aktualisiert: 08.08.2010 18:34 Uhr
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ALTSTADT
Komödie von Ephraim Kishon: Ehekrach bei Romeo und Julia
Das theater ensemble spielt im Efeuhof ein Stück über alte, gerostete Liebe
Hätten die Literaturwissenschaftler „Romeo und Julia" ein wenig aufmerksamer gelesen, es wäre ihnen schnell klar geworden: Aus Shakespeares Turteltauben müssen über kurz oder lang Streithähne werden. Denn wenn man frisch verliebt schon darüber diskutiert, ob draußen Nachtigall oder Lerche sin-gen – wie sehen die Gespräche dann erst nach ein paar Jahren Ehe aus? Gut also, dass die beiden ihr Leben gelassen haben, bevor sie es sich zur Hölle machen konnten.
Falsch. Romeo und Julia haben überlebt. Der Satiriker Ephraim Kishon hatte seine Finger im Spiel. Im Efeuhof spielt das theater ensemble unter der Regie von Angelika Hofstetter Kishons eigenwillige Shakespeare-Fortsetzung „Es war die Lerche". 29 Jahre nach ihrem tragischen und ach so romantischen Ende, haben sich Julia (Dagmar Schmauß) und Romeo (Michael Völkl) so sehr auseinandergelebt, dass man ihre Ehe fast wieder als Tragödie bezeichnen könnte.
Das aber verhindert das Paar, indem es ohne Rücksicht auf Anstand und Versmaß zetert und zankt was das Zeug hält. Die Komödie ist eine einzige Ehekrise. Romeo schwankt, zwischen dem angestrengten Versuch, der Liebe noch eine Chance zu geben und der Versuchung, dem Ehetrott ein für alle Mal den Rücken zu kehren. Julia ist schon einen Schritt weiter: Sie hat mit ihrem Schicksal abgeschlossen. Sie träumt noch nicht einmal mehr, wie Romeo, von einem „erfüllten Geschlechtsleben", sondern nur noch von einer Haushälterin.
Das Stück ist sehr wortlastig, die Pointen stecken fast ausschließlich im Text. Gut gesetzte Pausen, in denen das Spiel in den Vordergrund rückt, wären eine Bereicherung. Kein Zweifel: Die Darsteller könnten das.
So bewegt sich die Handlung permanent an der Grenze zur Hysterie – was aber nicht die schlechteste Lösung ist, wenn man Romeos und Julias über viele Ehejahre zerfressenem Nervenkostüm Rechnung tragen will. Einen Gegenpol bildet Sabrina Kohl in der Rolle der Lucretia. Als hätten Romeo und Julia nicht genug damit zu tun, sich gegenseitig zu verabscheuen, schlurft die pubertierende Tochter hin und wieder seelenruhig über die Bühne und tut gelassen kaltblütig kund, wie sehr sie ihre Eltern hasst.
Als Shakespeare in Tarnfleck einer Nebelwolke entsteigt, wird endgültig klar: Dieses Stück ist mehr als eine kleine Parodie auf die Ehe. Es ist komplett überdreht. Das aber, ohne je auf die Nerven zu fallen und meist ohne platte Witze.
Shakespeare ist Nervensäge und Lichtblick in einem. Während er penetrant darauf hinarbeitet, das unwürdige Gezänk seiner beiden Hauptpersonen zu beenden und sie endlich dem Tod zuzuführen, wie er es doch schon vor langem bestimmt hatte, erklären Romeo und Julia ihn zu ihrem gemeinsamen Feind. Und so ein Feindbild wirkt besser als jede Paartherapie. Nachdem sie sich – damit Shakespeare endlich Ruhe gibt – vergiftet haben (diesmal gegenseitig), sind die Eheleute wie frisch verliebt und kitten das Familienidyll.
Aber man weiß ja, wie das in 29 Jahren aussieht!
Vorstellungen bis 11. September immer mittwochs bis sonntags um 20 Uhr im Efeuhof.
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Die neuesten Kommentare
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lamyfueller (3 Kommentare) am 10.08.2010 23:04
zweimalAls ich das erste mal auf „senden“ klickte, kam die Meldung ich möchte bitte Text als auch Titel eingeben. Nu ist's zweimal drin. Könnt' Ihr ja einmal löschen...! |
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lamyfueller (3 Kommentare) am 10.08.2010 23:02
ProvinzSo hübsch das Bild, so nichtssagend (nur verschwätzt)ist die Kritik der Main Post, und wo mal kurz der Eindruck entsteht, sie war tatsächlich in der Vorstellung, ists Gewäsch.Natürlich gabs gut gesetzte Pausen in dem „wortlastigen“(!? da kann man am Inszenieren sparen? da werden Pointen nur aufgesagt..?) Stück. Es wurde von allen sehr variantenreich gespielt, in verschiedensten Tonlagen, mit guter Choreografie der Figuren, lebendiger Ausnutzung des ganzen Innenhofs, die großen Ausbrüche waren wohldosiert, in allen Stimmungslagen war es szenische Feinarbeit. Man(also ich und jeder Fühlende) war durchwegs gespannt und elektrisiert. Auch die Ammenszenen..köstlich. Wie wüsste ich jetzt eine Erbtante zu kitzeln… (zu spät) Die Schreiberin versteht schlichtweg nix von Bühnenarbeit. Provinz - nix mit (Welt)niveau... Schade, denn eigentlich hat die Main Post auch gute Redakteure... |
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lamyfueller (3 Kommentare) am 10.08.2010 23:02
Also ich hab mir die Premiere auch angesehen...So hübsch das Bild, so nichtssagend (nur verschwätzt)ist die Kritik der Main Post, und wo mal kurz der Eindruck entsteht, sie war tatsächlich in der Vorstellung, ists Gewäsch.Natürlich gabs gut gesetzte Pausen in dem „wortlastigen“(!? da kann man am Inszenieren sparen? da werden Pointen nur aufgesagt..?) Stück. Es wurde von allen sehr variantenreich gespielt, in verschiedensten Tonlagen, mit guter Choreografie der Figuren, lebendiger Ausnutzung des ganzen Innenhofs, die großen Ausbrüche waren wohldosiert, in allen Stimmungslagen war es szenische Feinarbeit. Man(also ich und jeder Fühlende) war durchwegs gespannt und elektrisiert. Auch die Ammenszenen..köstlich. Wie wüsste ich jetzt eine Erbtante zu kitzeln… (zu spät) Die Schreiberin versteht schlichtweg nix von Bühnenarbeit. Provinz - nix mit (Welt)niveau... Schade, denn eigentlich hat die Main Post auch gute Redakteure... |
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theaterensemble (6 Kommentare) am 08.08.2010 17:25
Falscher BilduntertitelSowohl die Personen auf dem Bild - William Shakespeare (Jürgen Döring) und Lucretia (Sabrina Kohl), als auch der Titel „Es war die Nachtigall“... |
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