publiziert: 31.07.2011 17:33 Uhr
aktualisiert: 01.08.2011 12:36 Uhr
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CSD in Würzburg: Lehrieder kündigt Ende der Benachteiligung an

CSU-Abgeordneter verspricht gleiche Rechte für Homosexuelle
  • Gleiche Rechte für alle: Rund 300 Demonstranten zogen beim Würzburg CSD durch die Altstadt.
    Fotos: Norbert Schwarzott
  • Einer der wenigen Farbtupfer: Eine Sambagruppe trommelte beim CSD-Fest am unteren Marktplatz.
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Der CSU-Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder hat beim CSD (Christopher Street Day), dem Polit- und Straßenfest der Schwulen und Lesben am Samstag in Würzburg, für eine Überraschung gesorgt. Noch in dieser Legislaturperiode, sagte er vor etwa 300 Menschen, werde die Bundesregierung die rechtliche Benachteiligung von Homosexuellen beenden.

Die Informationsstände der Parteien und Organisationen am unteren Markt stehen im Karree, wie eine Burg, als müssten sie das schwul-lesbische Fest beschützen. Tatsächlich überragt in nächster Nachbarschaft ein Haus den Platz, das für Angriffe auf die homosexuelle Identität steht: die Marienkapelle der katholischen Würzburger. Ihr geistliches Oberhaupt Papst Benedikt schreibt in seinem Buch „Das Licht der Welt“, Homosexualität sei „etwas, das gegen das Wesen dessen steht, was Gott ursprünglich gewollt hat“.

Weltweit verfolgen Christen und Muslime Homosexuelle, in einigen Ländern steht auf Homosexualität die Todesstrafe. Der Bundestag strich vor 18 Jahren den Paragraphen 175 aus dem Strafgesetzbuch, der Sex zwischen Männern unter Strafe stellte. SPD und Grüne wollen nun die sexuelle Identität (wie religiöse oder politische Überzeugungen) unter den Schutz des Artikels 3 des Grundgesetzes zu stellen.

Auf der CSD-Bühne herrscht Zuversicht. Vor zehn Jahren hat die rot-grüne Bundesregierung die eingetragene Lebenspartnerschaft ermöglicht, jetzt geht es um das Recht, gleichgeschlechtlich heiraten zu dürfen. Fünf Parteipolitiker sprechen auf der Bühne, vier bleiben im Rahmen des Erwarteten: Patrick Friedl von den Grünen verweist auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, nach der hetero- und homosexuell Liebenden dieselben Rechte genießen. Die Zeit sei reif für die Homosexuellen-Ehe.

Volkmar Halbleib, SPD-Landtagsabgeordneter, meint, alle Menschen, die sich binden und gegenseitig Verpflichtungen eingehen, hätten ein Recht auf Schutz durch das Institut Ehe. Halbleib sieht nach wie vor Homophobie (Homosexuellenfeindlichkeit) in Deutschland – wie auch Mario Simeunovic von der Linkspartei. Er zählt die Diskriminierung der Schwulen, Lesben und Transgender (Menschen, deren sexuelle Identität nicht ihrem Körper entspricht) zur Verfolgung von Minderheiten, wie sie auch Juden, Sinti und Roma erleiden. Keine Überraschung auch, dass der Würzburger FDP-Bundestagsabgeordnete Joachim Spatz „die Beseitigung aller Ungleichheiten“ verspricht, namentlich im Steuerrecht.

Ungläubig reagiert das Publikum, etwa 300 Leute im Regen, auf CSU-Mann Lehrieder. Der sagt, Politik sei „nur gut, wenn sie gesellschaftliche Strömungen“ aufnehme. Die Gesellschaft sei liberaler geworden, aber der Weg „zum Abbau der Ungleichheiten noch nicht vollendet“. Die Regierungskoalition wolle die Benachteiligung Homosexueller noch in dieser Legislaturperiode lösen. Der Applaus ist mäßig; die Leute glauben ihm wohl erst, wenn die Gesetze beschlossen sind.

Vor den Reden hatten rund 300 Menschen mit einem Zug durch die Altstadt für gleiche Rechte für alle demonstriert. Im Internet-Forum der Main-Post hatten anonyme Schreiber angekündigt, den „aufdringlichen Klamauk“ zu meiden. In Wirklichkeit ist aber jede Fronleichnamsprozession farbenprächtiger als die „Happy Pride“ („Fröhlicher Stolz“)-Parade der Schwulen und Lesben in Würzburg. Eine Sambagruppe, ein Umzugswagen, das war's an Auffälligkeiten. Die Passanten reagierten offen und neugierig. Böse oder ablehnend schauende Leute waren kaum zu sehen.

    
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10 Jahre CSD
Würzburg
30.07.2011
    
    
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Posthalle: CSD - Aftershowparty
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Lumen - CSD Party
Lumen
30.07.2011
    
Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Jung
    
    

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»Alle 64 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

OPS (839 Kommentare) am 04.08.2011 09:02

Bei vielen Kommentaren hier

Bin ich sehr überrascht wie viel Homophobie und religiös verbrähmte Schwulenfeindlichkeit es noch gibt.
Ich bin in einer liberalen, säkularen und toleranten Gesellschaft aufgewachsen. Für mich war Kirche und Religion lange so ein Folklore-Ding das niemand mehr ernsthaft in Deutschland praktizieren kann (niemand in meiner Umgebung tat das).
Und Ablehnung von Homosexualität, das war so eine Sache aus dem Nazireich und etwas das christliche Fundamentalisten in den USA machen- doch aber kein Thema im modernen Deutschland!
In meiner Kindheit und Jugend waren Schwule und Ausländer (beides haben wir auch wertungsneutral so genannt) selbstverständliche Mitglieder einer modernen Gesellschaft und selbstverständlich auch Teil unseres Freundeskreises und die (Selbst)titulierung solcher Personen so selbstverständlich und unproblematisch wie die Benennung der Haarfarbe oder einer charakterlichen Besonderheit.
Ich war schwer geschockt als ich feststellte (schon vor ein paar Jahren), dass Feindlichkeit und Intoleranz in diesem Ausmaß heute noch in Deutschland existieren.

Als noch relativ junger Mensch der von der immer noch bestehenden Existenz von Homophobie, Ausländerfeindlichkeit und Religiosität in Deutschland erst relativ spät erfuhr, vielleicht so vor zehn Jahren, muss ich sagen:
Ihr widert mich an!
Ich hoffe diese Gesellschaft schafft es, euren Kindern ein Weltbild zu vermitteln das mehr Menschenfreundschaft und Toleranz enthält als eure verstaubten Bücher, überkommenen Religionen und hysterischen Ängste.

Wie viele von euch kann es noch geben und wie alt mögt ihr schon sein.
(0)
Berge (552 Kommentare) am 03.08.2011 21:14

Vergessen

Die hier so lautstark die Kirche wegen ihrer Treue zur Bibel angreifen, haben wohl ver-
gessen, dass es kirchliche Einrichtungen waren und sind, die als erste sich zu Beginn
der AIDS-Welle, von der fast ausschließlich Homos betroffen waren, sich an ihre Seite
gestellt haben , für sie Schutz- und Zufluchtsräume geschaffen haben und für Auf-
klärung gesorgt haben, als die Gesellschaft sie noch aus Angst ausgrenzen und kasernieren wollte. Die jetzt so hypertoleranten waren damals nicht zur Stelle. Das
sollte nicht vergessen werden.
(3)
Berge (552 Kommentare) am 03.08.2011 20:49

Ehe

Warum wird die Kirche angegriffen, wenn sie nach biblischer Überlieferung ihre
Überzeugung kundtut und nicht aus taktischen Gründen wie der Lehrrieder vor der
lautstarken Homolobby einknickt und sagt, Ehe ist nach Gottes Willen die Lebensge-
meinschaft von Mann und Frau mit dem Auftrag der Weitergabe des Lebens, wenn dies
möglich ist. Es ist keine Diskriminierung, wenn sie den Menschen Respekt und Würde
entgegenbringt, Homosexualität aber nicht gutheißen kann, vor allem wenn sie nicht in
einer festen Partnerschaft gelebt wird oder gar in gar in sehr fragwürdigen Varianten, wie
sie oft bei den CSD Karnevalsumzügen in exhibitionistischer Form vorgeführt wird.
(2)
Mikkaela (6 Kommentare) am 03.08.2011 12:18

splitter im auge

Unbeschreibliche Gier, die die Welt an den Abgrund bringt, Irre die im Namen Allahs oder Gottes in Höchhäuser fliegen oder Kinder erschiessen, Völlerei im Westen versus verhungernde Kinder in Afrika. Das ist nur der Boden für große Todsünden, kleinere wie Eitelkeiten bei Miss - Wahlen ( siehe Mainpost - Fotos ) will ich gar nicht ansprechen. In so einer verrückten Welt werden dann nur die Schwulen als Sünder zielgenau und permanent angesprochen. Da ich in Frankfurt lebe und als Frau, wenn ich alleine nach 22 Uhr über die Zeil gehe, von Migranten als Schlampe beschimpft werde , sollte die MainPost auch mal darüber berichten, statt nur über die angebliche Diskriminierung von Ausländern. Eure Kinder werden noch froh sein, wenn ihr "Problem" nur die Schwulen sind !!
(2)
fam. feuerstein (2510 Kommentare) am 03.08.2011 07:25

Allein der Begriff "Ehe" muss heterosexuellen Menschen

vorbehalten bleiben!

Wenn schon homophil veranlagte Frauen und Männer, Mädchen und Knaben eine "auf Treue und eigentlich immer währende, weil auf Liebe gründende" Gemeinschaft eingehen möchten, DANN sollten sie sich doch einfach mit dem Begriff "Eingetragene schwule oder lesbische Lebensgemeinschaft" zufrieden geben.

Dann weiss jeder erstens Bescheid und die Betroffenen können sich automatisch für die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt klar ersichtlich "outen" und es kommt zu keinen kritischen Berührungspunkten mit der Hl. Institution Ehe(sakrament).

Inzwischen gibt es auch viele moderne Pfarrer, die so eine "Lebensgemeinschaft" segnen würden (meist ohne Wissen des zuständigen kath. Bischofs...)

Also wozu so ein Geschrei - wenn man das Anliegen durch echte Toleranz beiderseits - einfach und friedlich lösen könnte ??? traurig
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