publiziert: 24.10.2010 16:25 Uhr
aktualisiert: 24.10.2010 16:28 Uhr
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Faust zieht ins Kasperhaus ein

Udo Gläser spielt erstmals ein Stück für Erwachsene – und erfüllt sich einen Traum
  • Vor der Premiere des ersten Erwachsenenstückes: Hans Wurst (links) und Mephisto (rechts) mit Theaterprinzipal Udo Gläser.Theresa Müller
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Neben der künstlerischen wird dies auch eine körperliche Herausforderung: 14 Rollen in zwei Stunden, Dialoge mit Witz und Hintersinn, pralles Volkstheater auf historischer Grundlage – und das alles bühnen- und abendfüllend gespielt und gesprochen von einem einzigen Akteur: Für Udo Gläser erfüllt sich damit ein Lebenstraum.

Vor sechs Jahren hat der 39-Jährige aus Fulda als Prinzipal das Kasperhaus in Heidingsfeld übernommen. Unzählige Kinder hat er seitdem mit seinen Kasperepisoden gefesselt, verzückt und zum Lachen gebracht. Nun steht er kurz vor der Premiere seines ersten Erwachsenenstückes. Und dafür hat er sich den Puppenspielklassiker schlechthin ausgesucht: „Doctor Johannes Faust“ – ein, wie es im Untertitel heißt, „Puppenspektakel nach alten aber guten Motiven“. Die 14 Figuren hat er für die Inszenierung eigens entwerfen und bauen lassen.

Der Puppen-Faust, dessen Handlung im 16. Jahrhundert spielt, ist älter als der Faust von Goethe – „aber deutlich unterhaltsamer“, setzt Gläser augenzwinkernd hinzu. So steht der Hans Wurst zeitlos und deftig humoresk als lustiger Gesell und sozusagen als Urahn des Kasper dem teuflischen Mephisto gegenüber. Höllengeister tummeln sich auf der Bühne, auch optisch wird ein Zauber entfacht. Ein opulentes Werk mit ebenso heiteren wie anrührenden Szenen – „das kommt meinem Spielnaturell entgegen“, sagt Gläser.

Viele wüssten nicht, wie sehr sich „Doctor Johannes Faust“ von Goethes Faust unterscheidet. Als kleine Hilfestellung hält bei der Premiere am 29. Oktober die Diplom-Theologin Elena Bräutigam eine kurze Einführung zum Stück. Gläser selbst hat den Puppen-Faust das erste Mal gesehen, als er ein Bub von zwölf Jahren war. Für ihn war das Stück damals nicht mehr und nicht weniger als ein „Auslöser, warum ich diesen Beruf machen wollte.“

So hat er später seine Ausbildung gemacht – unter anderem in Figurenführung, Stimmbildung, Theaterregie in Bochum und in Steinau. Am dortigen bekannten Marionettentheater hat er den Faust als Ensemblemitglied bereits gespielt. Für sein Soloprogramm hat er das Stück neu inszeniert, mit viel Sprachgeschick und einer Choreografie, die erst seine neue Bühne im Kasperhaus ermöglicht hat. Bis dato wäre ein solches Erwachsenenstück dort schon technisch nicht möglich gewesen. In den letzten Monaten aber hat Gläser umgebaut. Die Bühnen-, Licht- und Tontechnik wurde erneuert, ebenso die Bestuhlung für 60 Gäste.

„Ist das nicht schön?“ Der Prinzipal ist sichtlich stolz auf sein neues Reich. Und er hofft, mit dem Faust – er soll als Dauerstück im Programm bleiben – jene Erwachsene anzusprechen, deren Kinder dem Kasperhausalter entwachsen sind und die auf Enkel noch warten müssen. Für die kleinen Kasperfans läuft das Kinderprogramm freilich ganz normal weiter, derzeit mit „Kasper und das Glückskind“, im Dezember gefolgt vom Weihnachtsstück.

Premiere des Stückes „Doctor Johannes Faust“ für Jugendliche und Erwachsene ist am Freitag, 29. Oktober, um 19.30 Uhr. Nächste Aufführungen (ebenfalls 19.30 Uhr) am 30. Oktober, 26. November, 14. und 28. Januar. Kartenbestellung unter Tel. (0931) 3 59 34 94 oder über das Internet: www.theater-kasperhaus.de

Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Jungbauer
    
    

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