aktualisiert: 21.02.2012 14:30 Uhr
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Gedankenspiel: Das Leben in uns spüren
Es gibt kein richtiges Leben im falschen – so lautet ein berühmter Satz des deutschen Philosophen Theodor Adorno.
Dazu fällt mir folgende kleine Geschichte ein: Ein Mann sitzt in einem Bummelzug. Bei jeder Station steckt er den Kopf zum Fenster hinaus, liest der Ortsnamen und stöhnt. Nach vier oder fünf Stationen fragt ihn besorgt sein Gegenüber: „Tut ihnen etwas weh? Sie stöhnen so entsetzlich.“
Da antwortet er: „Eigentlich müsste ich aussteigen. Ich fahre dauernd in die falsche Richtung. Aber hier drinnen ist es so schön warm.“
Es gibt Zeiten und Momente in unserem Leben, da spüren wir, dass wir die Fahrtrichtung unseres Lebens überprüfen müssen: Wer bin ich? In welche Richtung fährt mein Leben? Was sind meine wahren Bedürfnisse, meine Fragen, Ziele, meine Probleme? Lebe ich oder funktioniere ich nur noch?
Die Fastenzeit, die mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt, und uns auf Ostern, das Fest des Lebens hinführt, kann dazu wieder einmal Gelegenheit geben. Sie lädt ein, zur Besinnung auf mich selbst, auf meine Lebensgewohnheiten, auf meine Beziehungen zu den Menschen und zu Gott.
Sie lädt ein, dort umzukehren und Veränderungen zu wagen, wo es nötig ist, wo ich merke, dass mein Leben aus dem Ruder läuft.
„Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch“ schrieb Irenäus von Lyon, ein Kirchenvater des 2. Jahrhunderts. Dieser Satz könnte sehr gut als Leitwort über den folgenden Wochen stehen, so unterschiedlich der Weg vom Aschermittwoch bis zum Osterfest für den Einzelnen auch aussehen mag.
Nutzen wir diese Wochen, das Leben in uns zu spüren, lebendig zu sein und wo es sein muss, neu lebendig zu werden. Ihnen allen eine gesegnete und sinnerfüllte Fastenzeit.

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