aktualisiert: 10.03.2011 16:58 Uhr
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WÜRZBURG
Claudia Stamm wollte nicht poltern
Grüner Aschermittwoch unter dem Motto „Kehraus – Frauen putzen runter!“
Ihren politischen Aschermittwoch haben die Grünen in Würzburg-Stadt und -Land anlässlich des 100. Frauentags dem weiblichen Geschlecht gewidmet. Das Motto: „Kehraus – Frauen putzen runter!“ Hauptrednerin vor rund 100 Gästen im Matthias-Ehrenfried-Haus war die Landtagsabgeordnete und gebürtige Würzburgerin Claudia Stamm. Sie ist Gleichstellungs- und haushaltspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion.
Stamms Worte wechselten sich ab mit Kabarettliedern aus den 20er und 30er Jahren von der koketten Argentinierin Clementina, die mit ihren Liedern gern dem starken Geschlecht auf den Schlips tritt. Durch den Abend führte die Kreisrätin im Landkreis Würzburg, Eva Pumpurs.
Dass richtiges Poltern und Draufhauen, wie am Aschermittwoch üblich, nicht gerade ihr Ding ist, bemerkte Claudia Stamm schon im Vorfeld gegenüber dieser Zeitung. „Ich finde es nicht mehr zeitgemäß draufzuhauen“, sagte die 40-Jährige. Politik müsse wieder ernsthafter werden. Ein „angriffslustigen, frechen Abend“, wie von den Grünen angekündigt, erwartete den Besucher daher nicht. Claudia Stamm äußerte sich kritisch, brachte durch Anekdoten und Zitate Witz in in ihre Worte, laut und emotional wurde sie aber zu keiner Zeit.
Ihr Spott richtete sich vornehmlich gegen die CSU und Ministerpräsidenten Horst Seehofer. „Weiß jemand, was FBI ist?“, fragte sie gespannt. Familie, Bildung und Innovation sollen ein Hauptaugenmerk des Sonderprogramms „Aufbruch Bayern!“ sein, welches das Herz des Doppelhaushaltes ist. Mit diesem Programm zögen die CSU-ler durch die Lande und verbreiteten jede Menge heiße Luft. Aus Innovation sei „klammheimlich Investition geworden“, kritisierte die Grüne mit Blick auf zahlreiche Straßenbauprojekte. „Mit mehr Frauen würde die Gegend nicht so zubetoniert“, glaubt Stamm.
„Wieder nicht grün und nicht nachhaltig“ sei der neue Staatshaushalt, habe die CSU doch keinem einzigen Antrag der Grünen zugestimmt. „In der EU ist man dafür, in Berlin auch, in Bayern natürlich nicht“, hieß es bei mehreren Themen. Claudia Stamm warf den Christsozialen vor, sie wollten aus Bayern ein Steuerparadies machen – zu wenig Fahnder gäbe es, zu wenig Beamte insgesamt und unter ihnen zu wenig Frauen. Auf der Einnahmenseite werde gespart, ohne die Löcher auf der Ausgabenseite zu stopfen, Geschenke gemacht, ohne Geld dafür auszugeben.
„Blanke Orientierungslosigkeit“ herrsche bei den Schwarzen. Man wolle eine Wehrreform, aber keine Kürzungen, besteure Trüffel und Skilifte mit sieben Prozent Mehrwertsteuer, während auf Schulessen 19 Prozent erhoben werden. Als größten Feind sieht die Grünen-Landtagsabgeordnete jedoch einen anderen: den Nichtwähler, dem man keinen Anlass geben dürfe, sich weiter auszubreiten. In der Hartz IV-Debatte habe die Politik zuletzt stark an Glaubwürdigkeit verloren.
Das Hauptthema Frauen zog sich durch Stamms Rede: „Wir wollen die Hälfte der Macht – und zwar auf Erden und nicht erst, wenn uns die Heilige Petra die Himmelspforten öffnet.“ Auch ohne viel Geläster schien das Publikum zufrieden mit dem Unterhaltungswert des grünen Aschermittwochs.

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