publiziert: 25.11.2010 18:21 Uhr
aktualisiert: 25.11.2010 19:00 Uhr
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Erinnerungen an jüdisches Leben

Ausgelöscht

Juden in Uffenheim: Erinnerungen an jüdisches Leben finden sich heute kaum noch in der Stadt. Spuren wurden beseitigt, Unterlagen beim Rathausbrand vernichtet. Dabei liegen die Ursprünge am Anfang des 13. Jahrhunderts.

  • Beschämend: Vier jüdische Männer wurden am 14. Oktober 1938 ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Viele Uffenheimer schauten dabei seelenruhig zu.
    Foto: Privat
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Der 14. Oktober 1938 ist ein schauriger Tag. Jakob Schmalgrund, Leopold Hahn, Emil Liebreich und ein weiterer Jude, dessen Name nicht bekannt ist, werden in einer Stimmung der Überlegenheit verhaftet und erst einmal im Uffenheimer Gefängnis eingesperrt.

Ein paar Stunden später bildet sich ein langer Zug. Zwei Buben gehen an der Spitze. Sie tragen Schilder mit der Aufschrift „Auszug aus dem gelobten Land“ und „Eiliges Ausfuhrgut aus Uffenheim in Deutschland an den Völkerbund für Väterchen Stalin“.

Begleitet werden sie von Polizisten und SA-Männern und vielen Schulkindern. Sie bringen die vier Gefangenen zum Bahnhof. Von hier aus werden sie mit der Deutschen Reichsbahn ins Konzentrationslager nach Dachau deportiert. Sechs Tage später löst sich die israelitische Kultusgemeinde Uffenheim auf.

Auch wenn heute nicht mehr viel an ein jüdisches Leben in der Kleinstadt erinnert, lebten Anfang des 20. Jahrhunderts mehr als 100 Juden in Uffenheim.

Die jüdische Gemeinde wuchs stetig. 1910 gab es 104 Juden in der Stadt – ein Anteil von 4,4 Prozent bei 2389 Einwohnern. Georg Schöck, vor seiner Zeit als Bürgermeister war er als Realschullehrer für Deutsch und Geschichte tätig, hat sich auf Spurensuche begeben, ältere Mitbürger nach ihren Erinnerungen befragt und historische Unterlagen entdeckt.

Eine Informationstafel und ein steinernes Mahnmal erinnern heute an die einstige Synagoge in der Ringstraße. Der Bürgerverein singt zur Einweihung am 5. September 1890 in hebräischer Sprache, Distriktsrabbiner Grünbaum aus Ansbach hält die Festpredigt, der königliche Bezirksamtmann Zink lobt die Synagoge als ein prächtig gelungenes Gebäude und Uffenheims damaliger Bürgermeister spendet 400 Mark.

Am Ende singen alle gemeinsam „Lobe den Herren“, einen Choral. „Die Feier war also ein Paradebeispiel für ein harmonisches Zusammenleben zwischen christlichen und jüdischen Mitbürgern“, berichtet Schöck. Die Uffenheimer waren stolz auf ihre Synagoge, auf Ansichtskarten wird sie als eines der Wahrzeichen der Stadt abgebildet.

Sogar die Nacht des 9. November 1938, als in Deutschland viele Synagogen brannten, übersteht das Gotteshaus unbeschadet. „Vielleicht gab es Hemmungen so radikal vorzugehen“, überlegt Georg Schöck.

Denn schließlich lebten Juden und Christen in Uffenheim viele Jahrzehnte friedlich nebeneinander. Erst nach 1939, so erinnern sich Augenzeugen, wird die Synagoge unter fachmännischer Aufsicht eines Maurermeisters abgebrochen.

Dazu findet Schöck einen Hinweis in der Uffenheimer Zeitung vom 21. Januar 1939: „Die Synagoge wurde in den Besitz der Stadt übernommen. Das Gebäude wird abgerissen . . .“. Mit den Steinen wurden Behelfsheime für Evakuierte gebaut. Eines davon existiert heute noch.

Eine weitere Spur auf der Suche nach einstigem jüdischen Leben in Uffenheim führt in die Schlossstraße zu einem alten Fachwerkhaus. Hier buk Josua Flamm feinste koschere Konditoreiwaren für das Pesach Fest. Im Erdgeschoss sind heute noch die beiden Backöfen mit ihren schmiedeeisernen Türen zu sehen.

Die Backwaren aus der Uffenheimer Mazzenfabrik waren deutschlandweit bekannt. Allein in München, so geht aus einer Anzeige hervor, die am 1. März 1931 in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung erschienen ist, gab es drei Verkaufsstellen. Flamm stellte auch koschere, hausgemachte Eiernudeln her.

Alles unter der strengen Aufsicht des Distriktrabbiners. Heute gehört die Backstatt zum Anwesen einer jungen Familie. Sie möchte das fast 200 Jahre alte Nebengebäude erhalten.

Der Weg führt weiter in die Judengasse. Eine Straße, die auch während der nationalsozialistischen Herrschaft, ihren Namen behalten durfte. „Das ist schon verwunderlich“, sagt Bürgermeister Schöck.

Denn andere Straßen in Uffenheim wurden bereits 1933 umbenannt. Aus der Langgasse (heute Friedrich-Eberth-Straße) wurde die Hitlerstraße, der Marktplatz zum Hindenburgplatz.

Den Namen Judengasse gibt es seit mehr als 250 Jahren. Aber besonders viele Juden haben in der Straße nie gelebt. Schöck weiß von zwei jüdischen Familien.

Und noch etwas verwundert. Unter den vielen Namen jener, die während des Ersten Weltkrieges ihr Vaterland verteidigten und ihr Leben auf den Schlachtfeldern verloren haben, sind auch jüdische Männer zu finden.

Max Flamm ist am 16. Februar 1915 bei Cerny gefallen, Max Goldschmidt starb am 3. November 1915 bei Kraguijevak (Serbien), Ludwig Flamm verlor am 13. September 1919 vor Verdun sein Leben und Hugo Fleischmann am 31. Dezember 1917 bei Isenheim.

Ihre Namen wurden 1924 in das Kriegerdenkmal in der Luitpoldstraße eingraviert. Dort stehen sie noch heute. Selbst die Nationalsozialisten haben sie während ihrer Schreckensherrschaft nicht entfernt.

Die vier Namen erinnern an jüdisches Leben in Uffenheim – an die Geschichte eines Volkes, das über einen Zeitraum von mehr als 600 Jahren in der Stadt lebte. Was davon bleibt ist ein altes Haus und zwei Backöfen.

Von unserem Redaktionsmitglied Thomas Fritz
    
    

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