publiziert: 18.06.2012 17:28 Uhr
aktualisiert: 20.06.2012 12:04 Uhr
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Illegale Rodung an der Waldkapelle für Garagen?

Diözese und St.-Bruno-Werk weisen Verantwortung von sich
  • Foto: THOMAS OBERMEIER
    Vor der Waldkapelle wurde gerodet: Wolfgang Schlotter kümmert sich um das Kirchlein, das sein Großvater erbaut hat.
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Hundert Jahre lang hatte die kleine Kapelle einen idyllischen Platz im Steinbachtal. Nachdem die Bebauung in den letzten Jahren bereits dichter an die Waldkapelle rückte, scheint es jetzt mit der Ruhe endgültig vorbei zu sein: Der parkähnliche Vorplatz der denkmalgeschützten Kapelle im Rothweg wurde vergangene Woche gerodet, um Platz für Garagen zu machen. Laut Stadt ist die Rodung illegal. Die Kirche will dafür nicht verantwortlich sein.

Die Steinbachtaler sind von den Vorgängen an der Bergflanke zum Guttenberger Forst entsetzt. Der Bau einer Doppelgarage am „optisch sensiblen Zugang zur Waldkapelle würde den Charakter dieses seit hundert Jahren in die Natur eingebetteten Kleinods unwiederbringlich zerstören“, protestieren Anwohner in einem Brief an das bischöfliche Ordinariat gegen das „rücksichtslose Vorgehen“. 30 Nachbarn haben spontan den Appell an die Verantwortlichen unterschrieben, „die Baumaßnahme sofort zu stoppen“.

Was die „Freunde der Waldkapelle“ besonders ärgert: Anfang der 90er Jahre haben sie und andere Steinbachtaler unentgeltlich 1600 Stunden bei der Renovierung „ihres“ Bergkirchleins mitgearbeitet und Geld für sie gesammelt.

Die Diözese distanziert sich von der Maßnahme. „Es ist noch nicht klar, wo die Garage hin kommt“, erklärt Bernhard Schweßinger. Aber die Waldkapelle dürfe nicht beeinträchtigt werden. Gebaut werden soll die Garage für das Nachbarhaus, das die Kirche bislang an zwei Familien vermietet hat und das jetzt einem Pfarrer zur Verfügung gestellt wird.

Schwarzer Peter

Momentan wird das Haus im Auftrag der Diözese vom Bauträger- und Verwaltungs-Gesellschaft SBW (St.-Bruno-Werk) saniert. Dieser schiebt die Diözese jetzt den Schwarzen Peter zu: „Die Rodung haben Architekten der SBW veranlasst, ohne den bischöflichen Stuhl zu informieren.“

Doch die SBW will es auch nicht gewesen sein. Dessen Architekt Ruthard Vogel erklärt, dass ein vom SBW beauftragter „externer Architekt“ abholzen ließ. Über den Bau von Garagen vor der Waldkapelle sei mit Ordinariat und Stadtverwaltung gesprochen worden. Der Architekt sei „offensichtlich zu schnell gewesen, da noch Fragen hätten abgeklärt werden müssen“. Dazu gehören Genehmigungen. Eine Baugenehmigung braucht es für die Garagen zwar nicht. Eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis aber schon. Denn diese ist nötig, wenn das Umfeld eines Baudenkmals verändert wird.

Laut Würzburger Rathaussprecher Christian Weiß wurde die Denkmalschutzbehörde der Stadt ebenso wenig informiert, wie das Umweltamt über das erfolgte Abholzen von Hecken und vier Bäumen.

Roden während der Nistzeit

„Dafür wäre eine Genehmigung notwendig gewesen, da erstens ein Baum unter die Baumschutzverordnung fällt und zweitens die Rodung während der Nistzeit erfolgt ist“, erläutert Weiß. Zum Schutz der Vögel darf zwischen März und Oktober nur in genehmigten Ausnahmefällen gerodet werden. Die Stadt leitet ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein und wird die Verantwortlichen anhören. „Eine Ersatzpflanzung werden wir auf jeden Fall verlangen.“

Erbaut wurde die kleine Kirche 1911 von der Familie Eduard Scheller neben ihrem Sommerhaus. Jahrelang fanden hier regelmäßige Gottesdienste und Andachten statt, seit den 50er Jahren nur noch Familiengottesdienste oder Taufen. Wanderer nutzen sie zur stillen Einkehr.

Die Erben von Eduard Scheller haben die Waldkapelle mit Nebengebäude und Wohnhaus der Kirche vermacht, mit der Maßgabe, dass die Kapelle nicht zweckentfremdet werden darf. Seit 1981 ist sie in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.

Von unserem Redaktionsmitglied MANUela Göbel
    
    

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»Alle 8 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

istia (10 Kommentare) am 19.06.2012 16:21

Würzburg

Katholische Kirche
Baumgart
(0)
Hingucker (1992 Kommentare) am 19.06.2012 15:15

noch was dazu

bin mal gespannt, wie lange man hierzu noch Kommentare schreiben kann. Bei unangenehmen Kommentaren, machr die Main-Post schnell zu.
(1)
mumbel (329 Kommentare) am 19.06.2012 10:21

Märchenerzähler

Die Geschichte klingt etwas abenteuerlich, wie so vieles, was in dieser Stadt Stadt passiert.

Leider erfährt man dann in den seltensten Fällen, wie so eine Geschichte ausgeht: Gibt es Strafen? Wer muss vieviel bezahlen? Bezahlt er am Ende dann aus unerfindlichen Gründen dann doch nicht?
(1)
giraffe (713 Kommentare) am 19.06.2012 19:07

Ob die MP,

bzw. Frau Göbel weiter forscht (Nachforschungen anstellen darf???) , oder steht dieses Thema auch unter journalistischem Verschluß? (wie so einiges in letzter Zeit).Siehe auch Kommentar von @Hingucker.
(0)
Groschi (1226 Kommentare) am 19.06.2012 11:05

Daß eine Mächenefigureninstitution

gerne Märchen erzählt, ist doch klar grinsen
Der Sache traue ich auch nicht so recht. Gäbe es diesen externen Architekten, müßte es möglich zu sein "Roß und Reiter" zu benennen.
Angaben über den tatsächlichen Auftraggeber sollte die Firma machen können, die hier willfährige Helfer für die Tat waren.
Ggf. Zelt aufbauen und Platz besetzen, damit da nicht mehr klammheimlich Unfug getrieben werden kann.
(1)
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