publiziert: 06.02.2012 15:52 Uhr
aktualisiert: 06.02.2012 16:09 Uhr
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Christophorus-Gesellschaft unterstützt Kampagne „Armut macht krank“

  • Aufmerksamkeit für die schwierige Situation armer Menschen Der ehemalige Wohnungslose Karl-Josef Stoll (links) besucht jede Woche Heimleiter Stefan Gerhard vom Johann-Weber-Haus der Christophorus-Gesellschaft. Mit Humor schildert der chronisch Kranke ihm, was er die Woche über erlebt hat.
    Foto: Günther Purlein
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Um seine Kopfschmerzen zu bekämpfen, konnte Walter Homann (Name geändert) Aspirin verwenden. Dazu reichte das Geld. Andere Medikamente waren in jenen zwei Jahren, als er in einer Garage hauste, unerschwinglich. Wenn es mit einem kleinen Job klappte, konnte er sich etwas zu essen kaufen. „Sonst aß ich halt nichts“, erzählt der 56-Jährige aus dem Johann-Weber-Haus der ökumenischen Christophorus-Gesellschaft anlässlich der diesjährigen Caritas-Kampagne zum Thema „Armut macht krank“. Und so steht es in einem Bericht, den Günther Purlein, Geschäftsführer der Christophorus-Gesellschaft, verfasst hat.

Gesunde Lebensmittel sind für Walter Homann bis heute zu teuer. Der aus Niedersachsen stammende Mann lebt auf Hartz IV-Niveau. Frisches Obst und vitaminreiches Gemüse vom Markt kann er sich nur selten leisten. Meist reicht das Geld nur für Billigprodukte aus dem Discounter. Eine Situation, die auch Heimbewohner Bernd Simon (Name geändert) kennt. Simon ist 59 Jahre alt und kam im September nach einjährigem „Zeltlager“ am Main nahe Würzburg durch Zufall ins Johann-Weber-Haus: „Die Polizei hat mich erwischt. Da hatte ich zum zweiten Mal Mineralwasser geklaut. Zum Zähneputzen.“ Die Polizei nahm Kontakt zur Christophorus-Einrichtung auf: „Das war mein großes Glück.“

Heimleiter Stefan Gerhard wünscht sich anlässlich der Caritas-Kampagne mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit für die schwierige Situation armer Menschen, was die Themen „Gesundheit“ und „Krankheit“ anbelangt. Zwar habe sich in den vergangenen Jahren einiges gebessert: „Heute ist jeder krankenversichert.“ Doch diese Verbesserungen hätten eine fatale Kehrseite: „Viele Menschen kommen mit einem hohen Schuldenberg zu uns, weil sie lange ohne Leistungsbezug lebten und dadurch keine Versicherungsbeiträge eingezahlt wurden.“ Bei einem der 24 Ex-Wohnungslosen aus dem Johann-Weber-Haus stehen Beitragsforderungen in Höhe von 5000 Euro aus.

Dass Armut die Gesundheit ankratzt, liegt auch daran, dass sozial benachteiligte Menschen häufig Arbeitsplätze haben, die ungesund sind und auf Dauer krank machen, schreibt Günther Purlein. Karl-Josef Stoll zum Beispiel war insgesamt zwölf Jahre abwechselnd als Schausteller und in der Gastronomie tätig. Besonders das Schaustellergewerbe, das er vom Frühjahr bis in den Herbst hinein betrieb, war extrem erschöpfend: „Das hieß manchmal Arbeit die ganze Nacht hindurch. Bis vier Uhr in der Frühe. Das hat mich körperlich total überfordert.“

Bis 1980 machte der heute 65-Jährige dies mit. Danach war er längere Zeit auf der Straße. Bis er ins Johann-Weber-Haus kam. Wo er auftanken und endlich Ruhe finden konnte.

Vor zehn Jahren durfte Stoll ausziehen. Dennoch besucht er das Team des Johann-Weber-Hauses mindestens einmal in der Woche: „Hier erhalte ich mein Geld.“ Heimleiter Stefan Gerhard erzählt er bei dieser Gelegenheit auch immer, wie es ihm gerade geht. Stoll klagt nie. Obwohl er alles andere als topfit ist: „Mir fehlt eine halbe Lunge.“

Ferien sind nicht drin

Trotz seiner Krankheit war der Rentner seit fünf Jahren nicht mehr beim Arzt. Die Praxisgebühr von zehn Euro, sagt er, spart er sich lieber. Fein wäre es, irgendwo Urlaub zu machen, wo das Klima positiv auf die Lungen einwirken könnte. Doch Ferien sind für einen ehemaligen Wohnungslosen, der von Grundsicherung lebt, nicht drin.

Die Caritas-Kampagne will in diesem Jahr bewusst machen, in welchem Maße Armut und Gesundheit zusammenhängen. Rein statistisch liegt der Caritas zufolge die mittlere Lebenserwartung von Frauen aus der Armutsrisikogruppe acht Jahre unter der von Frauen aus der hohen Einkommensgruppe. Bei Männern beträgt die Differenz sogar elf Jahre.

Bei obdachlosen Menschen ist die Lebenserwartung noch einmal deutlich niedriger. Das Leben auf der Straße, die schlechte und unregelmäßige Ernährung, chronische physische und psychische Erkrankungen sowie fehlende soziale Kontakte führen dazu, dass diese Menschen bis zu 30 Jahre früher sterben als gut versorgte Bürger, schreibt Purlein.

rtg
    
    

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Die neuesten Kommentare

45acp (194 Kommentare) am 09.02.2012 08:33

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.......was kostet eigentlich ein Anteil an der Mainpost?
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