publiziert: 09.03.2010 16:33 Uhr
aktualisiert: 09.03.2010 18:50 Uhr
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Gegner der geplanten Autobahn starten erneut Unterschriftenaktion

Der Mainfränkische Aufruf

Der „Mainfränkische Aufruf“ ist ergangen. Die Gegner der Autobahn-Westumgehung hatten vor Jahren rund 15 000 Unterschriften gegen das Projekt B 26n gesammelt.

  • Polarisiert mehr denn je: Die Autobahn-Westumgehung bleibt heftig umstritten, ihre Gegner haben eine neue Unterschriftenaktion gestartet.
    Foto: dpa
  • Erstunterzeichner: Ihre Namen stehen schon unter dem „Mainfränkischen Aufruf“ gegen die Autobahn-Westumgehung Würzburg. Von links: Wolfgang Kuhl, Simone Tolle, Detlev Drenckhan, Matthias Zorn, Hubert Weiger, Hans-Josef Fell, Manfred Ländner und Volkmar Halbleib.
    Foto: obermeier
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 „Das dürfte zu toppen sein“, sagte Matthias Zorn, Vorsitzender des Vereins der Autobahngegner, am Montagabend in Würzburg. Zorn hofft, dass doppelt so viele Menschen aus Mainfranken die Resolution unterzeichnen.

Zu den Ersten, die gegen die „Quasi-Autobahn“ unterschrieben, gehörten Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern, Detlev Drenckhahn, Präsident des World Wildlife Fund (WWF), und die Abgeordneten Manfred Ländner (CSU), Volkmar Halbleib (SPD), Simone Tolle und Hans-Josef Fell (Grüne), ferner der FDP-Kreisvorsitzende Würzburg-Land, Wolfgang Kuhl.

2011 werden es zehn Jahre, dass die Autobahn wie ein Phoenix aus der Asche aus den Schubladen auftauchte, in denen sie in den 80er Jahren verschwunden war.

Seitdem streitet Mainfranken über Sinn oder Unsinn der Planung. Da mutet es auf den ersten Blick etwas merkwürdig an, wenn die Gegner der Autobahn erneut eine Unterschriftenaktion starten. Ist der „Mainfränkische Aufruf“ als Akt der Verzweiflung zu werten?

Die Frage muss erlaubt sein angesichts der Tatsache, dass die Behörden das Verfahren unbeirrt vom Widerstand in der Region durchziehen. Gerade erst haben die Leute vom Staatlichen Bauamt die Umweltverträglichkeitsstudie vorgestellt.

Das Ergebnis fiel wie erwartet aus. Ein Bogen hier, ein Tunnel dort, und Mensch, Tier und Landschaft sind angeblich hinreichend geschützt. Die Politik hat da ganz andere Maßstäbe als WWF-Präsident Drenckhan, der einmalige Naturschätze wie das „Wiesbauer Habichtskraut“ bei Schönarts (Lkr. Main-Spessart) unter die Räder kommen sieht.

Hoffen auf Gerichte


Die Biodiversität in der betroffenen Region hin, die Frischluftzufuhr für die Stadt Würzburg her, das Raumordnungsverfahren für die Autobahn wird in Kürze eingeleitet werden. Wer glaubt, die vierspurige Schneise durch die fränkische Landschaft mit Hilfe der Verwaltungsgerichte aufhalten zu können, gibt sich wahrscheinlich einer Illusion hin.

Gefragt, wo es gelungen sei, Autobahnplaner mit Paragrafen zu stoppen, antworten Juristen meist vorsichtig. Ja, es habe da und dort schon mal Änderungen bei der Trassenplanung gegeben. Meist ging es nur noch um das „Wie“. Um Schallschutz zum Beispiel. Nicht mehr um das „Ob“.

Wer, wenn nicht Juristen, soll die Planungen stoppen? Der neue Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) etwa, auf den einige Parteifreunde aus der Region setzen und ihn in die Region holen wollen?

Ramsauer hat nicht ansatzweise erkennen lassen, dass er beim Fernstraßenbau eine neue Richtung einzuschlagen gedenkt. Im Gegenteil: Kurz nach Amtsantritt redete der Oberbayer einem „Aufbau West“ das Wort, jetzt müsse wieder mehr in den alten Bundesländern investiert werden.

Wichtige Bundesfernstraßen


Bahnprojekte dürfte Ramsauer nicht gemeint haben, hier kursiert eine erste Streichliste. Auf der Internetseite des Ministeriums steht, wo sich Ramsauer den Aufbau West wünscht: „Den Bundesfernstraßen kommt . . . eine sehr hohe und ständig wachsende Bedeutung für die Verkehrsabwicklung zu.“

Bis heute geht das Ministerium „von einem drastischen Anstieg vor allem des Güterverkehrs“ aus. Deswegen enthält der 2004 verabschiedete Bundesverkehrswegeplan Projekte für 150 Milliarden Euro und eine zusätzliche „Planungsreserve“ für Vorhaben, die erst nach 2015 finanziert werden, darunter die B 26n.

Die Schulden von Bund und Ländern belaufen sich schon auf 1,6 Billionen Euro, und die Einnahmen aus der Lkw-Maut, bestimmt für den Bau von Verkehrswegen, sind stark rückläufig.

Wie viele neue Straßen werden überhaupt noch gebraucht, fragt man sich nicht nur angesichts des prognostizierten Rückgangs der deutschen Bevölkerung. Der kanadische Ökonom Jeff Rubin ist nicht allein mit seiner Meinung, dass steigende Ölpreise künftig die Globalisierung und damit die Mobilität bremsen werden.

Das sind die Vorzeichen, unter denen der Bund bald beginnen wird, seine Fernstraßen-Wunschliste kräftig zu durchforsten, sind B 26n-Gegner überzeugt.

Hier setzt ihr „Mainfränkischer Aufruf“ an. Die Erstunterzeichner sehen in der B 26n eine „verkehrspolitische Todsünde“, so formulierte es BN-Vorsitzender Weiger in Würzburg. Nun sei ein machtvolles Signal aus der Region notwendiger denn je.

Ob es in der Politik Beachtung findet, dafür ist nicht allein die Masse der Unterzeichner entscheidend, sondern auch deren „Klasse“. Die Initiatoren des Aufrufs wollen Prominente aus Kirche, Kultur und Politik gezielt ansprechen.

Signal für die Region


Im Herbst soll die Liste an den Verkehrsausschuss des Bundestages geschickt werden. Ob sie dort als machtvolles Signal für die Region wahrgenommen wird, hängt letztlich davon ab, ob sie nur die Namen derer trägt, die schon immer gegen die Autobahn waren.

Oder ob auch die noch unterschreiben, die ein wenig vermisst wurden beim Termin im Hinterzimmer einer Würzburger Weinstube. Der Würzburger CSU-Landrat Eberhard Nuss zum Beispiel, oder der CSU-Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder.

Und am Ende ist sicher noch viel Platz für die Namen derer aus Stadt Würzburg und Landkreis Main-Spessart, die nach dem „Mainfränkischen Aufruf“ neu nachdachten und dann in Sachen Autobahn einen neuen Weg einschlugen wie der Saulus der Bibel, der zum Paulus wurde.

Von unserem Redaktionsmitglied Tilmann Toepfer
    
    

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»Alle 14 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

terrain (68 Kommentare) am 10.03.2010 09:48

Kurzes Gedächtnis?

Verantwortliche Politiker der gesamten Region haben sofort nach der Maueröffnung die verkehrlichen Auswirkungen erkannt. Es war klar, dass sich die Maintalautobahn von der zuvor untergeordneten Grenzerschließung zu einer wichtigen Ost-West-Verbindung verändern wird. Bereits 1990 hat der Würzburger Stadtrat die Aufnahme der Westumgehung in die Regionalplanung und in die Ersten Gesamtdeutschen Bundesverkehrswegeplanungen beantragt. Verantwortliche Politiker mit Mut stehen zu den richtigen Argumenten und Entscheidungen, die auch dazu geführt haben, dass die Westumgehung als wichtiges Ziel im Landesentwicklungsprogramm Bayerns verankert ist. Örtliche Betroffenheiten und Emotionen sind menschlich verständlich - vor deren Hintergrund umfallende Politiker aber für verantwortliche Entscheidungen ungeeignet!
(0)
frankengans (109 Kommentare) am 10.03.2010 10:15

Kommentar oder neutrale Berichterstattung?

Was mir bei diesem Arikel massiv aufstößt, ist die tendentiöse Schreibweise dieses Berichtes. Ein Journalist hat bitteschön - wenn er einen Artikel schreibt - sachlich zu berichten und sich neutral zu verhalten.
Das was ich hier lese, ist alles andere als neutral und sachlich - hier ist massiv die Meinung des Verfassers zu lesen. Dann bitte solche Dinge in einen Kommentar verpacken - und den dann auch als solchen kennzeichnen. Dann ist es kein Problem, seine Meinung zu schreiben. Aber nicht in dieser Weise!
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moorhexla (7 Kommentare) am 10.03.2010 11:20

Glaugwürdige Gegner

Alle die diese Resolution unterschreiben sollen gleich als Zeichen ihrer Glaubwürdigkeit ihre Auto verschrotten lassen.
Nur so nehme ich denjenigen ab die gegen eine Autobahn Umgehung etc sind das es ihnen nur um die Umwelt Hamster oder Blümchen geht.
Fahren ja aber bitte nicht vor der eigenen Haustür das ist meist die Intention dieser Gegner.
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mitchhucannon (802 Kommentare) am 10.03.2010 12:15

@moorhexla

Volle Zustimmung!
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mumbel (207 Kommentare) am 10.03.2010 12:40

Mauthäuschen aufstellen!

Ich würde gerne unterschreiben. Wo kann man das tun?

Alle die, die keine Autobahn, aber ein autobahnähnliche Schnellstraße wollen, damit den Anwohnern weniger Lärmschutz zuteil wird, sollten dann aber bitte auch mehr bezahlen, als die die lieber in der Umgebung ihre Freizeit verbringen wollen. Am besten eine AG gründen und das Projekt selbst finanzieren.Die Abbezahlung könnte dann durch Mauthäuschen geeschehen. Dann viel Spaß, bis Ihr Euren Einsatz wieder zurück habt.

Ich verstehe die Euphorie der Befürworter ehrlich gesagt nicht. Die Idiotie der Verkehrsplaner sollte doch längst klar sein: Kurze Wege erzeugen Individualverkehr. Wo steht dann der Benzinpreis, wenn dieses Monstrum mal fertig sein soll? Wie wollen die Befürworter das Klima in der Region schützen? Gar nicht? Mit Fahrverboten?

Einfach mal die bisherige Erfolgsgeschichte des Individualverkehrs sich verinnerlichen, und nachdenken ob es so weitergehen kann.

Ich muss mein Auto nicht verschrotten, Ihr "Autofahrer" um umweltbewußt zu leben. Maßvoller Umgang reicht schon. Derartige Lösungen aus den 70ern sind bei etwas nachdenken eigenlich längst überholt.
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