publiziert: 11.07.2010 13:13 Uhr
aktualisiert: 12.07.2010 20:27 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text GIEBELSTADT
Florian-Geyer-Spiele: „Du denkst, das ist echt“

Sechsmal im Jahr führen die Giebelstädter das historische Stück im Schlosshof auf. Für das Publikum ist das Bauernkriegstheater ein Spektakel. Für die 120 Mitwirkenden ein Stück Heimat.

  • Rollenspiel: Rosi Lesch (rechts) steht zum elften Mal beim Geyer-Spiel auf der Bühne. Das Bild trügt. Sie hat es nicht leicht als Marketenderin. ARCHIVfoto: Theresa Müller
  • Ludwig und Rosi Lesch: Im wahren Leben Natursteinfräser und Versandmitarbeiterin. Zur Zeit im Nebenberuf Wolf von Castell, Nonne und Marketenderin.
    Foto: Wolfgang Jung
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In seinem Bühnenleben ist der Giebelstädter Natursteinfräser Ludwig Lesch ein Lebemann, ein Rabenaas, ein Speichellecker: Wolf von Castell, Günstling und Handlanger von Konrad von Thüngen, dem Fürstbischof.

Dann tritt er an gegen Florian Geyer, den Bauernführer und Freiheitshelden der Giebelstädter, und setzt das Seine dran, ihn vom Leben in den Tod zu expedieren.

Ludwig Lesch, Jahrgang 1964, ist Geyer-Schauspieler von Anfang an, in diesem Jahr zum 31. Mal. Über die Inszenierung sagt er:

„Das ist Action hoch drei, der Gipfel ist erreicht, mehr geht eigentlich nicht. Die Action, die Musik, der Hintergrund, die Technik – alles passt. Die Kampfszenen, wie das Blut spritzt. Sonst warst du mit der Waffe stramm gestanden, jetzt wird sie eingesetzt. Jetzt fliegen die Fetzen und es staubt, die Burg brennt lichterloh – alles, was die Leute sehen wollen.“

Er glaubt, das Spiel fasziniert auch jene, die es nicht verstehen.

Als Schüler hat er weder vom Bauernkrieg noch vom Theater an sich etwas mitbekommen. Sein Vater hatte die Rolle des Götz von Berlichingen übernommen und ihn, den 15-Jährigen, gefragt, ob er Lust habe, mitzumachen. Ludwig hatte Lust. Seine erste Rolle war „ein Bäuerle“.
 
Damals, Anfang der 80er Jahre, unter der Regie von Franz Lunz, war das Spiel noch steif und zäh, der Text von Nikolaus Fey unbekömmlich vor lauter völkischer Blut-und-Boden-Fantasie.

Bei Lunz war war alles noch sehr streng, erinnert sich Lesch, „da durfte man keine Miene verziehen, nicht lachen, das war todernst“.

Der nächste Regisseur, Kurt Hepperlin, machte das Spiel lebendiger und zügiger. Dann kam Renée Baaken. Er entgiftete den Text, strich, fügte Neues dazu und machte aus einem drögen, anstrengenden Sprechtheater ein Spektakel. Lesch spricht von ihm in höchsten Tönen:

Ludwig Lesch: „Man muss ihm großen Dank und Lob aussprechen, weil er das Stück so groß gemacht hat. Auch wenn er manchmal ein harter Hund ist.“

Rosi Lesch: „Das muss er auch sein, sonst kommt er zu nichts.“

Rosi Lesch, Jahrgang 1966, Versandarbeiterin, spielt eine Nonne und eine Marketenderin. Zwei Sätze spricht sie als Nonne: „Seine Exzellenz will Obst.“ Und: „Das ist unerhört!“ Sie, eine gebürtige Waldbüttelbrunnerin, schaute vor zehn Jahren bei einer Probe zu, „dann sagte eine: 'Komm mit auf die Bühne' – und dann war ich drin“.

Ludwig Lesch: „Der Renée hilft und zeigt und sagt: 'Mach das so oder so'.

Rosi Lesch: „Der passt auf jeden auf, der schaut sich jeden an.“

Ludwig Lesch: „Der sagt auch, ,das ist Scheiße, was du da machst, ich tret' dir gleich in den Arsch!'“

Rosi Lesch: „Der ist voll dabei.“

Ludwig Lesch: „Und wenn du was vergisst, merkt er's.“

Rosi Lesch: „Die kleinste Kleinigkeit.“

Ludwig Lesch: „Früher dachte jeder, das Geyer-Spiel ist Schauspielerei. Jetzt denkst du: 'Das ist echt.' Das ist Baaken, der holt das Letzte raus. Der hat es drauf.“

Treu geblieben sind sie dem Spiel wegen der Gemeinschaft der rund 120 Mitwirkenden. Sie sprechen von Kameradschaft und Freundschaft, „da ist ein Zusammenhalt, da wirst du nicht gelinkt“, und auch Fremde würden sofort gut aufgenommen werden. Manchmal findet im blutigen Treiben auch ein Herz das andere. So wie das von Rosi und Ludwig, die sich ineinander verliebten und heirateten, im Jahr 2006. Eine Geyer-Ehe.

Das Geyer-Spiel, die Gemeinschaft der rund 120 Mitwirkenden, der Regisseur, die Proben, das Lampenfieber: Ludwig Lesch sagt, das sei wie das Leben in einer Familie. Das sei Heimat.

Aufführungen: Freitags und samstags, 16./17., 23./24., 30./31. Juli, Beginn: jeweils 20.30 Uhr. Kartenvorverkauf: Schreibwaren Krenkel in Giebelstadt, Tel. (0 93 34) 3 97, Tourist Information im Falkenhaus in Würzburg, Tel. (09 31) 37 23 98, E-Mail falkenhaus@wuerzburg.de

www.florian-geyer-spiele.de

Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Jung
    
    

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