aktualisiert: 07.04.2011 17:59 Uhr
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WÜRZBURG
Den Arbeitstag aktiv gestalten
Experten-Mailforum zu „Würzburg bewegt sich – natürlich auch am Arbeitsplatz“
(bert) Im Rahmen der Aktion „Würzburg bewegt sich – natürlich auch am Arbeitsplatz“ beantworteten in einem Mail-Forum Experten aus der Arbeitswelt Fragen zum Thema „Stress lass nach – den Arbeitstag aktiv gestalten“. Dabei zeigten unsere Leser ein großes Interesse an einer gesundheitsfördernden Gestaltung des Arbeitsplatzes.
Frage: In letzter Zeit schlafe ich nicht gut. Ist das Frühjahrsmüdigkeit oder kann das auch Belastung sein?Dr. Marion Schowalter, Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Universität Würzburg: „Die Schlafqualität kann von vielen Faktoren beeinflusst sein. Anspannung und Belastung gehören dazu. Sollte Ihr Schlaf durch eine aktuelle Belastung beeinträchtigt sein, könnte es Ihnen helfen, bereits schon zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen abzuschalten und zu entspannen. Beim Entspannen und Abstand nehmen vom Tag sind für viele Menschen z. B. ein Spaziergang, eine Entspannungsübung, Musik hören oder Lesen hilfreich.“
Manchmal, wenn ich früh zur Arbeit gehe, muss ich weinen. Mir wird einfach alles zu viel. Habe ich Burn out?Dr. Schowalter: „Zu den Symptomen eines Burn outs gehören Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, mangelnde Freude an Dingen, die sonst Freude machen, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, auch Traurigkeit. Am besten wäre, wenn Sie sich zur Abklärung an Ihren Hausarzt, einen Psychiater oder Psychotherapeuten wenden. Oder vereinbaren Sie an unser Institut einen Beratungstermin. Der aktive Schritt sich Hilfe zu suchen, ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer Veränderung.“
Mein Schichtdienst macht mir zu schaffen, wie sieht ein optimaler Schlaf-Wach–Rhythmus aus?Dr. Michael Schwab, Arzt für Geriatrie und Facharzt für Innere Medizin, Chefarzt geriatrische Reha Bürgerspital Würzburg: „Die Störung im Schlaf-Wach-Rhythmus kann auf verschiedene Weise vermindert werden. Günstig sind Schichtfolgen im Uhrzeigersinn das heißt, die Reihenfolge Früh-, Spät-, Nachtschicht. In der Regel werden kurze Zyklen mit je drei bis vier aufeinander folgenden gleichen Schichten besser vertragen. Wechselschichtarbeiter können sich die Anpassung an die neue Schicht wesentlich erleichtern, indem sie in den letzten Tagen der jeweiligen Schicht ihre Schlaf-/Wachzeiten um ein bis zwei Stunden nach vorne verschieben. Obwohl kurzzeitiger Schlaf zwischendurch regelmäßige Schlafzeiten nicht ersetzten kann, können kurze Nickerchen außerhalb der Arbeitszeit dazu beitragen, den zeitlich zu geringen Schlaf am Tag bei Schichtarbeitern teilweise auszugleichen.
Wie sieht eigentlich eine erholsame Pause am Arbeitsplatz aus? Wie lange und wie oft sind Pausen sinnvoll?Dr. Schwab: „Regelmäßige Pausen sind wichtig, sie dienen nicht nur der Gesundheit, sie verbessern auch die Qualität der Arbeit. Gesetzlich vorgeschrieben sind Pausen bei Arbeitszeiten über sechs Stunden. In der Regel gilt für Frühstückspausen eine Mindestdauer von 15 Minuten, für Mittagspausen von 30 Minuten. Abweichungen mit kleineren Stückelungen sind jedoch in verschiedenen Bereichen möglich. Durch aktive Pausen ist eine gesundheitsfördernde Gestaltung der Arbeitspause möglich. Es eignen sich Übungen zur Entspannung oder Kräftigung des Bewegungs- und Stützapparates, zur Entspannung der Augen (z. B. bei Bildschirmarbeit) oder zur sanften Aktivierung des Herz Kreis Lauf Systems. Aktive Pausen eigenen auch besonders gut zum Stressabbau.“
Ich stehe hauptsächlich am Arbeitsplatz. Was kann ich zum Ausgleich tun. Habe ich das Recht mich mehrmals täglich zu setzen oder kurze Entspannungsübungen zu machen?Norbert Zirnsak, DGB-Organisationssekretär in Würzburg: „Prinzipiell empfehle ich, mit dieser Fragestellung direkt auf die Interessenvertretung in Ihrem Betrieb, den Betriebsrat oder die zuständige Sicherheitsfachkraft zuzugehen und diesen um Rückmeldung zu bitten. Generell müsste es im Interesse jedes Arbeitgebers liegen, eine kurze „Sitzzeit“ – sofern sie der Gesundheit des Arbeitnehmers nutzt – zuzulassen. Für manche Betriebe sind Pausengestaltung und Steh-Sitz-Positionen in ihrer Betriebsvereinbarung fest geregelt. Dies ist abhängig vom Tarifvertrag und der jeweiligen Branche.“
Ich würde gerne in meiner Firma Betriebliches Gesundheitsmanagement einführen. Wie sieht die Kostenübernahme hierfür aus? Gibt es Unterstützung durch die Krankenkassen, rechtliche Vorschriften?Katrin Siegmund, Diplompädagogin IHK Würzburg-Schweinfurt: „Es gibt eine gesetzliche Regelung, nach der jeder Betrieb pro Mitarbeiter 500 Euro steuerfrei zur betrieblichen Gesundheitsfürsorge aufwenden kann. Die Krankenkassen bieten auch Gesundheitstage für Betriebe an, bei denen die Mitarbeiter etwa Vorsorgechecks durchführen können. Diese Leistungen sind kostenfrei. Werden Sie doch aktiv und sprechen sie mit ihrer Geschäftsleitung darüber.“
Ich werde bei meiner Arbeit häufig unterbrochen und muss mich ständig neu in meine Tätigkeiten einarbeiten. Dadurch verliere ich viel Zeit und habe das Gefühl, zu gar nichts zu kommen. Was kann ich tun?Siegmund: „Das ist ein Problem der modernen Arbeitswelt. Viele Menschen sind mit den vielfältigsten Erwartungen, ständig neuen Fragen und hohen Anforderungen konfrontiert. Wir neigen dazu, viele Dinge parallel und mit unterschiedlichen Medien zu erledigen. Man nennt dies auch Multi-Tasking. Eine Möglichkeit, sich Luft zu verschaffen, um konzentriert und am Stück arbeiten zu können, sind sogenannte „Stille Stunden“ (z. B. wird das Telefon umgestellt oder der Antwortbeantworter angestellt). Dies müssen Sie jedoch mit ihrem Team oder ihrem Vorgesetzten besprechen. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass Betriebsleitungen mittlerweile das Phänomen des Multi-Taskings kennen und auch wissen, dass strukturelle Lösungen zur Entlastung der Mitarbeiter im Interesse der betrieblichen Ergebnisse sind.“
Erfreuliche Bilanz
Die vierwöchige Aktion „Würzburg bewegt sich – natürlich auch am Arbeitsplatz“ endet an diesem Freitag.
Die Tatsache, dass sich 30 Betriebe und Einrichtungen mit besondern Bewegungsangeboten an der Gesamtaktion beteiligt haben, sei ein guter Anfang und ein Zeichen für das Engagement der Betriebe im Bereich der gesundheitlichen Förderung, zieht Ursula Wichtermann vom Aktivbüro der Stadt eine erfreuliche Bilanz.
Die Bewegungspässe zur Aktion können noch bis Montagvormittag, 11. April, im Aktivbüro, Karmelitenstraße 43, abgegeben werden.

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