aktualisiert: 01.04.2009 19:29 Uhr
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REGION WÜRZBURG
In Reichenberg „nur“ 63 Tiere
Amtstierärzte überprüfen Tierhaltung
Nachdem Tierschützer sie alarmiert haben, kontrollieren Amtstierärzte nun die Tierhaltung von zwei Würzburgerinnen, die in ihrem Haus und zwei angemieteten Ställen mehrere Hundert Meerschweinchen und Kaninchen halten.
„Es gibt keinen Grund, den Besitzerinnen die Tiere weg zu nehmen“, erklärt Amtstierärztin Dr. Suzanne Klug gegenüber der Redaktion. Sie hat die Kleintierhaltung von zwei Würzburger Schwestern in einem angemieteten Stall in Reichenberg kontrolliert. „Wir haben hier 47 Meerschweinchen und 16 Kaninchen gefunden.“ Alle Tiere seien in einem „ordentlichen Zustand“ und „frei von Krankheiten“. Es sei genügend Heu und Futter vorhanden. Die Vermieterin des Stalls habe ihr versichert, die Besitzerinnen würden sich „gut um die Tier kümmern“. Nur „ausmisten würden sie nicht oft genug“. Die Amtsveterinärin betont, dass es keine speziellen „Haltungsvorschriften für Meerschweinchen und Kaninchen“ gibt. „Hier gelten nur die Vorschriften des Tierschutzgesetzes.“
Wie berichtet hatten Tierschützer die Veterinärämter über die Tierhaltung der Lehrerinnen informiert. Sie hatten zwischen dem 23. und 28. März nach eigenen Angaben in dem Stall „rund 150 Tiere“ gezählt, „von denen viele von Hautpilz befallen waren“. Nach ihren Angaben „wären die Tiere fünf Tage lang ohne Futter gewesen“, wenn sie nicht eingegriffen hätten. Nun vermuten sie, dass die Schwestern die kranken Tiere vor dem Besuch der Amtstierärztin „woanders hin gebracht haben“.
Es ist bekannt, dass die beiden Frauen außer in Reichenberg auch in ihrem Haus in Würzburg und in einem gemieteten Stall in Euerfeld (Lkr. Kitzingen) mehrere hundert Meerschweinchen und Kaninchen halten. Dr. Winfried Ueckert, Leiter des Würzburger Veterinäramts, will jetzt den Tierbestand im Haus der Lehrerinnen kontrollieren. Den Termin hat er mit ihnen abgesprochen. „Das mussten wir machen, weil wir sonst keine Zugangsmöglichkeit haben“, erklärt er. Im Umfeld der Schwestern heißt es, dass sie seit Jahren kaum noch Anrufe beantworten und fast niemand in ihr Haus lassen.
Dr. Uwe Knickel, Leiter des Kitzinger Veterinäramts und für Euerfeld zuständig, geht nach eigenen Worten „die Sache ruhig an“. Vor zwei Jahren hätten seine Kollegen zuletzt den Meerschweinchen-Stall in der Ortsmitte kontrolliert, erzählt er. Damals sei „alles in Ordnung gewesen“. Nachdem nun das Veterinäramt des Kreises Würzburg in Reichenberg keine „tierschutzwidrigen Zustände“ vorgefunden habe und er und seine Kollegen sehr beschäftigt seien, bestehe in Euerfeld kein Grund zur Eile: „Ich werde die Kontrolle in der kommenden Woche durchführen lassen“.
Die Tierschützer sind enttäuscht über die Veterinärämter. „Wenn die Amtstierärzte sich so viel Zeit lassen und sich dann auch noch anmelden, haben die Tierhalter Zeit genug, Missstände zu beseitigen und kranke und tote Tiere verschwinden zu lassen“, sagen sie. Nach ihren Angaben haben die Lehrerinnen „das ganze Wochenende in ihrem Haus und in den Ställen gemistet“. Die Tierschützer hätten sich gewünscht, dass die Amtsveterinäre „an allen drei Standorten unangemeldet und gleichzeitig“ erschienen wären. „Dann hätten sie das wahre Ausmaß des Tier-Dramas gesehen.“
Wie berichtet hatte das Würzburger Veterinäramt im Jahr 2003 über 800 Meerschweinchen, Kaninchen und zahme Ratten aus dem Haus der Lehrerinnen geholt und angeordnet, dass die Frauen ihren Bestand auf 200 Tiere begrenzen müssen. „Diese Anordnung gilt aber nur für das Anwesen in Würzburg“, betont Amtstierarzt Ueckert. Die anderen Standorte fielen nicht in seine Zuständigkeit.
Die beiden Lehrerinnen waren für eine Stellungnahme trotz vieler Versuche weder telefonisch noch persönlich zu erreichen.

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