aktualisiert: 11.11.2011 17:27 Uhr
Text
Text
GAUKÖNIGSHOFEN
Gedenkstunde zur Pogromnacht in der Synagoge
Weiße Rosen für die Opfer
„Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“ Dieses Zitat des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer (91) stand als Motto über der Gedenkstunde zum 73. Jahrestag der Reichspogromnacht vom 10. November 1938.
-
Gedenken: In der Synagoge in Gaukönigshofen wurde der jüdischen Mitbürger gedacht, die dem Nazi Regime zum Opfer gefallen sind.Foto: H. GRIMM -
Erinnerung: Die weißen Rosen auf den Stolpersteinen erinnern an die jüdischen Menschen für die in der Nacht des 10. November 1938 das friedliche Zusammenleben in der Gaugemeinde zu Ende ging.HANNELORE GRIMMFoto:
Für die rund 50 Teilnehmer lebte in der Synagoge eine Zeit wieder auf, in der mit unvorstellbaren Grausamkeiten über sechs Millionen Juden ermordet wurden. Die bewegende Gedenkstunde gestalteten einige Mitglieder der Musikkapelle mit.
Unter der Leitung von Esther Pfeuffer intonierten Harald Eck, Christine Schwab, Bernhard Nagl, Barbara Haaf und Doris Sollner die „Klemzer“. Diese zu Herzen gehenden, unverwechselbaren Melodien zeugen mit ihren mal melancholischen und mal heiteren Klängen von der Lebensfreude der jüdischen Menschen.
In der Pogromnacht, wurden in Deutschland mehr als 1000 Synagogen verwüstet und geschändet. Auch in Gaukönigshofen hinterließen der Hass und die Gewalt, mit der das Nazi-Regime gegen die Juden vorging, Spuren der Zerstörung und forderte das Leben von 30 jüdischen Mitbürgern.
„Was damals geschehen ist, passierte nicht irgendwo im Osten, sondern in der Nachbarschaft,“ sagte Gertraud Renner, die die Gedenkstunde organisiert hatte. Namentlich riefen sie und weitere Besucher das Schicksal der Gaukönigshöfer Kinder, Frauen und Männer ins Gedächtnis.
Die weißen Rosen, mit der in der Synagoge jedem der Opfer gedacht wurde, legten die Teilnehmer anschließend an den Stolpersteinen nieder. Greifbar nahe kamen die damaligen schrecklichen Ereignisse als Bürgermeister Bernhard Rhein ein erschütterndes Kapitel aus den Erinnerungen von David Schuster (1910-1999) vorlas.
Der gebürtige Bad Brückenauer und dessen Vater Julius Schuster kamen 1937 zunächst ins Konzentrationslager Dachau und später nach Buchenwald. Dass Schreckliche, das sie dort erlebt haben, endete damit, dass sie ihren Brückenauer Besitz zu dem das „Central Hotel“ gehörte, an die Nazis verkaufen mussten.
Die Familie Schuster, die innerhalb von drei Tagen Deutschland zu verlassen hatte, wanderte nach Palästina aus. 1956 kehrte David Schuster mit seiner Frau Anita und Sohn Josef nach Deutschland zurück.
In den Jahren 1958 bis 1996 war er Vorsitzender der israelitischen Kultusgemeinde Würzburg. Wie David Schuster festhielt, wurden alle jüdischen Gemeinden zwangsweise aufgelöst. Von den rund 120 Kultusgemeinden, meist mit eigener Synagoge und oft mit einer jüdischen Volks- oder Religionsschule, die es vor 1933 in Unterfranken gegeben hat, existierte 1943 keine einzige mehr.

Wetter


















