publiziert: 19.06.2012 17:12 Uhr
aktualisiert: 21.06.2012 12:02 Uhr
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Feinstaub: Maximal 20 Prozent vom Autoverkehr

Nur gut 20 Bürger kamen zu einer Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung

Lag es am perfekten Biergarten-Wetter, an den Spielen der Fußball-Europameisterschaft – oder interessieren sich die meisten Würzburger einfach nicht für die aktuelle Feinstaub-Situation? Bei einer Informationsveranstaltung am Montagabend im jüdischen Gemeindezentrum „Shalom Europa“ wollten jedenfalls nur gut 20 Bürger wissen, was die Stadt unternimmt, um die Feinstaub-Konzentration im Talkessel so gering wie möglich zu halten. Vertreten war die Bürgerschaft hauptsächlich durch Mitglieder der „Umwelt- und Gesundheitsinitiative Heuchelhoftunnel“, des Bürgervereins Heuchelhof und der Bürgerinitiative Unteres Frauenland.

„Wir stellen uns der Diskussion und unternehmen alle Anstrengungen, um die Situation zu verbessern“, versicherte Umweltreferent Wolfgang Kleiner. Und zwar nicht erst seit dem vergangenen Jahr, als an der Feinstaub-Messstation am Stadtring Süd der zulässige Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm Feinstaub (PM10) an 36 Tagen überschritten wurde. Erlaubt sind 35 Überschreitungen pro Jahr.

Bereits nachdem im Jahr 2003 an der Messstation am Kardinal-Faulhaber-Platz an 41 Tagen eine Überschreitung festgestellt wurde, stellte die Regierung von Unterfranken einen Luftreinhalteplan zur Verringerung von PM10 und Stickstoffdioxid für die Stadt auf. Vor zwei Jahren wurde das Maßnahmenpaket ergänzt, nachdem 2008 am Stadtring Süd der erlaubte Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid überschritten wurde. Insgesamt, so Kleiner, habe sich die Schadstoff-Situation seit 2003 aber deutlich verbessert. Die 36 Überschreitungen im vergangenen Jahr seien ein „Ausreißer“ nach oben gewesen, der im Wesentlichen auf eine lang anhaltende ungünstige Inversionswetterlage im November zurückzuführen sei. Das bestätigte auch Dr. Heinz Ott, der beim Bayerischen Landesamt für Umwelt für das „Lufthygienische Landesüberwachungssystem“ des Freistaats verantwortlich zeichnet: „Das Wetter verweigert uns manchmal den Abtransport der Schadstoffe, teilweise europaweit“, so Ott. Aus seiner Sicht besteht daher aktuell kein Anlass für weitere „Minderungsmaßnahmen“ in Würzburg.

Kleiner sieht Umweltzone kritisch

Trotzdem hat der Stadtrat kürzlich ein 75 000 Euro teures Gutachten in Auftrag gegeben, das die Voraussetzungen und Auswirkungen verschiedener Maßnahmen wie Einführung einer „Umweltzone“ für B19/Stadtring oder Tempo 30 im Stadtgebiet prüfen soll. Man wolle nur solche Maßnahmen umsetzen, die „notwendig und sinnvoll sind und bei denen der Aufwand verhältnismäßig ist“, betonte Wolfgang Kleiner. Er sieht eine Umweltzone derzeit eher kritisch: Dadurch werde der Verkehr von der Hauptverkehrsader Stadtring in weniger belastete Straßen verdrängt.

Schon jetzt steht laut Kleiner fest, dass nur ein Drittel des in Würzburg gemessenen Feinstaubs „hausgemacht“ ist, also im Stadtgebiet entsteht. Der Rest kommt als so genannter „regionaler Hintergrund“ von außerhalb. Maximal 20 Prozent der Feinstaubbelastung in der Stadt ist laut Kleiner und Christina Wyrwich von der Regierung von Unterfranken auf Autoverkehr zurückzuführen.

Kritische Anmerkungen zu den Ausführungen kamen von Vertretern der Bürgerinitiativen, die an Stelle der geplanten Troglösung beim A3-Ausbau in Würzburg einen Tunnel unter dem Heuchelhof durchsetzen wollen (wir berichteten).

pw
    
    

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Die neuesten Kommentare

Jackrrrr (172 Kommentare) am 20.06.2012 16:36

Artikelüberschrift grob irreführend

Maximal 20 % kommen aus dem Autoverkehr innerhalb Würzburgs - 67% des Feinstaubs kommt von außerhalb, ich möchte wetten das da auch Autoverkehrsfeinstaub dabei ist.
Herr Kleiner: Die Verdrängungseffekte einer Umweltzone kann man leicht vermeiden indem man eine Umweltzone statt eine Umweltstraße ausweist - auch am KFP kam es häufig zu überschreitungen, warum soll dort die Belastung nicht reduziert werden? Ein Schelm wer sich bößes dabei denkt, das die Station deaktiviert wurde!
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dasistmirauchzuviel (7 Kommentare) am 19.06.2012 23:45

Typisch für den Oberbürgermeister

Der Redakteur von diesen Artikel hat schon recht: „Lag es am besten Biergartenwetter“.
Der Oberbürgermeister hat wohl am letzten Freitag noch auf den Wetterbericht gewartet um für die Veranstaltung am Montag einzuladen oder er musste sich sicher sein das Deutschland nicht aus der EM fliegt. Auf jeden Fall ist an einem Freitag die Bürger für Montag einzuladen auch mir zu knapp. Aber so schafft man es unliebsame Themen niederzuhalten. Typisch OB halt.
(6)
1934 (283 Kommentare) am 19.06.2012 19:31

Zuckerbrot und Peitsche

Anfangs haben es die Tunnelbefürworter und Grundstücksspekulanten versucht, allen das Blaue vom Himmel zu versprechen, z. B. den Bewohnern vom Reichenberger Grund mit einer komplett eingausten Talbrücke, einschließlich grüner Weide mit lila Kühen oben drauf und je nach Wunsch auch mit einem Grill- oder Boltzplatz. Darauf sind auch viele Bürger reingefallen und fanden den Tunnel gut.

Jetzt, nach dem die Justiz die schillernde Seifenblase der Tunnelbefürworter hat platzen lassen, kommt die Peitsche "Feinstaub" heraus. Mal sehen, was demnächst noch kommen wird, wenn auch das nicht hilft. Wahrscheinlich findet sich dann auch noch neben einem Feinstaub-Dr. noch ein Psychanalytiker, der sich für den Tunnel aussprechen wird.
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Frank71 (124 Kommentare) am 19.06.2012 17:52

Nur 20 Besucher...

... interessieren sich für das Thema Feinstaub. DEM Hauptaurgument der Tunnelfreunde für einen Tunnel, den angeblich ganz Würzburg will. Die Ausführungen der Referenten haben zudem das Drohgebärde Feinstaub in Würzburg sehr deutlich widerlegt. Es wird langsam mehr als deutlich, wie sich die Tunnelinitiative die Fakten zurechtbiegt, um Stimmung für die Interessen ein paar Weniger zu erzeugen.
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