aktualisiert: 29.06.2011 15:50 Uhr
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BOXEN
Die Hitze quält die Boxer
Im Kiliani-Festzelt leiden die Athleten an den Temperaturen und rauchenden Zuschauern
Wer es richtig heiß mag, geht hoch. Wer nicht, bleibt unten. Jeder Saunagänger hat die Wahl. Für die Boxer, die am gestrigen Sonntagmittag im aufgeheizten Kiliani-Bierzelt oben im Ring kämpfen mussten, gab es hingegen keine Alternative, außer einer: Aufgeben.
Daran dachte Edgar Walth, 19, nicht, auch wenn seine Bewegungen im Duell gegen Philip Barak vom BC Wismar/Schwerin unrund aussahen. Der Kampf im Federgewicht endete unentschieden. Der mehrmalige deutsche Junioren-Meister Walth mühte sich, aber die Luft im stickigen Zelt machte ihm zu schaffen. Später verriet er, woran seine Passivität außer den Temperaturen noch lag. „Es ist wirklich hart hier oben. Ich danke allen Zuschauern für die Unterstützung. Gleichzeitig bitte ich, das Rauchen einzustellen. Das hilft uns Boxern ungemein.“
Walth sprach's und zog von dannen. Er war einer von vier auswärtigen Boxern, die das elfköpfige Team der Würzburger Kickers verstärken sollten. Noch am gleichen Tag stand für Edgar Walth, der mit seinem Trainer Hans Buchmeier („Edgar hat heute die Kraft gefehlt“) nach Würzburg gereist war, unweit seiner Boxheimat Straubing ein weiterer Kampf an.
Veranstalter Karl-Heinz Wolfstädter braucht auch solche Tagelöhner. Seit 25 Jahren organisieren er und seine Kickers im Kiliani-Bierzelt einen traditionell gut besuchten Boxkampf – diesmal kamen rund 700 Zuschauer. „Davor haben wir in der Carl-Diem-Halle oder in Discos geboxt“, erinnerte sich Wolfstädter. „Irgendwann kam die Kooperation mit der damaligen Festwirtfamilie Müller-Reichart zustande.“
Am 13. Juli 1986 ging es zum ersten Mal im Festzelt gegen den BC Düren Grüngürtel. Die Kickers gewannen 12:10. Auch in den Folgejahren waren die mehr oder weniger verstärkten Rothosen meist erfolgreich. Gegner waren Teams wie Usti nad Laben (1991), Tatabanya Budapest (1998) oder Hertha BSC Berlin (2002). Einmal wurde im Kiliani-Bierzelt sogar ein Qualifikationskampf zur Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Ungarn ausgetragen (2002).
Bei der Jubiläumsauflage setzte man hingegen wieder auf den Lokalkolorit. Der Großteil der Kickers-Mannschaft, die den Vergleich mit dem ostdeutschen Boxklub Wismar/Schwerin mit 18:14 für sich entschied, übt das Jahr über im Boxzentrum am Würzburger Dallenberg.
So auch Nikolay Zadishvili, der seinen Kontrahenten im Leichtgewicht, Leo Skoba, zur Aufgabe zwang. Eineinhalb Monate hatte er sich auf den Kampf vorbereitet. „Mein Gegner war sehr stark“, so Zadishvili. Diese Aussage sollte man nicht überbewerten. Denn das sagen viele siegreichen Boxer. Aber seine Taktik dürfte schon exklusiv gewesen sein. „In der dritten Runde hatte ich kaum noch Luft. Deswegen habe ich angegriffen, um den Kampf möglichst schnell zu beenden.“
Sein größter Kritiker ist Vater und Trainer Ruslan Zadishvili. Auch ihm sah man die Hitze an, auch wenn er nur dem Passivsport frönte. „Es ist zu warm fürs Boxen. Darunter leidet natürlich auch die Qualität der Kämpfe.“ In elf Duellen ging es nur viermal über die volle Distanz. Wenn der bärtige Gäste-Coach Willi Morales sein Handtuch in die eine Hand, die Trinkflasche in die andere nahm und gemütlich nach oben zum Ring spazierte, wusste man schon: Wismar/Schwerin gibt auf, ob der Boxer wollte oder nicht. Bei diesen Bedingungen müssen die Sportler ab und an vor sich selbst geschützt werden.
Auch den abschließenden Kampf im Superschwergewicht zwischen dem 95 Kilogramm schweren Kickers-Kämpfer Romano Kujak und dem neuen deutschen U-19-Meister Christian Lewandowski (96 kg) beendeten die Gäste nach der zweiten Runde vorzeitig. „Kujak“, sagte Ringsprecher Hermann Czujan aus Straubing, „hat den Kampf seines Lebens gemacht.“ Nur einmal nahm er unerlaubterweise die flache Innenhand und wurde dafür verwarnt. Am Ende durfte er freilich unter dem Gejohle der Zuschauer trotz blutverschmierten Gesichts jubeln. Es wird wohl für immer das Geheimnis des Würzburger Boxpublikums bleiben, warum für gewöhnlich erst dann Stimmung im Zelt aufkommt, wenn das erste Mal so richtig Blut spritzt.
Das Kiliani-Boxen in Zahlen
FC Würzburger Kickers – BC Wismar/Schwerin 18:14
Superschwergewicht (•91kg): Romano Kujak – Christian Lewandowski, Sieger Kujak durch technischen K.o. in der 2. Runde. Schwergewicht (bis 91 kg): Konstantin Löwen – Clemens Wendt, Sieger Löwen nach Aufgabe Wendts in der 2. Runde. Halbschwergewicht (bis 81 kg): Dschochor Dadajew – Norik Schaweschow, Sieger Schaweschow durch technischen K.o. in der 1. Runde, Gerorg Tossounian – Albert Bulgadarjan, Sieger Bulgadarjan nach Punkten. Mittelgewicht (bis 75 kg): Paul Schäfer – Josef Kliefoth, Sieger Schäfer nach Aufgabe Kliefoths in der 3. Runde. Weltergewicht (bis 69 kg): Florian Toksoy – Murat Belalow, Sieger Toksoy durch technischen K.o. in der 1. Runde, Daniel Rusnak – Karimi Schaffi, Sieger Schaffi nach Punkten. Leichtgewicht (bis 60 kg): Adem Kadroli – Ajuhow Riswan, Sieger Kadroli durch Aufgabe Riswan in der 1. Runde, Kim Jan Krüger – Zelimkan Dadajew, Sieger Dadajew nach Punkten, Nikolay Zadishvili – Leo Skoba, Sieger Zadishvili durch Aufgabe Skobas in der 3. Runde. Federgewicht (bis 57 kg): Edgar Walth – Philip Barak, Unentschieden. Ringrichter: Norbert Renner (FC Nürnberg), Armin Kneer (Königsbrunn). Ringsprecher: Hermann Czujan (Straubing). Zuschauer: 700.

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