publiziert: 08.02.2012 18:08 Uhr
aktualisiert: 08.02.2012 18:12 Uhr
» zur Übersicht Landkreis Würzburg
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text RÖTTINGEN
Geheime Gänge und Gruselkeller

Im alten Hamele-Anwesen in Röttingen gibt es bald Spiel und Spaß auf vier Etagen

Ritterspiele neben dem Burgturm, eine Rutschbahn ins Verließ, Schlossgespenster spuken zu mittelalterlichen Geräuschen: Was sich anhört wie Szenen aus einem spannenden Hitchcock-Thriller, wird in Röttingen real. Eine alte Fachwerk-Scheune eignet sich optimal als Kulisse für Spiel, Spaß und Spannung. Noch dazu direkt neben der historischen Stadtmauer.

Lange stand das Hamelehaus, wie das Gebäude und die alte Scheune in der Röttinger Erbsengasse umgangssprachlich genannt werden, leer. Zu einem symbolischen Preis hat es die Stadt Röttingen gekauft. „Es war ein Anerkennungsbetrag. Mehr nicht“, sagt Bürgermeister Martin Umscheid.

Und für die Stadt hatte der Kauf des 500 Quadratmeter großen Grundstücks den Vorteil, dass sie das alte Gerütsch hätte abreißen können und so mehr Platz vor dem Jakobsturm – die Stadt hat hier eine Ferienwohnung eingebaut – gehabt hätte. „Der Turm wäre dadurch viel besser zur Geltung gekommen“, sagt Umscheid.

„Wir bauen Röttingen nach und nach zu einer Kinderstadt aus.“

Martin Umscheid Bürgermeister

Die Röttinger hätten damit aber noch ein zweites Problem, eines das viel dringender ist, lösen können. Die historische Stadtmauer, die unmittelbar an die Scheune grenzt, hat bereits Setzrisse und ist teilweise sogar schon eingebrochen. „Die Gefahr ist groß, dass die Mauer einfällt“, sagt Umscheid. Dass alles doch noch zusammenhält, bezeichnet der verantwortliche Statiker als Wunder. „Die Mauer hält nur noch aus Gewohnheit“, so Umscheid. „Sie muss dringend wieder aufgebaut werden.“ Es war also höchste Zeit, etwas zu tun.

Doch der Abriss des Hamele-Anwesens, die Platzgestaltung und der Aufbau der Stadtmauer kamen zu teuer. Kostenschätzungen lagen bei 330 000 Euro. Und noch dazu hätte das ganze Geld aus der Stadtkasse kommen müssen. Eine finanzielle Beteiligung lehnte die Regierung von Unterfranken ab.

Was nun? Da hatten die Verantwortlichen für die Städtebauförderung bei der Regierung von Unterfranken die Idee, nur das Wohnhaus abzureißen und die Scheune zu restaurieren. Weil es in Röttingen schon genügend Kulturkeller und Scheunen gibt, setzte sich nach und nach der Vorschlag einer Spielscheune durch, erzählt der Bürgermeister.

„Und das ist schon eine scharfe Idee“, freut sich Martin Umscheid. Denn so etwas gebe es wohl bayernweit noch nicht. Ein überdachter Spielplatz auf vier Etagen – das überzeugte auch die Städtebauförderung. Höchstforderung, hieß es im Bescheid, der Ende 2011 an das Röttinger Rathaus ging.

Das bedeutet, dass 60 Prozent der Baukosten von rund 715 000 Euro aus dem Städtebauförderungsprogramm kommen. Bei der Stadt bleiben nur 290 000 Euro. Die Stadt spart zwar nicht viel, so Umscheid weiter. Bekommt aber dafür mehr Leben in den aussterbenden Kern und hat nicht das Problem, dass sie zusehen muss, wie sie das große, ziemlich verschnittene Grundstück, wieder los wird.

In den Kosten ist der Aufbau der Stadtmauer mit 150 000 Euro enthalten. Martin Umscheid freut sich: „So bauen wir Röttingen nach und nach zu einer Kinderstadt aus.“ Denn bald gibt es in der Stadt nicht nur den bereits vorhandenen großen Erlebnisspielplatz neben der Firma eibe, in der Spielscheune entstehen auch überdachte Spielmöglichkeiten. Noch dazu auf drei Etagen.

Der Röttinger Spielgerätehersteller hat auch bereits ein Konzept für die Spielscheune entwickelt. Und das lässt Groß und Klein aufhorchen. Eine knarzende Zugbrücke, soll in die Spielburg führen. Im Burghof gibt es einen geheimen Eingang in den Turm, ein Zauberspiegel-Labyrinth, einen Prinzessinnenturm und mehrere Tunnel. Im Giebel wird eine Erlebnislandschaft entstehen. Über eine Röhrenrutsche geht es in den Keller – ins Gruselkabinett. Hier lagern Kletterfässer und ein Skelett – natürlich nur zu Dekorationszwecken – und reichlich Spinnen. Überall sollen auch kleine Schätze versteckt sein.

Den Bauantrag dafür hat der Röttinger Stadtrat mittlerweile genehmigt. Die Ausschreibungen für die Spielgeräte laufen. „Wenn alles gut läuft, können wir im Mai mit dem Bau beginnen“, sagt Bürgermeister Umscheid erwartungsvoll.

Von unserem Redaktionsmitglied Thomas Fritz
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Stadtteilserie 

Alles im (Über)blick
Von A wie Altstadt bis Z wie Zellerau - wir stellen Ihnern die verschiedenen Stadtteile Würzburgs vor. »mehr
    
Anzeige
    

Recht auf Auskunft 

Kommunalpolitik
Bürger haben ein Recht auf politische Teilhabe und Journalisten ein Recht auf Auskunft. Das mussten auch einige Bürgermeister erst lernen. »mehr
    
    

Ȇbersicht ePaper

Mainpost Wuerzburg
  Ausgabe:
  Main-Post Würzburg
  Datum:
  25.05.2012

    
Anzeige
    

Spezial 

Westumgehung Würzburg
Wie Gegner und Befürworter wegen der "B26 neu" kämpfen. Ein Top-Thema in der Region. »mehr
    
    
Anzeige
WG-Gesucht.de gibt Ihrer Region eine Stimme

Hier finden Sie Ihre WG in Würzburg.

WG-Gesucht.de, die kostenlose WG-Börse im Internet.

    
    

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr
    
    

Testen Sie Ihr Wissen 

Unser wöchentliches Quiz
Acht Fragen rund um ein aktuelles Thema.  »mehr
    
    

Testen Sie Ihr Wissen 

Unser wöchentliches Quiz
Acht Fragen rund um ein aktuelles Thema.  »mehr