aktualisiert: 03.02.2012 16:31 Uhr
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WÜRZBURG
Buch von Gabriele Krauss: mit Hutnadeln und Äther
Buch von Gabriele Krauss erscheint in der Edition „Korund“ des Karin-Fischer-Verlags
Das mit der Liebe ist so eine Sache. Kompliziert ist das. Verwirrend. Ganze Bibliotheken sind gefüllt mit Geschichten und Gedichten, die dem Phänomen „Liebe“ auf die Spur zu kommen versuchen. Die alte und neue Facetten dieses Phänomens ausloten. Auch die Würzburgerin Gabriele Krauss greift das Thema auf – in einem 48 Seiten starkes Bändchen mit dem Titel „Liebhaberinnen“, das zum Jahresende in der Edition „Korund“ des Karin-Fischer-Verlags erschienen ist.
Lieben heißt, sich aus den sicheren Refugien des Bekannten zu wagen. Sich einem anderen in seinem oft irritierenden Anderssein zuzuwenden. Sich auf ihn und seine Besonderheiten einzulassen. Wie schwer das bei aller Sehnsucht danach, der eigenen Einsamkeit zu entfliehen, doch ist! In „Zeit der Nachvögel“, mit dem Gabriele Krauss ihren exquisiten Reigen poetischer Kurz- und Kürzestgeschichten eröffnet, zieht sich ein Mann in einem Café zuerst in die Sicherheit seines Schlafs zurück. Um sich dann, unsanft geweckt, doch noch weglocken zu lassen von einer „Nachtvogelschönheit“. Hinein in einen traumhaften Strudel, der ihn der Wirklichkeit entreißt.
Starr und alt, so werden Menschen, die sich jenseits des Feuers der Liebe aufzuhalten gezwungen sind. Wobei die Verwandlung, der Verlust an liebesvoller Lebendigkeit, oft unmerklich vonstatten geht. In Krauss? Geschichte „Alter erwünscht“ entscheidet sich eine Frau dennoch bewusst dafür, ein alter Mann zu werden. „Die Motive“, so die 52 Jahre alte Autorin, „erfährt der Leser allerdings nicht.“ Irgendetwas bewog die Frau, die Gewohnheiten eines alten Mannes anzunehmen. Früh aufzustehen und sich früh ins Bett zu legen. Wie ein alter Mann, gebeugt, durch den Park zu schlurfen. Bis plötzlich einer kommt, dem sie ihr wahres Gesicht zeigen kann.
In Moll geschrieben
In Musik übertragen, wäre Moll die Tonart, die den in ihrer Surrealität berührenden Geschichten der Literatur- und Musikliebhaberin Gabriele Krauss zugrunde liegen. „Aber natürlich ist Melancholie nur die eine Seite meines Lebensgefühls.“ Diese Seite lebt die gebürtige Aschaffenburgerin, die in Würzburg Italienisch unterrichtet, mit beachtlichem Sprachgefühl in ihrem Geschichtenband aus. Die oft nur wenige Zeilen langen „Storys“ handeln von Menschen, die offensichtlich schmerzhafte Erfahrungen hinter sich haben. Die von anderen Menschen verletzt wurden. Die voller Sehnsucht nach Liebe sind. Und voller Angst vor dem, was passiert, wenn sie sich ihre Sehnsucht erfüllen.
Manche Geschichte zu schreiben, sagt Krauss, war alles andere als unproblematisch. Vor allem dann, wenn sie sich in ganz fremde Welten wagte, dauerte es oft mehrere Tage, bis ihr eine Geschichte von nur knapp drei Seiten länge stimmig erschien. „Kaffeekränzchen“ ist so eine Geschichte – die einzige, in der es direkt kriminell zugeht. Mit Hutnadeln und Äther bewaffnet macht sich eine alte Frau, Mathilde genannt, auf den Weg zu zwei Bekannten. Vorgeblich, um mit ihnen Kaffee zu trinken und zu plaudern. Doch dann attackiert Mathilde die beiden Damen. Setzt sie die zwei außer Gefecht, um deren Wohnung in Ruhe nach einem verlorenen Bild zu durchstöbern.
Neben dem Motiv des Verlusts kommt das der Verwandlung häufig in den Geschichten von Gabriele Krauss vor. Eine junge Frau verwandelt sich in eine alte. Eine alte Frau will krampfhaft jung sein. Ein Mensch verwandelt sich in eine Katze. „Diese Verwandlungen sind von mir psychologisch gemeint. Aber so muss man sie nicht deuten“, sagt die Autorin, die mit „Liebhaberinnen“ ihr zweites Buch veröffentlich hat. „Die Sängerin am Fluss“ heißt der erste, 2010 erschienene Gedichtband.
Das Buch „Liebhaberinnen“, dessen Titel mit einem Ölkreidebild von Gabriele Krauss geschmückt ist, kann für 6,90 Euro in jeder Buchhandlung unter ISBN 978-3-8422-3982-1 bezogen werden.

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