publiziert: 19.05.2011 18:12 Uhr
aktualisiert: 19.05.2011 18:15 Uhr
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Kulturspeicher: Lernprozess oder Pfusch am Bau?

  • Foto: THERESA MÜLLER
    Die Wiederbefestigung macht Probleme: Diese Steine wurden am Kulturspeicher abgebaut, um die Glasflächen putzen zu können.
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Der Kulturspeicher und die Probleme mit dessen Natursteinfassade (wir berichteten) waren am Donnerstag auch Thema im Würzburger Stadtrat. Unter anderem war von „Pfusch“ und „Murks“ (Erich Felgenhauer) die Rede.

Stadtbaurat Christian Baumgart bestätigte, dass die 130 Kilo schweren Steinlamellen künftig anders befestigt werden sollen – vier Schrauben von hinten sollen durch zwei Schrauben von vorne ersetzt werden. Dadurch, so Baumgart, verringere sich dieser Unterhaltsaufwand auf ein Drittel. Die Lamellen müssten künftig alle fünf bis zehn Jahre abgenommen werden. Die Lösung ist freilich noch nicht sicher: Statiker sowie ein Prüfinstitut in Stuttgart unternähmen gerade Materialversuche. Ergebnisse sollen Ende Juni vorliegen. Der Stadtbaurat geht davon aus, dass eine so genannte „Zulassung im Einzelfall“ erteilt wird.

Wie berichtet, mussten die schweren Steinlamellen abgehängt werden, um die Fenster zu putzen. Die sind mittlerweile gereinigt. Warum die Natursteine nicht längst wieder aufgehängt werden? Von Problemen sprach Baumgart nicht, nur von Verbesserungen. Er gab den Lernfähigen: Hätte er beim Bau des Kulturspeichers „die Erkenntnisse von heute gehabt, hätte ich damals eine andere Ausführung gewählt.“ Das neue, vereinfachte Befestigungssystem sei eine „gute und wirtschaftliche Entwicklung“.

Aufs Putzen wurde verzichtet

Bei der Planung des Kulturtempels – eröffnet im Februar 2002 – sei man der Ansicht gewesen, dass eine Reinigung hinter den Lamellen mit so genanten Lanzen genüge. 20 000 Mark pro Jahr seien dafür veranschlagt gewesen – wobei „klar war, dass die Steinverkleidung abgenommen werden muss. Wir wussten um den Aufwand“. Doch geputzt wurde („aus verschiedenen Gründen“) all die Jahre nicht. Und, so der Stadtbaurat: Die Verschmutzungen durch Taubenkot sei stärker als erwartet.

Als „nicht hilfreich und unzutreffend“ bezeichnete Baumgart die Berichterstattung unserer Zeitung, wonach sich die Reinigungskosten auf 315 000 Euro erhöht hätten. Kulturreferent Al Ghusain habe diese Zahl nie genannt. Tatsächlich seien – 65 000 Euro für die Natursteinarbeiten inklusive – für die Reinigung am Kulturspeicher 200 000 Euro im Haushalt des vergangenen Jahres bereit gestellt. Der Rest seien generelle Unterhaltskosten für den Ex-Getreidespeicher. Bis dato wurden laut Baumgart 50 000 Euro für Reinigung bzw. Taubenvergrämung ausgegeben.

Karl Graf (FDP) bezweifelte diese Zahlen. Er rechnete auf Basis schriftlicher Unterlagen der Stadtverwaltung vor, dass die Reinigungskosten eben doch auf 315 000 Euro gestiegen seien. Harte Worte fand Erich Felgenhauer (CSU): Mit derartigen Mängeln sei der Kulturspeicher eine „Schande für die Preisrichter“, die den Bau ausgezeichnet haben. Und für die FDP stellte Bundestagsabgeordneter Joachim Spatz die weitere Kooperation mit dem zuständigen Architektenbüro in Frage. Dazu der Stadtbaurat: „Ich seine keinen Anlass, die Zusammenarbeit mit dem qualifizierten Büro aus diesen Gründen anders zu bewerten.“

Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Jungbauer
    
    

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»Alle 6 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

steve67 (1157 Kommentare) am 20.05.2011 13:48

Vermutlich sitzt

der Stadtbaurat mit dem Architekten öfter mal in der ersten Reihe bei den Baskets und man trifft sich bei der ein oder anderen Veranstaltung. So was qualifiziert natürlich unheimlich.....
(0)
reutjo (2188 Kommentare) am 20.05.2011 07:18

' Learning by Doing ' ...... naja ....?? !!

auf diesen zum Artikel eingestellten Foto ist erkennbar, dass bisher nur diese
schweren Stein-Lamellen abgehängt sind (waren ?), die wegen der Fensterputz-
Aktion vorrangig abgebaut werden mussten.
Dabei hat "man / n" erkannt, dass wegen Verspannungen, (das unterschiedliche
Material Stahlgerüst / Stein arbeitet bei gleichen Temperaturen unterschiedlich)
Ausbrüche am Stein, und Abbrüche an den Befestigungsbolzen vorgekommen
sind. Und deshalb müsse ' Man/n ' NEU nachdenken. "Learning by Doing" wird
so etwas gerne genannt ! Herr " Felgenhauer " hat andere Worte dafür.. !! Das
muss man klar so sehen ....

Was aber ist, mit den Fassadenteilen die noch hängen. Diese unterliegen doch
den gleichen Bedingungen. Können also ausbrechen, abbrechen, runterfallen UND
im schlimmsten Falle unten jemand 'erschlagen'.
Die Folge ist doch, die Konstruktion muss insgesamt erneuert und verbessert werden.
Wie hoch sind denn dann die Kosten ...... insgesamt ??? für die WÜer Bürger ?

Die sich immer wieder aufs Neue "missbraucht" fühlen !! (siehe Kommentare zu den
verschiedenen Artikeln in dieser oder jener Sache.....! Das kann es ja nicht sein .....
auf Dauer !
guten Morgen .....
(2)
lodi (124 Kommentare) am 19.05.2011 23:53

Belohnung

Und zur Belohnung darf der Starrchitekt die Frankenhalle xxxxxx (da fällt mir kein passendes Verb ein)
(2)
nabravo (589 Kommentare) am 19.05.2011 23:09

wenn ich mein Haus

mit so einer aufwendigen Fassade verkleiden würde, bei der immer Schraubarbeiten vonnöten sind, wäre ich in Kürze pleite. Bei der öffentlichen Hand ist das anders. Diese Hand kann man immer aufhalten, egal wer oder wo welchen Pfusch und Murks macht. Der liebe Bürger zahlt - weil es ja Kunst ist. Habt ihr das nicht verstanden ? Das ist Kunst - wenn so hirnlos eine Fassade gebaut wird. Ach ja - dann zahlen wir gerne.
(4)
stoertebeker (766 Kommentare) am 19.05.2011 20:10

Qualifiziertes Büro ?

Herr Baumgart sieht keinen Grund, die Arbeit mit dem "qualifizierten Büro" anders zu bewerten.Ein Büro, das solche Folgekosten produziert-ist nicht haltbar. Auch die Reinigungskosten von € 20.000 waren von Anfang an zu gering kalkuliert-aber es ist ja nur Steuergeld, was dort verschwendet wird.
Das er nicht gut auf die MP zu sprechen ist iss logisch, wer läßt sich schon gerne Fehler nachweisen....
Immer wieder, dieser gute Mann gehört wo anders hin-er ist eine komplette Fehlbesetzung in Würzburg
(3)
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