aktualisiert: 18.04.2011 18:04 Uhr
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OCHSENFURT
Heiße Szenen auf dem Rübenhof
Rund 70 Feuerwehrleute gingen bei praxisnahem Training durchs Feue
Flammen lodern über einer Flüssigkeit in einer flachen Wanne. Ein Feuerwehrtrupp unter Atemschutz und mit voller Montur nähert sich mit einem Strahlrohr. Es ist ein so genanntes Hohlstrahlrohr, wie es immer häufiger zum Einsatz kommt. Es bietet viel mehr Möglichkeiten als die früher üblichen.
Das Löschwasser lässt sich zu einem Fächer formen, den die Einsatzkräfte wie ein Schutzschild vor sich halten. Im weiteren lässt sich der Wassernebel zur Glocke ausbilden, die über die Flammen gestülpt wird, die durch Entzug von Sauerstoff erlöschen.
Richtig heiß her ging es drei Tage lang auf dem Rübenhof der Zuckerfabrik. Dort trainierten rund 70 Feuerwehrleute aus dem Inspektionsabschnitt Mitte des Landkreises Würzburg, sowie aus Gnodstadt und Marktbreit (Landkreis Kitzingen) den Einsatz unter Bedingungen, wie sie im Ernstfall vorkommen.
Dies sei viel näher an der Wirklichkeit als der Durchgang in einer Atemschutzübungsstrecke, sagt Kreisbrandinspektor Alois Schimmer. Den Übungsparcours hatte die Firma „Real Fire Systems“ aus Schwörstadt aufgebaut, die auch zwei Instruktoren stellte.
Per Fernsteuerung können mit Gas Flammen unterschiedlicher Intensität und Ausdehnung erzeugt werden, mal in einem Fass, in der Flüssigkeitswanne, an einer Gasflasche, an einer großen Armatur und im Brandcontainer.
„Brand in einer Garage. Mit brennenden Flüssigkeiten und Gasflaschen ist zu rechnen. Eine Person ist zu retten.“ Instruktor Boris Zepf erteilt den Auftrag, während sein Kollege Mario Piovesan am Fernsteuergerät schaltet, so dass sich Flammen entwickeln.
Vier Atemschutzträger nähern sich dem Kasten. Einer kniet und öffnet die Tür. Eine Stichflamme schießt heraus. Die zwei Mann am Strahlrohr zucken heftig zurück, als die rot wabernde heiße Walze fauchend auf sie zukommt. Aber diesen Moment der Angst und Panik zu überwinden, ist ganz entscheidend für das weitere Vorgehen.
Schließlich muss noch die „verletzte Person“ – in diesem Fall ein Dummy – gerettet werden. Gerade für Wehrleute, die so etwas noch nie im Ernstfall erlebten, seien die praktischen Erfahrungen wichtig, so Alois Schimmer. Instruktor Boris Zepf nimmt es sehr genau.
Es wird noch einmal „kalt“ die Handhabung des Löschgeräts geübt. Dann gibt Mario Piovesan wieder Gas. Der Trupp geht erneut in die heiße Kiste. Während er mitten drin ist, knallt es über den Köpfen. Eine schlagartige Entzündung von Gas-Luft-Gemisch, der „Flash Over“ hat stattgefunden.
Da wird deutlich, warum die Helfer unbedingt geduckt vorzugehen haben. Über 800 Grad heiß sind die Flammen. Doch nicht nur die sind gefährlich. Es ist gezielt und dosiert mit dem Wasser umzugehen. Denn das verdampft bei dieser Hitze ebenso schlagartig und kann somit zu schweren Verbrühungen führen.
Ebenso zeigt sich die Notwendigkeit der vollständigen, dicht schließenden Schutzkleidung. Trotz alledem hat sich ein Wehrmann eine leichte Verbrennung an der Hand zugezogen. Eben ein Einsatz wie im Ernstfall.
Stärken konnten sich die Einsatzkräfte nach getaner Arbeit mit vielseitiger Verpflegung, für die die Jugendfeuerwehr Kleinochsenfurt sorgte. Die Versorgung mit Löschwasser, Gas und elektrischem Strom für die Übungen stellte die Werkfeuerwehr der Zuckerfabrik sicher.
Den Übungsparcours hatten Mitarbeiter der Zuckerfabrik auch für die praktische Unterweisung an Handfeuerlöschern genutzt.

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