publiziert: 23.02.2012 17:12 Uhr
aktualisiert: 23.02.2012 17:14 Uhr
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Des Hundes Freud, des Fliegers Leid

Gefahr bei der Landung: Vierbeiner graben Löcher in die Landebahn des Ochsenfurter Flugplatzes
  • Betreten verboten: Trotzdem lassen Hundebesitzer ihre Tiere auf der Landebahn wühlen, hat Waldemar Schneider beobachtet.
    Fotos: Claudia Schuhmann
  • Gefahr im Boden: Teilweise sind die von den Hunden gegrabenen Löcher recht groß. Flugzeugreifen könnten hier hinein geraten.
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Für Hunde verspricht sie Spannung, Spiel und mit etwas Glück sogar einen Jagderfolg – die von zahllosen Mäusen bewohnte Landebahn des Ochsenfurter Flugplatzes. Die Piloten kleiner Sportmaschinen dürften an dem Hunde-Freizeitvergnügen allerdings keinen Gefallen finden. Denn die Löcher, die die Vierbeiner in der Wiese hinterlassen, können für startende und landende Flugzeuge zur Gefahr werden.

An einem sonnigen Nachmittag ist Waldemar Schneider beim Löcherzählen. Der Ochsenfurter betätigt sich in seiner Freizeit als Landschaftspfleger rund um den Flugplatz und hat sich die Mühe gemacht, die von den Hunden geschaffenen Krater einmal zu erfassen. Kleinere Löcher lässt er links liegen. Ihn interessieren nur die tieferen mit einem Durchmesser ab etwa 20 Zentimetern, in denen die relativ kleinen Räder von Sportflugzeugen tatsächlich hängen bleiben könnten. Auf 44 Löcher kommt Waldemar Schneider an diesem Tag.

„Im schlimmsten Fall überschlägt sich das Flugzeug, und das kann für die Mannschaft Genickbruch bedeuten.“

Jörg Beck Fluglehrer

Für ihn besteht kein Zweifel an der Urheberschaft: Hunde, die in der schönen Umgebung des Flugplatzes Gassi geführt werden, machen die Krater. Dem Geruch der Mäuse, die unter der Landebahn hausen, können die Vierbeiner nicht widerstehen und versuchen, die Nager auszubuddeln. „Ich habe schon mal einen beim Graben beobachtet“, erzählt Schneider. Das Herrchen habe derweil auf dem Weg neben der Landebahn gestanden und auf seine Hinweise überhaupt nicht reagiert. Den Hunden gibt Schneider keine Schuld. Er selbst hat im Laufe seines Lebens zwölf Hunde besessen. Es sind die Besitzer, denen eigentlich klar sein müsste, dass ihre Tiere auf dem Flugplatz nicht graben dürfen.

Jörg Beck aus dem hessischen Feldatal ist Geschäftsführer der Flugplatz-GmbH und kann die Befürchtungen von Waldemar Schneider nur teilen. Der Fluglehrer hält die ungenehmigten Ausgrabungen für ein „echtes Problem“ und schildert, was passieren könnte, wenn ein landendes Flugzeug mit einem seiner Räder in solch ein Loch geriete: „Im schlimmsten Fall überschlägt sich das Flugzeug, und das kann für die Mannschaft Genickbruch bedeuten.“ Zumindest aber seien Motor und Propeller hinüber, was mit rund 20 000 Euro zu Buche schlagen kann. Ist nachweisbar, wer für das Loch verantwortlich ist, wird es für den Betreffenden erstens teuer und zweitens muss er auch mit einem strafrechtlichen Verfahren rechnen. „Das ist ein Eingriff in den Luftverkehr“, sagt Jörg Beck.

Der Fluglehrer beklagt das ziemlich sorglose Verhältnis, das viele Passanten zu dem Flugplatz oberhalb von Ochsenfurt haben. „Von den meisten wird das Areal überhaupt nicht als aktiver Flugplatz wahrgenommen“, sagt Beck. Zwar weisen mehrere Schilder deutlich darauf hin, dass das Gelände nicht betreten werden darf. Allerdings ist es nicht eingezäunt. Deshalb flanieren nicht nur Hundebesitzer, sondern auch Spaziergänger – teils sogar mit Kinderwagen – über die Wiese, die gar keine Wiese ist.

Wie gefährlich dieses Verhalten ist, begreifen die Spaziergänger überhaupt nicht. „Ein Laie kann nicht erkennen, ob sich ein Flugzeug nähert“, sagt der Fluglehrer. Fälschlicherweise glaubten die Leute, ein landender Flieger sei rechtzeitig zu sehen. Bei einer Annäherungsgeschwindigkeit von etwa 150 Stundenkilometern sei es dann aber zu spät, um noch reagieren zu können.

Die etwas mehr als 500 Meter lange Landebahn nutzen Ultraleichtflieger ebenso wie kleine einmotorige Flugzeuge und Hubschrauber. Insbesondere an Wochenenden herrscht in Ochsenfurt auch mal regerer Flugbetrieb. „Wir wollen die Anwohner nicht nerven, deshalb geht bei uns die Platzrunde über den Wald und nicht über die Wohnbebauung“, sagt Jörg Beck.

Ohne seine Erlaubnis darf auf dem Flugplatz niemand starten oder landen. Soll die Landebahn genutzt werden, wird sie am Morgen abgefahren und auf eventuelle Hindernisse überprüft. Was aber, wenn in der Zwischenzeit ein Hund dem Jagdfieber erliegt und ein neues Loch macht? Beck kann nur an die Vernunft von Herrchen oder Frauchen appellieren.

Von unserem Redaktionsmitglied Claudia Schuhmann
    
    

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