Gesetz" sehr häufig gewaltigen Auslegungsspielraum bietet.
Ich selbst hatte mal das Glück, an eine wirklich hilfsbereite und menschliche Jobcenter-Mitarbeiterin zu geraten. Warum sind nicht alle so? Wenn man nämlich das Gefühl hat, hier versucht einer wirklich, einem zu helfen, kann man das Ganze sicher deutlich ruhiger abwarten.
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birdy2 (629 Kommentare) am 03.04.2013 18:39

Is klar...

das rechtfertigt natürlich eine BOMBENDROHUNG, durch die zig Menschen in Angst und Schrecken versetzt werden!

In Deutschland muss glücklicherweise keiner Hunger leiden! Gibt es mal einen finanziellen Engpass, verursacht durch das Amt, habe ich immer noch die Möglichkeit, die Tafel oder Bahnhofsmission oder was weiß ich was in Anspruch zu nehmen.
Das, was der Typ sich hier erlaubt hat, ist hochgradig kriminell und muss entsprechend geahndet werden!
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Wi127 (933 Kommentare) am 03.04.2013 23:15

Noch was, @birdy2

Gehen Sie mal nachts mit einer Tüte Essen zum Bahnhof - sie wären erschüttert, wie viele Menschen dort wirklich Hunger haben. Und zwar Leute, denen man es rein äußerlich gar nicht ansieht. Eine Bekannte von mir hat das erlebt - sie arbeitete in einem Restaurant und durfte von dort Essensreste mit nach Hause nehmen. Sie kam damit, wie gesagt, bis zum Bahnhof... Sie hat selbst nicht viel zum Leben, aber sie weinte, als sie mir davon erzählte.

Birdy, ich lese Ihre Beiträge schon lange, und deshalb weiß ich, dass Sie um einiges jünger sind als ich. Aber vielleicht kennen Sie ja trotzdem noch den alten Song von Ralph McTell: "Streets of London" - deutsche Version "Unsere Straßen".
So weit sind wir heute wieder.
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Wi127 (933 Kommentare) am 03.04.2013 22:58

Natürlich

rechtfertigt NICHTS eine Bombendrohung. Ich hatte mich mit meinen beiden Beiträgen bloß dagegen verwehrt, dass hier lapidar von "Leuten, die sich mit dem Gesetz nicht abfinden wollen" oder wie war das formuliert, gesprochen wurde.

Und leider muss ich Ihnen widersprechen. Es GIBT hier leider Menschen, die tatsächlich Hunger leiden. Auch ich selbst war vor einigen Jahren mehrmals nahe dran - siehe oben. Nur "nahe dran" ausschließlich deshalb, weil ich eine gewisse Vorratshaltung an Lagerlebensmitteln betreibe, und ich habe dann notfalls halt mal ein paar Tage von Knäckebrot gelebt und die restliche Wurst etc. an meine Kinder verfüttert.

Tafel - ja, grundsätzlich eine gute Idee. Bloß braucht man dafür einen Berechtigungsschein. Und wer stellt den aus? Genau, das Jobcenter nach Feststellung des Anspruchs auf ALG 2. Nach.

Bahnhofsmission, stimmt. Alternativ kann man ja auch zur Suppenküche von Sant'Egidio. Aber wissen Sie, wie schwer dieser Schritt ist? Das ist nämlich das Ende.
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mdeeg (1656 Kommentare) am 02.04.2013 18:36

Wann wurde der Zettel (Foto) aufgehängt?

Wenn 'ab 14 Uhr' wieder geöffnet ist, nachweislich Ausschreibung, wusste man zu dem Zeitpunkt offenbar schon, dass das Gebäude um 14 Uhr noch steht und keine "Bombe" hochgeht - sondern nur einer der auf die Grundsicherung angewiesenen seinem Ärger Luft machte.

"Enttäuschung über persönliche Notlage auf das Jobcenter und seine Mitarbeiter projiziert" ist insoweit eine arg "akademische" Formulierung für m.E. zum Teil abenteuerliche und schikanöse Praktiken, mit denen im Landkreis Würzburg Grundsicherungen verweigert und gekürzt werden und Menschen - ob nun böswillig oder gedankenlos sei dahingestellt - in verzweifelter Lage ungeniert weiter in die Enge getrieben werden.

Und wer sich dagegen zu schützen versucht, wird angezeigt und bekommt beim Amtsgericht Würzburg noch eine "Geldstrafe" aufgebrummt....

Es gibt überall Probleme, nur werden die woanders gelöst während der Eindruck entstehen kann, in Würzburg neigen Behörden dazu, schwierige Lebenssituationen zu verschärfen!
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