aktualisiert: 22.02.2012 16:51 Uhr
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GELCHSHEIM
Josef Kreißl wird 90 Jahre alt
Viel Holz in der Hütte
Für Josef Kreißl, der am Donnerstag 90. Geburtstag feiert, ist das Arbeiten mit Holz die liebste Beschäftigung.
Der Jubilar wurde am 23. Februar 1922 in Joachimsthal im Erzgebirge geboren. Hier in der Nähe des bekannten Wallfahrtsortes Maria-Sorg wuchs er mit drei jüngeren Brüdern auf dem elterlichen Hof auf.
Noch lebhaft erinnert sich der geistig und körperlich vitale Jubilar an die Zeit seiner Wagnerlehre. Neben dem strengen Meister wurde die Lehrzeit nicht zuletzt dadurch erschwert, dass er den rund drei Kilometer langen Weg zu seiner Arbeitsstelle auch im Winter bei oft meterhohem Schnee zu Fuß zurücklegen musste.
Nach der Gesellenprüfung war er weitere zwei Jahre bei seinem Meister tätig bevor er 1941 Soldat im Zweiten Weltkrieg wurde. Nach seiner Entlassung aus amerikanischer Gefangenschaft im Februar 1946 fand Josef Kreißl umgehend in Ludwigsburg Arbeit in seinem Beruf.
Vor allem der Wunsch, wieder in die Nähe der Eltern zu kommen, die inzwischen in Maidbronn wohnten, war 1947 der Auslöser zu einem Umzug nach Gelchsheim. In die Marktgemeinde hatte es seinen Verwandten Willi Reinwarth verschlagen.
Vier Jahre lang arbeitete der junge Wagner als Bauernknecht in Gelchsheim bevor er in die Karosseriebaufirma Voll in Heidingsfeld wechselte. In der Firma, in der er zunächst noch Karosserien aus Holz fertigte, war Josef Kreißl 28 Jahre lang bis zum Eintritt in die Rente beschäftigt.
Nach der Heirat mit der gebürtigen Gelchsheimerin Rosa Wald baute er sich gemeinsam mit Willi Reinwarth ein Haus. Darin fand im Keller die kleine Wagner-Werkstatt ihren Platz. „Hier bin ich zufrieden und hier fühl ich mich wohl“ sagt der verwitwete Jubilar. Seine Lebensgefährtin Elfriede Scholz muss ihn tagtäglich teilen mit seinem geliebten Beruf, der für ihn gleichzeitig sein liebstes Hobby ist.
Unter seinen geschickten Händen entstehen zur Freude seiner Verwandten und Bekannten nicht nur Blumenhocker, Kerzenständer, Schemel, Notenständer oder Nudelbretter. Mit seinem Können in dem alten Wagner-Handwerk, das er meisterhaft beherrscht, gilt der „Kreißls Sepp“ seit Jahrzehnten auch als Anlaufstelle, wenn ein Stiel für den Spaten oder die Schaufel zu erneuern ist.
Von seinen Arbeiten, bei denen Josef Kreißl Wert drauf legt, dass sie wie er sagt, „anständig und von langer Lebensdauer sind“, zeugen auch anschaulich einige hölzerne Einrichtungsgegenstände in der Kapelle „Zum gegeißelten Heiland.“

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