publiziert: 19.10.2011 16:56 Uhr
aktualisiert: 19.10.2011 21:22 Uhr
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Improtheater: Der Mut zum Scheitern gehört einfach dazu

Nadine Antler organisiert seit zehn Jahren Improtheater-Festival
  • Schluss nach zehn Jahren: Nadine Antler zieht sich nach dem Jubiläum aus der Organisation des Improtheater-Festivals zurück.
    Foto: Theresa Müller
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„Für Sicherheitsliebhaber oder Menschen, die von Grund auf eine Aversion gegen Risiken haben, ist Improtheater wohl falsch“. Das sagt Nadine Antler und sie muss es wissen. Die Sozialpädagogin im Jugendkulturhaus Cairo ist nicht nur eine begeisterte Improtheaterspielerin, sondern auch maßgeblich an der Organisation des Würzburger Improtheaterfestivals beteiligt. Dieses findet vom 21. bis 30. Oktober bereits zum zehnten Mal statt – zum runden Jubiläum mit einigen echten Höhepunkten.

Aber der Reihe nach: Denn es dauerte einige Zeit, bis das Improtheater in Würzburg Fuß fasste. In Erfurt, wo sie damals soziale Arbeit studierte, bekam Nadine Antler erstmals Kontakt zum Improtheater. Sie entdeckte dort eine Improgruppe, wollte gerne mitmachen, „doch die brauchten damals niemand“, erzählt sie lachend. Da verschlug es sie 1998 nach Würzburg, wo sie im Cairo ein Praxissemester absolvierte. Dort hatte damals die Improgruppe „Riemenaufschneider“ ihre Heimat. Und Nadine Antler stieß mit ihrem Ansinnen, einen Impro-Workshop zu organisieren, auf offene Ohren.

Aus der anfangs offenen Gruppe kristallisierte sich bald ein „harter Kern“ heraus, der die Sache fokussierter und ernsthafter anging. Daraus entstand die Gruppe „Die Kaktussen“, bei der Nadine Antler bis heute mitspielt. Nach anfänglichen kostenlosen Auftritten im Cairo sammelte das Team immer mehr Erfahrungen, begann regelmäßig zu spielen und vor allem: „Die Qualität wurde besser“, so Antler.

Wichtig ist Freude am Risiko

Was muss ein Improtheaterspieler eigentlich mitbringen, fragten wir Nadine Antler. „Wichtig sind der Mut zum Scheitern und die Freude am Risiko, man muss sich darauf einlassen können, dass man nicht weiß, was kommt“, erklärt Nadine Antler die Faszination des Improtheaters. Diese Eigenschaften muss man haben, „das Schauspielerische kann man lernen“. Antler: „Scheitern ist in unserer Gesellschaft verpönt, das Risiko des Scheiterns macht aber im Improtheater den Reiz für Darsteller und Zuschauer aus.“

Und gibt es keine Routine, keine Wiederholung, wenn man länger mit den gleichen Partnern spielt? „Nein“, sagt Nadine Antler, „sobald man eine Sicherheit hat, gibt man die wieder auf“, auch das muss man aber lernen. Gute Improspieler suchen immer neue Herausforderungen, denn sie wollen nicht stehen bleiben: „Und wenn man weiß, was der Partner auf der Bühne sagen wird, dann sagt man halt das Gegenteil“, verrät sie ein einfach klingendes Rezept.

„Die Zeit war damals einfach günstig“ blickt Nadine Antler zehn Jahre zurück, als das Improtheaterfestival in Würzburg entstand. „Anfangs war die Idee dazu nur eine Spinnerei“, erklärt sie. Aber es gab Unterstützung vom Cairo und ein vergleichbares Festival für Amateure gab es in ganz Deutschland nicht. Das erste Festival war ein Riesenerfolg, die Workshops alle ausgebucht und am Schluss sogar etwas Geld übrig.

Theatersport-Meisterschaft

Und so ging es weiter. Die Zahl der Kontakte in der Szene wuchs, man besuchte andere Gruppen und so kamen Jahr für Jahr neue Spieler zum Festival und der Zuspruch der Besucher stieg kontinuierlich an. 1600 Zuschauer kamen im letzten Jahr an vier Tagen. Dieses Jahr sollten es wohl noch ein paar mehr werden, denn zum runden Geburtstag gönnen sich die Veranstalter gleich 22 Shows an zehn Tagen.

Besonders freut sich Nadine Antler, dass es gelungen ist, Spieler aus den Geburtsländern des Improtheaters, USA und Kanada, zum Festival zu holen. Dabei handelt es sich um zwei Schüler der beiden wichtigsten Improtheater-Lehrer.

Ein echter Höhepunkt dürfte die zum Jubiläumsfestival erstmals stattfindende internationale Theatersport-Meisterschaft werden, bei der Teams aus sechs Nationen (Österreich, Deutschland, Kanada, USA, Slowenien und Australien) gegeneinander antreten, um den „Goldenen Kaktus“ zu gewinnen. Theatersport ist eine besondere Disziplin des Improtheaters. Dazu gehören als Akteure die Spieler auf der Bühne, das Publikum, das über den Gewinner entscheidet, und ein Schiedsrichter, der immer wieder ins Geschehen eingreift, wobei die Zuschauer ihrerseits gegen den Richter aufbegehren dürfen, erklärt Nadine Antler den Rahmen. Theatersport ist so etwas wie die Königsdisziplin des Improtheaters.

Bei der Eröffnungsveranstaltung des Festivals am Freitag, 21. Oktober, 20 Uhr, im Konzertsaal des Cairo, ist die erste Runde der Meisterschaft zu erleben. Der Sieger wird am Schlusstag am Sonntag, 30. Oktober, ab 20 Uhr im Mainfranken Theater ermittelt.

Einen persönlichen Favoriten im riesigen Programm hat Nadine Antler nicht, „die gehören alle zur Weltspitze“.

Nach zehn Jahren ist Schluss

Bei aller Vorfreude auf das größte deutsche Festival seiner Art bemerkt Nadine Antler ganz nebenbei ohne ein Anzeichen von Traurigkeit: „Dieses Jahr wird mein letztes Festival sein“. Sie habe das jetzt zehn Jahre lang gemacht und jedes Jahr habe es etwas Neues gegeben. „Ich habe das Gefühl alles ausprobiert zu haben, jetzt soll das die jüngere Generation das übernehmen“, sagt sie in der Überzeugung, dass der Fortbestand des Festivals gesichert ist.

Von unserem Redaktionsmitglied Karl-Georg Rötter
    
    

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