publiziert: 01.03.2013 17:57 Uhr
aktualisiert: 03.03.2013 12:05 Uhr
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Der neue Papst: Stimmen Sie ab!

Was Würzburger Kirchenleute von der Papstwahl erwarten und erhoffen
  • Foto: T. Müller
    Abschied von Benedikt XVI. im Würzburger Dom: Welche Richtung schlägt ein neuer Papst ein?
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Viele Menschen schauen dieser Tage gespannt nach Rom: Dort verabschiedete sich Papst Benedikt und machte den Platz frei für einen Nachfolger. Was erwarten Gläubige und Priester in Stadt und Landkreis von einem neuen Oberhaupt der katholischen Kirche? Was sollte er zuerst anpacken?

Clemens Bieber, Domkapitular und Vorsitzender des Caritasverbandes der Diözese, wünscht dem neuen Mann ausreichend physische Kräfte und Energie für seinen Dienst. Der künftige Papst sollte eine persönlich gewinnende und sympathische Ausstrahlung haben, wach für die Entwicklungen in der Welt und den Gesellschaften, offen für die pastoralen Erfordernisse und sozial-caritativen Notwendigkeiten und bereit zum Dialog mit den Verantwortlichen in den Staaten wie auch mit den Meinungsmachern in den Medien sein. Sehr wichtig: Er müsse die Kraft haben, die Kirche und damit auch den Vatikan zu leiten. „Ich bin auf die Wahl gespannt, vielleicht ergibt sich schon dort eine zweite Überraschung. Die erste war ja sein Rücktritt.“

Wenn hätten Sie gerne als neuen Papst? Stimmen Sie hier unter sechs Favoriten ab:

Die Dekanin der evangelischen Kirche in Würzburg, Edda Weise, erwartet von dem neuen Papst in erster Linie, dass er ein glaubhafter Vertreter der Kirche Jesu Christi ist und gewinnend zum Glauben einlädt. Ihm sei zu wünschen, dass er einen freundlichen Blick auf die Welt hat, ein Herz, das von der Liebe Gottes geprägt ist und Liebe zu den Menschen hat. Dazu gehören ein offenes Ohr und Dialogbereitschaft für Christen anderer Traditionen und Konfessionen.

Als Vertreterin der evangelischen Kirche meint sie, „wir sind gemeinsam berufen, die eine Kirche Jesu Christi zu bezeugen und zu vertreten, da sind Dialog und kirchliche Weggemeinschaft unabdingbar“. Was den neuen Mann angeht, wäre es für Edda Weise interessant zu sehen, wie ein Papst aus Asien, Afrika oder Lateinamerika das Amt ausfüllen würde.

Hochschulpfarrer Burkhard Hose von der katholischen Hochschulgemeinde ist Realist genug, vom neuen Papst keine großen Reformen zu erwarten. Als Visionär erhofft er sich aber jemanden, „der die Fenster weit aufmacht“ und die Kirche auf dem Kurs des Zweiten Vatikanischen Konzils erneuern hilft. Der neue Papst sollte nicht nur von allen möglichen Gefahren sprechen, die es ängstlich abzuwehren gilt, sondern mutig neue Möglichkeiten für die Kirche eröffnen. Er sollte nicht zuerst anpacken, so Hose, sondern zuhören. Sein visionärer Wunsch: Der Papst sucht zunächst ausschließlich das Gespräch mit ganz normalen Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen, deren Lebensgeschichten Brüche und Windungen aufweisen, und beginnt erst dann mit katholischen „Insidern“ zu reden. Erst danach könnte er eine Enzyklika schreiben. Woher der Papst geografisch kommt, sei nicht von Bedeutung. Er sollte Weite mitbringen. Wer sich von einem afrikanischen Papst automatisch einen katholischen „Obama-Effekt“ erhofft, werde unter Umständen schwer enttäuscht werden.

Hochschulpfarrerin Susanne Hötzel von der evangelischen Hochschulgemeinde (ESG) wünscht sich einen Papst, der die Probleme der Zeit sieht, sie aufgreift und eine menschliche Kirche repräsentiert. Er solle es schaffen, die Kirche etwas einheitlicher und liberaler zu repräsentieren. Zunächst sollte der neue Papst die Missstände in den eigenen Reihen, wie zum Beispiel sexueller Missbrauch, beseitigen. Die evangelische Kirche sollte als Kirche ernst genommen und anerkannt werden, und zwar „auf Augenhöhe“.

Pfarrer Alfred Kraus, St. Sebastian Heuchelhof und St. Josef Rottenbauer, wünscht sich eine authentische Persönlichkeit, die die Menschen mit ihren Hoffnungen, Sehnsüchten und Nöten ernst nimmt. „Grundsätzlich hoffe ich, dass der Gedanke des Bischofskollegiums, wie ihn das II. Vatikanische Konzil formuliert hat, wieder mehr Raum gewinnt. Der zentralistische Einfluss der römischen Kurie ist nach meinem Eindruck ein Anachronismus, der viele Katholiken demotiviert. So wünsche ich mir zum Beispiel, dass der Bischof von Rom den Bischöfen in der Welt zutraut, vor Ort gute Entscheidungen treffen zu können.“ Er solle mit ihnen im Gespräch sein, ohne alles reglementieren zu wollen. „Für die deutsche Kirche hoffe ich, dass die Ökumene mit der evangelischen Kirche weiter voran geht. Besonders im Blick auf Familien, in denen verschiedene Konfessionen unter einem Dach leben, müssen Wege gesucht werden, dass Eucharistie und Abendmahl gegenseitig anerkannt werden.“ Auch die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener müsse mehr unter dem Gesichtspunkt der Barmherzigkeit beurteilt werden, sagt Kraus. Und es müsse wieder möglich sein, über die Frage der Zulassung von Frauen zum Weiheamt nachzudenken.

„Sollten sich die Kardinäle beim Konklave nicht mit der Idee anfreunden können, unverrichteter Dinge in ihre Ortskirchen zurückzukehren, und tatsächlich einen Papst wählen, dann wäre meine Erwartung zuvorderst die, dass er Gott und dem Wirken des Heiligen Geistes sowie dem der Seelsorgerinnen und Seelsorger vor Ort nicht im Wege steht“, sagt Augustiner-Prior Bruder Peter Reinl. „Ich wünsche ihm viel Vertrauen in Gott und in die Menschen, auch in die ihm anvertrauten Getauften. Er soll innerhalb des Volkes Gottes dafür einstehen, dass der einzelne Mensch immer höher einzuschätzen ist als eine Institution. Das muss er nicht zuletzt aus dem dunklen Kapitel der Missbrauchsfälle gelernt haben. Er muss für Prozess und nicht für Status quo stehen, sich am Reich Gottes orientieren, also die biblische Botschaft nicht bürokratisch verwalten und doktrinär-disziplinär überliefern, sondern sie schöpferisch umsetzen und in der Praxis bezeugen. Zudem erwarte ich von ihm, dass er Weite fördert, im Denken und im Handeln, dass er sich am Ende sogar darüber freuen kann, wenn Ortskirchen ihr eigenes Profil entwickeln. Throne und kirchliche Ehrenzeichen soll er ablegen und den Menschen (unabhängig ihrer Konfession und Religion) auf Augenhöhe begegnen.“

Noch mehr Stimmen zur bevorstehenden Papstwahl:

Pfarrer Hermann Steinert, St. Nikolaus, Gerbrunn:
„Vom neuen Papst erwarte ich zuallererst, dass er ein menschlicher Hirte ist, der durch seine persönliche aus innerem Glauben gespeiste Ausstrahlung die große Gemeinschaft der katholischen Kirche zusammenhalten kann. Außerdem soll er auf dem Boden des II. Vatikanischen Konzils stehen und versuchen, die Impulse des Konzils im 21. Jahrhundert in unsere Weltkirche hinein zu übersetzen. Das bedeutet Respekt gegenüber allen Ortskirchen der römischen Kirche, außerdem Dialog mit den anderen Konfessionen. Da die Versuche einer Versöhnung mit den Pius-Brüdern gescheitert sind, ist hier eine klare Linie gefragt. Die Zulassung zum Diakonen- und Priesteramt ist neu zu überdenken. Es gibt Charismen in unserer Kirche, die noch nicht genügend genutzt werden, vor allem unter den Frauen, wie auch unter verheirateten Männern.“

Pfarrer Werner Vollmuth, Pfarreiengemeinschaft Heiligkreuz-St. Elisabeth, Zellerau:
„Im Grunde soll er vor allem katholisch sein, d.h. die katholische Weite in sich und in unserer Kirche zulassen und den Dienst an der Einheit als Versöhner der 'Gegensätze' ausüben. Ob er im Vatikan 'auf- oder ausräumen muss', wie die Medien sagen, weiß ich nicht, aber wenn es tatsächlich nötig ist, hoffe ich, dass er es schafft.“

Dompfarrer Jürgen Vorndran:
„Papst Benedikt hat Wegweisendes zum Verhältnis von Glaube und Vernunft gesagt. Immer wieder hat er betont, dass beide nicht im Gegensatz zueinander stehen, dass sie aufeinander bezogen sind und sich gegenseitig weiter bringen. Der zukünftige Papst könnte hier anknüpfen und aufzeigen, wie wir in ähnlicher Weise ein lebendiges und kreatives Miteinander von Kirche und Postmoderne hinbekommen können, denn der Glaube verlangt immer nach der Übersetzung ins Heute. Er sollte ein großer Kommunikator sein, die Sprache der Menschen von heute sprechen und ein Charisma besitzen, das zu Herzen geht. Die deutsche Kirche erwartet von ihm sicherlich eine 'katholische Weite', die Liebe im Herzen, die weiß, dass das Band der Einheit niemals zu eng geschnürt werden darf, so dass manchen die Luft wegbleibt. In einer Zeit der Globalisierung wird es besonders auf das rechte Augenmaß ankommen im Dienst an der Einheit.

Michael Schultes, Pfarrgemeinderatsvorsitzender von St. Norbert in Höchberg:
„Ich hoffe nur, dass sich die Kirche mit dem neuen Papst der heutigen Zeit annähert. Mit Papst Benedikt hat es vielleicht sogar Rückschritte gegeben.“ Er wünsche sich eine Öffnung der Kirche. Das gelte für Themen wie Zölibat oder die Stellung der Frau in der Kirche. Beim Papsttum könne man grundsätzlich fragen, ob es ein Amt auf Lebenszeit sein müsse und man könne auch über eine zeitliche Beschränkung nachdenken.

Von unseren Redaktionsmitgliedern Ernst Jerg und Richard Wust
    
    

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Die neuesten Kommentare

frei100 (856 Kommentare) am 02.03.2013 08:13

Was sagt denn die Bibel

wie die Gemeinde aussehen soll? Hier mal ein paar Kostproben! Die Gemeinde gehört Gott! Christus ist der Eckstein und das Haupt der Gemeinde. Die Gemeinde ist geheiligt und gereinigt durch Christus. Erkauft durch das Blut Jesu! Die Gemeinde verherrlicht Gott. Die Gemeinde ist herrlich. Der Herr fügt ständig Gläubige zur Gemeinde hinzu!
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