publiziert: 10.04.2012 17:27 Uhr
aktualisiert: 10.04.2012 18:01 Uhr
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Jubiläumsveranstaltung: Mitten ins Flamenco-Herz

Begeistertes Publikum
  • Ekstase pur: Jose Galvan und Rosa Belmonte tanzten für ein begeistertes Publikum bis zur Erschöpfung.
    Foto: Schmelz-Fotodesign
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Am Ende ein volles Mainfranken Theater mit stehend applaudierendem Publikum. Und das fast 20 Minuten lang. Das ist sensationell für Würzburg. Die Jubiläumsveranstaltung des Würzburger Flamenco-Festivals war am Ostermontag ein absolutes Sahnehäubchen auf eine zehnjährige Erfolgsgeschichte für eine europäische Kulturnische, die hier in Würzburg von „Salon 77“ und Festival-Leiterin Mercedes Sebald auf ein hohes Niveau gebracht wurden. Die Compania Flamenco Antonio Andrade lieferte mit dem perfekt inszenierten und abgerundeten Programm „Vaya con Dios“ ein wahres Meisterstück ab, das erneut Maßstäbe gesetzt hat.

Des Lobes voll war Oberbürgermeister Georg Rosenthal bei seiner Begrüßung. Nach zehn Jahren sei das Flamenco-Festival ein fester Bestandteil der Kulturszene. Zum begeisterten Publikum zählt er sich inzwischen selbst. Er sprach von einer anspruchsvollen, Generationen übergreifenden, multikulturellen Kunst mit großer Tradition, die hier angeboten werde. Ohne die gewaltige Energie von Mercedes Sebald gäbe es das Festival in der Form nicht.

Flamenco ist keine Folklore, sondern Kunst, meinte die Festival-Leiterin. Die Kunst besteht hauptsächlich aus einem ganz feinen Wechselspiel zwischen Instrumentalisten, Sängern und Tänzern. Improvisation! Da war Mercedes Sebald gleich als Veranstalterin gefordert, denn die auf Plakaten seit Monaten angekündigte preisgekrönte Tänzerin Ursula Rosalia Moreno aus Malaga war aus familiären Gründen kurzfristig ausgefallen. Dafür präsentierte sie Rosa Belmonte aus Sevilla, die wie sich später zeigte, perfekt in ein komplett inszeniertes Programm schlüpfen konnte. Dass hier in Würzburg eine Rosa Belmonte einspringt, die jahrelang Tanz-Solistin im andalusischen Nationalballett gewesen ist, spricht vor allem für die Wertschätzung, den das Würzburger Festival unter den Künstlern inzwischen genießt.

Experimentiert wurde im Würzburger Programm schon immer recht mutig und das Publikum ging stets neugierig mit. So war das Jubiläumsprogramm zumindest für Würzburg wieder ein Novum, denn diesmal wurde riskiert, dass mancher Flamenco-Purist die Nase rümpfte. Es machte aber auch verdammt neugierig. Instrumental wurden die Gitarre und Percussion-Instrumente ergänzt von Saxofon, Flöte und einer dezenten Bassgitarre. Dabei glitt ein instrumentaler Part mit Sigi Finkel am Saxofon schon sehr in die Nähe des Free Jazz. Andererseits wurde aber auch glänzend demonstriert, wie sehr theatralisch das Saxofon sein und gerade die schwermütigen Stimmungen des Flamenco aufnehmen kann. Das war eben so wenig ein Stilbruch wie die Bassgitarre.

Zwischen Tradition und Moderne

Als Brücke zwischen Tradition und Moderne war „Vaya con dias“ angekündigt. Das Versprechen wurde gehalten. Die Tradition des sprechenden Spiels der Flamenco-Gitarre präsentierte Antonio Andrade gleich zu Beginn. Zwar durfte Palblo Prada am Bass im Laufe des Abends ein kleines spanisches Solo einlegen, eine tragende Rolle hatte er sonst nicht. Sänger Cheito pflegte die typisch maurische Tonlage, wurde einmal fast so melodisch, dass man an bekannte Rockballaden wie „Stairway to Heaven“ erinnert wurde.

Bei allen musikalischen Brücken wurde die Tradition nicht über Bord geworfen. Sehr zur Freude des Publikums stand der Tanz im Vordergrund. Der wurde von Jose Galvan und Rosa Belmonte bis zur Erschöpfung gepflegt. Doch auch beim Tanz gab es kleine Zugeständnisse. Rosa Belmonte musste sich nicht ständig mit der traditionelle Schleppe quälen, sondern konnte im Ballettkostüm ihre Tanzkunst von der Zehenspitze bis ins hoch konzentrierte Gesicht zeigen. Wer es traditionell mochte, dem zeigte sie die „Guajira“ mit Schleppe und Fächer.

Sie wurde ebenso gefeiert wie der Star des Abends Jose Galvan. Seine sprühende Energie ging direkt ins Publikum über, mitten ins Flamenco-Herz. Es gab Szenenbeifall für den Tänzer. Aber auch das ist Tradition: Galvan schnippt mit dem Finger und gibt mit seiner Ekstase den Ton an. An ihm haften die Augen der Musiker und Sänger. So funktioniert das Wechselpiel des Flamenco.

Von unserem Redaktionsmitglied Richard Wust
    
    

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