publiziert: 05.08.2012 17:13 Uhr
aktualisiert: 07.08.2012 12:03 Uhr
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Geplante Aussichtsplattform in der berühmten Weinlage Stein ist heftig umstritten

Magisch oder einfach tragisch?
  • Foto Patrick Wötzel
    Der Ausblick vom „Würzburger Stein“ auf die Domstadt: An dieser Stelle plant der Verein „Stein-Wein-Pfad e.V. eine futuristisch gestaltete Aussichtsplattform.
  • Entwurf Fabian Rügemer
    So soll sie aussehen: Die geplante Aussichtsplattform am oberen Ende der Rotkreuzsteige.
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„Kein anderer Wein will mir schmecken“, schrieb Johann Wolfgang von Goethe einst über den „Würzburger Stein“. Die berühmte Weinlage auf dem Steinberg wurde jetzt als einer der geplanten „Magischen Orte des Frankenweins“ auserkoren und soll durch eine futuristisch gestaltete Aussichtsplattform in Szene gesetzt werden. Der Siegerentwurf des jungen Architekten Fabian Rügemer aus Kassel wurde kürzlich der „Kommission für Stadtbild und Architektur“ vorgestellt und hat auch bereits den Verschönerungsverein (VVW) auf den Plan gerufen.

Stein soll mehr Menschen locken

Seit dem Jahr 2000 gibt es den Verein „Stein-Wein-Pfad e.V.“, der den Würzburger Stein durch einen Rundweg mit zahlreichen Schautafeln und einem Informations-Pavilion erlebbar gemacht hat. Dadurch soll der Bekanntheitsgrad der berühmtesten fränkischen Weinlage weiter gesteigert und natürlich sollen „noch mehr Menschen in die Weinberge geholt werden“, so Horst Kolesch, Betriebsleiter des Weinguts Juliusspital und Vorsitzender des Vereins.

Der nächste Schritt: Durch den neuen Aussichtspunkt am höchsten Punkt der Rotkreuzsteige oberhalb des bekannten Weinguts Ludwig Knoll wird der Würzburger Stein zu einem der geplanten zwölf „magischen Orte“ des fränkischen Anbaugebiets befördert. Die futuristische Gestaltung der neuen Aussichtsplattform aus Sichtbeton, teilweise überdacht, mit einer Sitzbank ausgestattet und durch eine kleine Fahrradstation ergänzt, ist das Ergebnis eines Architektenwettbwerbs mit 24 Teilnehmern. Der Entwurf von Fabian Rügemer aus Kassel, prämiert mit 3.000 Euro Preisgeld, sei aus dem Wettbewerb als „klarer Sieger“ hervorgegangen, so Stadtbaurat Christian Baumgart.

„Hervorragend“ bis „Ungetüm“

Horst Kolesch ist „äußerst zufrieden“ mit dem Entwurf: „Es ist eine tolle Architektur, die hervorragend an den gewählten Ort passt und das Panorama der Stadt gut inszeniert.“ In der Tat wird man von der Kanzel hoch über dem Hauptbahnhof auf Augenhöhe mit der gegenüberliegenden Festung Marienberg die gesamte Stadt überblicken können. Der Bau soll nach der Genehmigung durch den Stadtrat noch in diesem Jahr beginnen.

Die Architekten in der Stadtbild-Kommission äußerten sich nicht zu dem Projekt. Eine klare Meinung gebildet hat sich aber der Vorstand und der Beirat des Verschönerungsvereins, der mit mehreren Vertretern bei der Sitzung anwesend war: „Wir sind übereinstimmend der Meinung, dass dieses Beton-Ungetüm keine Bereicherung des Steinbergs darstellt, sondern eine schwere Beeinträchtigung. Die Verschandelung dieser berühmten Weinlage sollte vom Stadtrat einstimmig abgelehnt werden“, sagt der VVW-Vorsitzende Willi Dürrnagel.

Auch so gute Aussicht

Der Verein hält eine Aussichtsplattform auf dem Steinberg für überflüssig: „Von den Steinbergwegen hat man ja bereits einen wunderbaren Blick über die Stadt. So ein Bunker darf an dieser Stelle nicht gebaut werden, das dafür notwendige Geld könnte bestimmt besser angelegt werden“, so Dürrnagel.

Magische Orte

Um den Wein-Tourismus in Unterfranken weiter anzukurbeln, haben der fränkische Weinbauverband und die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim für das Anbaugebiet (französisch „Terroir“) Franken ein Konzept mit dem Titel „terroir f“ entwickelt, um dessen Besonderheiten in Szene zu setzen. Insgesamt ein Dutzend „magische Orte des Frankenweins“, besondere Stellen in den bekanntesten Weinlagen, sollen künftig die Besucher anlocken. Konkret sind bisher Projekte in den Weinlagen an der Volkacher Mainschleife, am Würzburger Stein, in Castell, Iphofen und in Sommerhausen/Eibelstadt geplant. pw

Von unserem Mitarbeiter Patrick Wötzel
    
    

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»Alle 13 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

deltatango (459 Kommentare) am 07.08.2012 14:48

Wie war doch nochmal ...

... die einige Jahre zu lesende Ausfschrift am Stein? "SCHORSCH, MEI TROPFE..." oder so.

Schlage dringend vor, dass das wieder nachgepinselt wird.
(1)
vogelmann (998 Kommentare) am 07.08.2012 05:28

Irgendwie schaut das...

auf Bild 2 wie ein gestrandetes Hausboot aus, nicht wie eine Aussichtsplattform !?
(2)
Hingucker (1992 Kommentare) am 06.08.2012 18:18

Stein

erst der zwielichtige Neubau und jetzt noch eine Plattform. Hat von den Sp........ern schon jemand mal an den Bau einer Seilbahn gedacht? Das wäre doch was, he.
(5)
alhambra (63 Kommentare) am 06.08.2012 10:31

Es gibt doch schon eine Aussichtsplattform unterhalb der Steinburg!

Mir fiel gerade ein, es gibt schon eine Aussichtsplattform unterhalb der Steinburg, die sich wunderbar in das Gelände einfügt und nicht negativ auffällt.
Es gibt dort sogar ein Schaubild an der Wand über die Weinlagen, das man vielleicht mal renovieren könnte, satt eine neue teure Plattform zu bauen.
Wenn man diese Stelle etwas mehr pflegen würde, wäre das schon genug. Dort liegen oft Müll und Glasscherben und von den ehemals vier Sitzbänken sind nur noch zwei übrig.
Warum wurden die anderen beiden abmontiert und nicht ersetzt?
Bei schönem Wetter finden die vielen Spaziergänger und Touristen keinen Platz, um sich einmal setzen und die Aussicht in Ruhe genießen zu können.
Dafür braucht man keine futuristische teure Plattform, sondern nur möglichst viele neue Sitzbänke. Danke.
(6)
alhambra (63 Kommentare) am 06.08.2012 10:14

Sind die von allen guten Geistern verlassen?

Leider ist heute nicht der 1. April, sonst hätte ich es für einen Scherz gehalten!
Oder haben die Verantwortlichen zu viele Schoppen getrunken?
Unfaßbar, schon wieder den Anblick so zu verschandeln.
Man hat schon bisher von JEDEM Punkt des Steinberges aus eine wunderbare Aussicht. Dafür braucht man keine Plattform. Aber ganz einfache Bänke wären schön, damit man die Aussicht auch mal im Sitzen genießen kann.
Früher gabe es zwei Bänke auf der Steige, die sind weg. Wahrscheinlich damit die Mountain-Biker dort noch mehr hinunterrasen können.
Es gab früher auch Bänke in den Mauernischen auf dem Weg von der Steinburg ganz nach hinten in Richtung Pavillion. Wenn dann könnte man den schönen Pavillion sanieren.
Und ganz hinten stand auch eine Bank mit Blick ins Dürrbachtal. All diese Bänke wurden leider abmontiert und nie mehr ersetzt. Dafür ist kein Geld da, aber für eine teure riesige Plattform. Einfache normale Bänke würden reichen! Die stören dann auch den Anblick nicht.
(6)
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