publiziert: 08.11.2010 16:20 Uhr
aktualisiert: 08.11.2010 17:17 Uhr
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Jüdisches Zentrum lockt viele Besucher

Führungen durch Museum, Synagoge und Dokumentationszentrum in Valentin-Becker-Straße
  • Führung durchs Dokumentationszentrum: Dr. Rotraud Ries (rechts) informierte Besucher zum Thema „Die heilige Gemeinde Würzburg Juden im Mittelalter“.
    Foto: Franz Nickel
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Mehrere Hundert Interessierte nutzten den „Nachmittag zum Hören, Schauen und Fragen“ und besuchten das Museum Shalom Europa, die Synagoge sowie das Dokumentationszentrum für jüdische Geschichte in der Valentin-Becker-Straße. Die Veranstalter boten den Gästen Rundgänge durch die Gebäude sowie neun thematische Führungen an.

Dr. Rotraud Ries, seit September 2009 Leiterin des Dokumentationszentrums, betonte in ihrer Begrüßungsrede während des Tags der offenen Tür werde deutlich, „dass das Museum Shalom Europa und das Dokumentationszentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken wie die beiden Seiten einer Medaille zusammengehören und sich ergänzen“. Sie dankte der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, dem Vorstand und Mitarbeitern der jüdischen Gemeinde sowie den ehrenamtlichen Helfern des Museums, die aufgrund ihres Engagements „diese gemeinsame Veranstaltung möglich machten“.

Ries informierte, dass das Dokumentationszentrum in einer Dauerausstellung die Geschichte der Juden in Würzburg und Unterfranken vom Anfang bis heute zeigt. Anhand von Texten und Bildern auf 18 von der Decke hängenden Fahnen lasse sich die Historie in chronologischer Folge nachvollziehen. Ergänzt wird die Präsentation durch acht Tischvitrinen, in denen zu verschiedenen Themen Exponate - meist Reproduktionen von Schriftquellen – zu sehen sind.

Das Dokumentationszentrum beherbergt auch in einem Magazinraum auch das Archiv der jüdischen Gemeinde und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Kopien von Archivalien vor allem aus dem Würzburger Staatsarchiv sowie den größten Teil der Memmelsdorfer Genisa. Zur Sammlung gehören außerdem Erinnerungsstücke aus Privatbesitz, beispielsweise das Tagebuch von Ernst Ruschkewitz. „Es wäre wünschenswert, wenn in Zukunft noch weitere Stücke hinzukämen“, sagte Ries.

Drittes Standbein

Als drittes Standbein bezeichnete die Leiterin des Dokumentationszentrums die Fachbibliothek. Hier findet man Literatur zum Judentum, Israel und die jüdische Geschichte vom Mittelalter bis heute. Einen Schwerpunkt bilden Veröffentlichungen zum Antisemitismus und dem Holocaust. „Die Bibliothek soll in den kommenden Jahren kontinuierlich erweitert werden“, erklärte Ries. Dies diene sowohl für private Forschungszwecke, etwa zu einzelnen Orten, als auch für wissenschaftliche Nutzungsmöglichkeiten. „Mit Lehrveranstaltungen an der Universität hoffe ich Interesse für die jüdische Geschichte zu wecken und Kompetenzen zu vermitteln, die zu entsprechenden Examens- und Doktorarbeiten anregen.“

Ries machte zudem auf den Ausbau des Informationsangebots des Zentrums aufmerksam. Geplant ist eine Literaturdatenbank zur jüdischen Regionalgeschichte, die über das Internet zugänglich sein wird. Des weiteren befinden sich Sonderausstellungen in Vorbereitung, unter anderem zum Thema jüdische Kinder und Jugendliche in der NS-Zeit. „Ganz besonders am Herzen liegt mir, Impulse zu setzen für eine zeitnahe und professionelle Fotodokumentation der jüdischen Friedhöfe“, hob Ries hervor. Dabei „ticke die Uhr immer lauter“, denn es dauere nicht mehr lange, bis die meisten Grabsteine so stark verwittert seien, dass man die Grabinschriften nicht mehr lesen könne. Von den insgesamt rund 28000 Steinen auf den Friedhöfen müssten schätzungsweise noch etwa 25000 dokumentiert werden.

Von unserem Mitarbeiter Franz Nickel
    
    

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