publiziert: 16.07.2010 14:34 Uhr
aktualisiert: 17.07.2010 14:27 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text GIEBELSTADT
Florian-Geyer-Spiele: Erntezeit für Sadisten

Eine Rebellion, 120 Mitwirkende, viel Blut, viele Tote, viele Verlierer: In der Geyer-Ruine von Giebelstadt tobt wieder der Bauernkrieg.

  • Zoff unter Aufständischen: Der wilde Metzler (Christian Grimm, rechts) will keinen Herrn über sich haben, auch den Florian Geyer nicht. Er treibt einen Keil in den Bauernhaufen.
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Die Armen sind rechtlos, die Reichen ohne Skrupel, das geht auf die Dauer nicht gut. Die Armen rebellieren, die Reichen schlagen zurück. Dann ist Krieg und Sadisten fahren die Ernte ein. Das ist ein Albtraum und Menschheitsgeschichte und der Stoff, aus dem Regisseur Renier Baaken die Florian-Geyer-Spiele zu Giebelstadt gemacht hat.

Von der ursprünglichen Textvorlage, einem völkischen Blut-und-Boden-Machwerk von Nikolaus Fey, ließ Baaken nur homöopathische Dosen übrig.

    
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Geyer
Geyer
Geyer
Geyer
Florian Geyer
Giebelstadt
15.07.2010
    

Das Stück vor und auf der Ruine des Geyer-Schlosses spielt im Bauernkriegsjahr 1525, hat mit den historischen Abläufen aber kaum etwas zu tun, zum Geschichtsunterricht taugt es nicht. Aber die Fronten stimmen: da Würzburgs Bischof Konrad von Thüngen samt Klerus und Adel, dort die Bauern, Männer von niederem Adel und der Ritter Florian Geyer von Giebelstadt. Die Bauern verrecken, während der Bischof feiert. Sie gehen erst auf die Barrikaden und dann unter.

Baaken inszeniert ein blutiges Schlachtengemälde, mit vielen Kampfszenen und einigen Schrecksekunden auch fürs Publikum. Das blutige Spiel macht er bekömmlich mit derben Späßen und sanfter Poesie. Da ist zum Beispiel ein Rotschopf, der noch in den größten Gefahren weltentrückt und selig an einem Apfel nagt.

120 Laiendarsteller, Giebelstädter und viele Auswärtige, sind das Personal einer deprimierenden Geschichte: Beinah kein Mensch bleibt gut im Krieg. Die Gier nach Macht, Geld, Sex und Blutvergießen macht Unterdrückte und Unterdrücker gleich, und Frauen sind kein Deut besser als Männer, nur schwächer. Wer mehr kriegen kann, will mehr, wer nach unten treten kann, tritt.

Faszinierend ist, wie der Regisseur sein Riesenensemble alle Jahre wieder zu einem ungeheuer intensiven Spiel treibt. Die Präsenz der Darsteller ist enorm; was ihnen an schauspielerischem Handwerk fehlt, machen sie mit Einsatz und Leidenschaft wett. Sehenswert.

Weitere Aufführungen: heute, 17. Juli, und am 23., 24., 30. und 31. Juli, immer ab 20.30 Uhr.

Text: Wolfgang Jung Fotos: Thomas Obermeier
    
    

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