publiziert: 11.11.2011 09:05 Uhr
aktualisiert: 11.11.2011 09:14 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text GERBRUNN
Das starre System aufbrechen

Grünen Podiumsdiskussion in Gerbrunn zum Thema „Bildung“

„Wir Schüler stellen fest: wir gehen um 8 Uhr in die Schule und um 13 Uhr nach Hause und dann fängt das Leben an. Aber Schule muss so konzipiert sein, dass das Leben in der Schule stattfindet.“ Mit diesen Worten brachte Clara-Elisa Bracker, 15 Jahre alt, Schülerin des Siebold-Gymnasiums und Vorsitzende der LandesschülerInnenvereinigung, ihr Unbehagen am bayerischen Schulsystem zum Ausdruck.

Schulen haben heute die unterschiedlichsten Aufgaben: Sie sollen Bildung und soziale Kompetenzen vermitteln, jeden Schüler so gut wie möglich fördern, bei der Berufswahl unterstützen und aussagefähige Beurteilungen über die Leistungen ihrer Schüler erstellen. Wie man diese Aufgaben am besten erfüllen könne, wurde auf einer Veranstaltung der Grünen zum Thema Bildung leidenschaftlich diskutiert.

Als Teilnehmer der Diskussion stellten sich neben Clara-Elisa Bracker der schulpolitische Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, Thomas Gehring, der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Unterfranken, Walter Feineis und der Abteilungsleiter für Schulpolitik beim BLLV, Steve Bauer zur Verfügung, moderiert wurde die Veranstaltung von der Grünen Kreisrätin Eva Pumpurs.

Individuelle Förderung

Einigkeit herrschte darüber, dass Schüler frühzeitig individuell gefördert werden müssten und eine längere gemeinsame Schulzeit von Vorteil wäre, denn „Schüler lernen am meisten von anderen Schülern“, betonte Feineis und erklärte, er könne nicht nachvollziehen, warum die bayerische Staatsregierung jahrgangsgemischte Klassen in der Grundschule mit dem Argument fördere, inhomogene Gruppen führten zu einem höheren Lernerfolg, aber gleichzeitig an der Trennung der Schüler nach der vierten Klasse festhalte.

Für ein kostenloses erstes Kindergartenjahr setzte sich Gehring ein mit den Worten „Förderung im Kindergarten muss so früh wie möglich angeboten werden, daher macht ein kostenloses Kindergartenjahr vor allem zu Beginn der Kindergartenzeit Sinn“. Er betonte auch, die Einrichtung eines kostenloses Kindergartenjahres stehe zwar im Koalitionsvertrag der bayerischen Regierung, von einer Umsetzung sei man jedoch noch weit entfernt.

Der Vertreter des BLLV, Bauer, erläuterte ausführlich am Beispiel der Studienergebnisse von Falko Peschel, wie individuelle Förderung der Schüler in einem offenen Unterricht konkret aussehen könne und legte Wert auf die Feststellung, dass bei einer längeren gemeinsamen Schulzeit die heutigen Hauptschüler nicht nur Nutznießer wären, sondern auch viele Kenntnisse und Fähigkeiten zum Nutzen der anderen Schüler aktiv einbringen würden.

Behutsame Verbesserungen

Deutlich waren die Worte, die Clara-Elisa Bracker fand: „Das dreigliedrige Schulsystem zementiert den Erhalt der Ständegesellschaft“.

Dennoch könnten Verbesserungen am Schulsystem nur sehr behutsam und mit den Eltern und Kommunen vorgenommen werde, fasste Gehring zusammen, denn sonst bestehe die Gefahr, dass sich parallel zum öffentlichen Schulsystem teure Privatschulen entwickelten und zu einer Zwei-Klassen-Schulgesellschaft führen würden.

Mehr Freiheiten für Lehrer, weniger stark reglementierter Unterricht und damit auch Entlastung der Schulen von Bürokratie, das sei aber auch kurzfristig umzusetzen, forderte Feineis und verglich den in mindestens sechs Schulstunden und damit ebenso viele Fächer unterteilten Schulunterricht mit moderner Erwachsenenbildung: „In der Erwachsenenbildung würde niemand auf die Idee kommen, einen Seminartag so zu gestalten. In der Bildung unserer Kinder sollten wir hier auch schleunigst moderne Erkenntnisse aus der Bildungsforschung in den Schulalltag implementieren“.

Nachdem sich die Zahl der Hauptschulen aufgrund des Schülerschwundes im Landkreis Würzburg in den nächsten Jahren weiter verringern wird, ist es für Bauer und Gehring daher ein längst überfälliger nächster Schritt, das starre System aufzubrechen, damit in der Region über die geeignete Schulform verantwortlich entschieden werden könne. Nur so ließen sich Schulstandorte noch erhalten, waren sich die Teilnehmer abschließend einig.

Von unserem Mitarbeiter Matthias Demel
    
    

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