publiziert: 02.02.2012 18:27 Uhr
aktualisiert: 02.02.2012 18:27 Uhr
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Die falschen Spuren des Leonhard Frank

Über die politische Nähe des Würzburger Schriftstellers zu den Kommunisten
  • Leonhard Frank im Jahr 1952 in Würzburg.
    Foto: Walter Röder
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Lange mussten sich Leser, die über den Würzburger Schriftsteller Leonhard Frank (1882 bis 1961) Bescheid wissen wollten, mit seiner romanhaften Autobiografie „Links wo das Herz ist“ bescheiden. In ihr beschreibt er scheinbar anhand seines Alter Ego Michael Vierkant sein Leben. Aber Frank-Forscher wie der Stadtheimatpfleger Hans Steidle oder Michael Henke, der Vorsitzende der Leonhard-Frank-Gesellschaft (LFG) warnen davor, alles als bare Münze zu nehmen.

In der jüngsten Mitgliederversammlung der LFG sprach Henke von „falschen Spuren“, die der Autor gelegt habe, „nicht um etwas zu verschweigen“, sondern weil dem Schriftsteller Frank „der reale Frank nicht so wichtig war“.

In einem Vortrag, Titel: „Zwischen Revolution und Inflation, oder: Als Leonhard Frank Kommunist war“, berichtete Henke über Ereignisse und Wendungen in Franks Leben, von denen der Schriftsteller in seiner vermeintlichen Autobiografie nichts erzählt. Henkes Grundthese ist, dass Frank in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg Pazifist und Revolutionär gleichermaßen war. Franks Idee von einer künftigen Gesellschaft habe sich fundamental von der seinerzeit existierenden unterschieden. Frank habe sich „gegen die Fortsetzung bürgerlicher Herrschafts- und Gesellschaftsformen gerichtet“.

Henke beschreibt Frank in den Jahren 1918 bis 1923 als Kommunisten oder Linkssozialisten, seine Taten seien schwer zu rekonstruieren. Unter anderem aus Aufzeichnungen des Frank-Freundes Thomas Mann und aus Franks agitatorischer Beteiligung an sozialen Kämpfen in Zürich schließt Henke auf „ein politisch-revolutionäres Engagement“ und auf Sympathien zur Spartakus-Gruppe. Frank habe bis etwa 1923, vermutlich ohne Mitglied der KPD gewesen zu sein, politische Hoffnungen in die Kommunistische Partei Deutschlands gesetzt.

Die Hoffnung blieb unerfüllt. 30 Jahre später, in „Links wo das Herz ist“, beschreibt sein Alter Ego Michael Vierkant nicht als Kommunisten, sondern als „Gefühlssozialisten“.

Im September wird die Leonhard-Frank-Gesellschaft 30 Jahre alt. Die längste Zeit ihres Bestehens hat sie sich aufs Literarische beschränkt. Henke, der im vergangenen Jahr den Vorsitz übernahm, würdigte jetzt vor der Mitgliederversammlung die jüngste Würzburger Großdemonstration gegen Nazis. Für ihn sei denkbar, sagte er, dass sich die LFG da künftig stärker engagiert.

Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Jung
    
    

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Die neuesten Kommentare

appeldorn (426 Kommentare) am 03.02.2012 12:48

Der janusköpfige L. Frank.

In seinem Roman "Die Ursache" beschreibt Frank die faschistoiden Machenschaften eines Pädagogen. Zugleich hegt er Sympathie für den Spartakus-Bund. Wie passt das in einem Kopf zusammen?
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appeldorn (426 Kommentare) am 02.02.2012 19:22

tarnen und sich hinter der Dichtung verstecken.

Die meisten sozialistischen Schriftsteller schrieben für eine humanere Gesellschaft. Sie wollten den Kommunismus mit einem menschlichen Antlitz.. Schon Karl Marx verriet uns, dass Blumen gebrochen werden müssen, um der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Dagegen verwahrte sich schon frühzeitig Goethe, den die Sozialisten in der DDR später für sich vereinnehmen wollten, lange vor K. Marx. Goethe musste die Blumen nicht brechen. Er grub sie aus und trug sie nach hause, um sie dort wieder in den Garten einzupflanzen.
Karl Marx schrieb ständig für eine gerechte menschliche Gesellschaft, welche das "Himmelreich" auf Erden errichten sollte, aber die Blumen wollte er brechen.
L. Frank,der Herz-Jesu-Sozialist ,erscheint plötzlich in einem ganz anderen Licht.

Bei den sozialistischen Schriftstellern gibt es eine enorme Divergenz zwischen dem Schreiben und dem Denken. Geschrieben wurde oftmals für den Broterwerb, gedacht wurde in Freundeskreisen oftmals ganz anders. So gibt es einen offiziellen und einen inoffiziellen Schriftsteller L. Frank.
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