aktualisiert: 23.10.2011 18:50 Uhr
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WÜRZBURG
Durchtrainierte Phantasie beim Improtheaterfestival
Großer Theatersport beim Improfestival bis 29. Oktober im Mainfranken Theater
„Der Goldene Kaktus“ zieht sich als roter Faden durchs Programm des 10. Improtheater-Festivals bis zum Finale am kommenden Sonntag. Dann schauspielern im Mainfranken Theater internationale Festgäste um den Pokal – und sich um Kopf und Kragen. Verheißungsvoll eröffnete am Freitag eine Vorrunde den Theatersport im Jugendkulturhaus Cairo: Zweierteams aus Australien gegen USA, Deutschland gegen Österreich. Wer immer bis zum Finale ausscheiden wird, sollte keinen strengen Meistertitel-Ehrgeiz haben: Die Bewertungen sind so willkürlich wie die Darbietungen unvergleichlich.
Der Football-Trainer schimpft einen Spieler nieder, der von der Bank aus positiv ausstrahlen sollte, um seine Kollegen zu motivieren. Zwei Improvisateure wechseln sich beim Erzählen einer Geschichte von Wort zu Wort ab. Eine Lady klimmt aus dem Fenster des „Freedawls“, um die „Freedawl“-Epoche ihrer langen Familiengeschichte endlich hinter sich zu lassen. Zwölf Nummern dieser Art glänzten mit Tempo, emotionaler Wallung und überraschend starker Verbalorientierung. Bei den vielen Auslandskünstlern des etablierten Impro-Fests gilt Englisch weitestgehend als Kongresssprache.
Das kann seine Tücken haben. Theatersport-Nummern laufen so ab, dass die Jury ein Format, d. h. ein Genre vorgibt, und das Publikum ein Inhaltsstichwort dazu liefert. Vorm „Freedawl“-Sketch hatte den agierenden Australierinnen niemand übersetzt, dass sie eine Szene „auf dem Friedhof“ erfinden sollten. Sie hatten irgendwas wie „Freedawl“ aufgeschnappt – und schon losgelegt.
Impro-Künstler müssen sich eh auf das Unerwartete einlassen - und das Unerwartete produzieren. Ihr Können zeigt sich darin, den eigenen Teampartner möglichst stark herauszufordern, ohne ihn zu überfordern. Dann können sich große kleine Geschichten entwickeln, die trotz hohem Zeitdruck ein schlüssiges Ende finden. Wenn sie dann auch noch menschlich berühren, dann wird aus dem Theatersport Bühnenkunst. Das ist zwar nicht die Absicht dieser Unterhaltung, kann aber passieren. Schon am Eröffnungsabend war es ein paar Mal soweit.
Die vorherrschende Sprache Englisch zeigte es schon: Eine solch schnelle Geistesgegenwart und durchtrainierte Phantasie bringen nur Weltklasse-Profis ins Rampenlicht. In der kommenden Woche finden weitere Qualifikationen um den Goldenen Kaktus statt, doch es geht auch langsamer und länger als im Fünfminutenformat. Die veranstaltende Würzburger Gruppe Kaktussen hat das Publikum daran gewöhnt, dass Improtheater mehr als Klamauk sein kann. Auf diese Geschmacksbildung können die Gastkünstler aus Italien, Slowenien etc. in der kommenden Woche aufbauen.
Programmhefte für das Improtheater-Festival iegen aus. Festival-Hotline: Tel. (09 31) 41 69 33, im Internet: www.improtheaterfestival.de

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