publiziert: 15.12.2008 17:25 Uhr
aktualisiert: 15.12.2008 20:07 Uhr
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Knallkörper fliegen auf Polizisten

Randale am Samstag – Heiße Diskussionen auf mainpost.de

Seit in Griechenland ein 15-Jähriger bei einer Demo erschossen wurde, gärt es dort in den großen Städten. Das ist weit weg, werden sich viele Würzburger gedacht haben. Doch seit Samstag wissen sie es besser: rund 100 junge Leute, die die Polizei der linksautonomen Szene zurechnet, randalierten in der City, um ihre Sympathie für die Jugendkrawalle deutlich zu machen.

  • Linskautonome Linksautonome flüchten vor der Polizei. (Symbolbild)
Bild von

Auch in Weimar, Minden, Frankfurt am Main und München gab es laut Deutscher Presseagentur Zoff mit radikalen Autonomen.

Gegen 15.30 Uhr begann der Spuk, wie Polizeisprecher Heiko Sauer mitteilte. Am Geschwister-Scholl-Platz versammelten sich schwarzgekleidete und teilweise vermummte junge Leute, Linksautonome, Punker und Schüler, wie die Polizei später ermittelte.

Sie zogen dann mit ihrem Transparent, auf denen Sprüche wie „Gegen Polizeigewalt und Staatsterror – Mord bleibt Mord“ zu lesen waren, an der neuen Uni vorbei in die Sanderstraße.

    
Demonstranten greifen Polizisten an
Am Samstagnachmittag ist es in der Würzburger Innenstadt zu einer Auseinandersetzung zwischen jugendlichen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Jugendlichen hatten ohne Genehmigung gegen den Tod eines 15-jährigen Griechen demonstriert, der von einem Polizisten erschossen worden war. Video: Anis Micijevic
    

Dort liefen sie auf den Schienen in Richtung Augustinerstraße. Nach Augenzeugenberichten kam es schon in der Sanderstraße zu ersten Übergriffen der Demonstranten, die von Streifenwagen begleitet wurden.

Die jungen Leute schossen ganz gezielt Feuerwerkskörper auf die Einsatzkräfte ab, schilderte ein Autofahrer die Situation.

Waren es zuerst nur zwei Streifenwagen, die Abstand hielten, zog die Würzburger Polizei jetzt Beamte aus ganz Unterfranken und von der Bereitschaftspolizei zusammen, um die Situation nicht eskalieren zu lassen, erklärt Sauer.

In der Augustinerstraße beschädigten Randalierer eine Werbetafel. Ein Polizeibeamter erlitt Verletzungen im Gesicht. Sauer: „Der Beamte hat niemanden festnehmen wollen.
 
Er wurde aus der Gruppe der Demonstranten gezielt angegriffen und als er am Boden lag, gab es noch Fußtritte.“ Der Schläger wurde unter Schwierigkeiten festgenommen, denn Sympathisanten versuchten, ihn aus dem Polizeigewahrsam zu befreien.

Dann machte die Polizei nach Augenzeugenberichten Jagd auf die Störer und versuchte Rädelsführer festzunehmen. Tränengas wie in Griechenland setzte die Polizei laut Sauer nicht ein. Die Jugendlichen flohen in umliegende Gassen und tauchten dort unter.

Grölende Leute auf dem Markt


Das geschah auch auf dem oberen Weihnachtsmarkt. Marktkauffrau Marianne May: „Plötzlich rannte grölende Leute über den Marktplatz. Sie brüllten Parolen und waren schnell wieder verschwunden.“

Angst hatte sie keine. Das wundert nicht, denn May hat in ihrem Kerzenstand viele Schutzengel hängen.

Die Polizei nahm an diesem Nachmittag neun Leute fest, sechs waren unter 18 Jahren und mussten von den Eltern abgeholt werden. Für drei Randalierer verhängte ein Ermittlungsrichter präventive Sicherheitsverwahrung.
 
Sie waren am Sonntag wieder auf freiem Fuß. Die Festgenommenen stammen aus Stadt und Landkreis Würzburg, aus Schweinfurt, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld.

Nach den ersten Veröffentlichungen wird das Thema heiß im Internet auf www.mainpost.de diskutiert. Viele Leser gaben ihre Meinung zu den Vorfällen ab.

Von „das asoziale Pack müsste im Steinbruch arbeiten“ bis „Wir leben in einem brutalen Bullenstaat“ ist die Bandbreite groß. Viele Leser lassen ihren Emotionen freien Lauf und nur wenige Meinungsäußerungen gehen rational an das Thema heran.

Von unserem Redaktionsmitglied Ernst Jerg
    
    

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