aktualisiert: 26.01.2012 14:53 Uhr
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WÜRZBURG/PASADENA
Erst-Untersuchung für zehn Cent
Zwei Master-Studenten der FH entwickeln Verfahren zum Einsatz mobiler medizinischer Versorgung
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Mobiles Stethoskop: Auch ohne medizinische Vorkenntnisse können Mitarbeiter das Gerät nutzen und die Messdaten per Mobilfunk an einen Arzt weiterschicken.Foto: FH -
Kostengünstige Untersuchungen: Die beiden FH-Studenten Stefan Gehring (links) und Alexander Strauß erforschten in Kalifornien den Einsatz von mobilen Geräten zur medizinischen Versorgung.Foto: FH
Sie haben ein ehrgeiziges Ziel: Stefan Gehring und Alexander Strauß wollen die medizinische Versorgung in Entwicklungsländern verbessern. Zum Preis von zehn US-Cent soll bald eine Grunduntersuchung möglich sein – dank eines mobilen Versorgungsangebots, das sich den Mobilfunk zunutze macht. Während eines Auslandsaufenthalts in den USA erforschten die beiden Master-Studenten des FH-Studiengangs „Informationssysteme“ verschiedene Verfahren zum Einsatz mobiler medizinischer Versorgung sowie ein System zur Erfassung, Übertragung und Auswertung von medizinischen Messdaten durch mobile Geräte.
Ohne ärztliches Personal
Gemeinsam mit einer internationalen und interdisziplinären Forschungsgruppe arbeiteten die Würzburger Studenten dazu im Department for Computer and Information Science am California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena, Kalifornien. Als sogenannte „Visiting Student Researcher“ erarbeiteten sie kostengünstige Untersuchungsmethoden, die auch ohne ärztliches Personal durchgeführt werden können. Mobile Geräte, die von vorab instruiertem Personal bedient werden, sollen den niedrigen Preis von zehn US-Cent gewährleisten, berichtet die FH.
So entwickelte die Forschungsgruppe ein Otoskop, ein Stethoskop sowie ein mobiles Elektrokardiogramm (EKG). Alle können an Mobilfunkgeräte gekoppelt werden. Das digitale Otoskop beispielsweise kann ohne medizinische Vorkenntnisse benutzt werden. Es nimmt Bilder aus dem Ohrinneren sowie dem Mund und Rachenraum auf, die anschließend über ein Mobilfunknetz an eine Internetplattform gesendet werden. Dort kann ein Arzt sie dann begutachten.
Empfehlung aussprechen
Auch ein Blutzuckermessgerät konnte das studentische Team realisieren. Es ermöglicht, die erhobenen Blutzuckerwerte zur weiteren Analyse an Experten zu senden. Die Diagnose wird dem Patienten anschließend in Form einer Empfehlung mitgeteilt. Aus der Ferne erklären die Ärzte den Patienten, ob eine weitere Behandlung notwendig ist und ob gegebenenfalls ein Krankenhaus aufgesucht werden sollte. Grundgedanke der Forschungsaktivitäten war die teure medizinische Versorgung in Entwicklungsländern, die häufig zu weit von den Heimatdörfern der Patienten entfernt liegt.
Für viele Menschen ist eine Gesundheitskontrolle oder ärztliche Behandlung entweder gar nicht oder nur mit erheblichen Anstrengungen möglich. Das gilt insbesondere für die Bewohner der ländlichen Regionen. Oft werden sie erst nach langer Zeit behandelt. So können sich Krankheiten verschlimmern und unter Umständen einen nicht mehr therapierbares Stadium erreichen. Die Ergebnisse der Forschungsgruppe fanden bereits eine erste Anwendung: Kooperierende Medizinstudenten der kalifornischen Universität in Irvine testeten die neu entwickelten Verfahren und mobilen Geräte in Peru und Indien. Bei den Testläufen erhielten sie ein sehr positives Feedback.
Netzabdeckung über 90 Prozent
Wichtig sei, erklären die Würzburger Studenten Gehrung und Strauß, dass die verwendeten Geräte stabil und benutzerfreundlich sein müssen. Für optimale Arbeitsbedingungen bräuchte man in den Einsatzgebieten außerdem eine Netzabdeckung von über 90 Prozent.
Gefördert wurde das Forscherteam am California Institute of Technology im Rahmen des Summer Undergraduate Research Fellowships-Programm (SURF). Die beiden Würzburger hatten zum Abschluss ihres Aufenthaltes in Kalifornien die Möglichkeit, die Caltech als eine der Top-Ten-Universitäten der Welt zu vertreten und diese mit einer Präsentation ihrer Ergebnisse vor High-School-Schülern zu präsentieren.

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