publiziert: 11.11.2010 17:55 Uhr
aktualisiert: 11.11.2010 17:56 Uhr
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Deportiert und ermordet: Mahnmal für NS-Opfer

Erinnerung an jüdische Mitbürger vor St. Benedikt
  • Dem früheren Eingang zum Platz'schen Garten nachempfunden: Das von Benediktinerpater Meinrad Dufner (im Bild) entworfene Denkmal zur Erinnerung an die Deportation mainfränkischer Juden.
    Foto: Thomas Obermeier
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Am Ende sollten nur 41 von ihnen das Grauen überleben. Über 2000 jüdische Mitbürger aus Mainfranken wurden in den Jahren 1941 bis 1943 von Würzburg aus mit sechs Zügen in osteuropäische Vernichtungslager transportiert – wie Schlachtvieh. Seit Mittwoch erinnert ein Mahnmal an die Deportierten.

Angelegt wurde es am Friedrich-Ebert-Ring (zwischen Rottendorfer Straße und Valentin-Becker-Straße) vor dem Haus St. Benedikt. Hier war früher der Eingang zum Platz'schen Garten, ein bekanntes Tanzlokal. Hier – oder in der Schrannenhalle – mussten sich die Opfer sammeln. Dann traten sie ihren Todesmarsch Richtung Hauptbahnhof oder Verladebahnhof an. Oberbürgermeister Georg Rosenthal erinnerte bei der Gedenkfeier daran, dass auch Würzburger an diesen Verbrechen beteiligt waren, weggeschaut oder geschwiegen – oder sogar Beifall geklatscht haben. Oder: Sie haben sich bereichert, als alles Hab und Gut der jüdischen Mitbürger versteigert wurde.

Geschaffen hat das Mahnmal der Benediktinerpater Meinrad Dufner. Er hat in das Kunstwerk die früheren Treppen aufgenommen, eine Jugendstilsäule und den Zaun. Ins Mauerwerk sind die Namen der Vernichtungslager und die Deportationsdaten eingraviert. Auf der Treppe liegen verloren drei einzelne Schuhe (aus Eisen) – ein Männer-, ein Frauen-, ein Kinderschuh. Ganze Familien wurden damals ausgelöscht. Vormals, so Pater Meinrad, sei dies der festliche, mondäne Eingang zu Würzburgs bekanntestem Tanzlokal gewesen. „Für die jüdischen Mitbürger war es der Eingang zum Totentanz.“

Es war im Jahr 1955, als die Benediktiner das frühere Deportationsgelände zu ihrem Anwesen dazukauften. „Wir sind uns des Erbes sehr bewusst“, sagte Abt Michael Reepen in seiner Ansprache. Das Gedenken habe man immer bewahrt und die Pläne für ein Mahnmal jederzeit unterstützt. Auch der Orden selbst war von der NS-Diktatur betroffen. Selbst Ordensleute wurden ins KZ verfrachtet. 1941 lösten die NS-Behörden das Benediktinerkolleg auf und nutzen es stattdessen als Lehrerfortbildungsanstalt. 1945 brannte das Gebäude bei der Bombardierung völlig aus. Es sei danach als erstes Haus in Würzburg wieder mit Ziegeln bedeckt worden – „es war ein Haus der Hoffnung.“

Projekt „Weg der Erinnerung“

Auch das neue Denkmal – hergestellt in den Werkstätten der Abtei – soll Hoffnung geben und fortwährende Mahnung sein, für ein „friedvolles Miteinander aller Bürger, unabhängig von ihrer Religion, Herkunft oder Hautfarbe“, wie es Josef Schuster, Vorsitzender der israelitischen Kultusgemeinde, zum Ausdruck brachte.

Allein bei der dritten Deportation am 25. April 1942 wurden 852 jüdische Würzburger und Mainfranken ins Vernichtungslager Lublin transportiert. „Die Shoa“, so Oberbürgermeister Rosenthal, „wird immer ein Teil der Geschichte Würzburgs bleiben.“ Und damit Aufgabe der permanenten Wachsamkeit gegenüber aufkeimendem Rassismus und Antisemitismus. Rosenthal: „Wir müssen Zivilcourage zeigen, wo die Menschenwürde verletzt wird.“

Das Denkmal ist der Anfang eines Erinnerungsweges, der mit elf Betonschwellen entstehen und bis zum früheren Verladebahnhof in die Aumühle führen soll. Die Projektgruppe „Wir wollen uns erinnern“ bereitet in Erinnerung an die Opfer für den 10. Mai 2011 einen Gedenkmarsch auf der Deportationsstrecke vor.

Informationen zum Gedenkmarsch am 10. Mai 2011 im Internet unter:

www.wir-wollen-uns-erinnern.de

Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Jungbauer
    
    

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