publiziert: 31.01.2011 17:20 Uhr
aktualisiert: 31.01.2011 17:24 Uhr
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Marianne Reins Lyrik lebt weiter

Ein Abend mit dem Werk der von den Nazis ermordeten Autorin – Ehrung für Rosa Grimm
  • „Tanzender Schäfer“: Rosa Grimm, die langjährige Geschäftsführerin der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Unterfranken, nimmt aus den Händen von Oberbürgermeister Georg Rosenthal die Porzellanfigur entgegen. Schauspieldirektor Bernhard Stengele freut sich mit ihr über die Auszeichnung für ein engagiertes Lebenswerk.
    Foto: Georg Wagenbrenner
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Was hätte Marianne Rein wohl gesagt, wenn sie diesen Abend hätte miterleben können? Vielleicht wäre sie gerührt im Publikum gesessen und hätte ihren frühen Gedichten gelauscht. Vielleicht wäre sie aber auch als inzwischen berühmte Lyrikerin eher peinlich berührt von ihren ersten literarischen Gehversuchen gewesen. Sehr wahrscheinlich aber hätte auch sie den Schauspielerinnen und Musikerinnen bewundernd applaudiert, die ihre Gedichte und Briefe anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktages und des 100. Geburtstags der Dichterin auf der Bühne des Mainfranken Theaters einem großen Publikum nahebrachten.

Ganz sicher hätte sich Marianne Rein aber auch darüber gefreut, dass ihre postume Entdeckerin Rosa Grimm, die langjährige Geschäftsführerin der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, von Oberbürgermeister Georg Rosenthal mit der Figur des „Tanzenden Schäfers“ geehrt wurde. Zum einen für ihr Lebenswerk, das darin besteht, „das jüdische Gemeindeleben in der Stadt zu verankern und zu festigen.“

Dem Vergessen entrissen

Aber auch dafür, dass sie das lyrische Werk Reins jetzt in einem im Würzburger Ergon Verlag erschienenen Buch veröffentlichte, und damit, so der OB, „eine junge begabte Würzburger Lyrikerin dem Vergessen entriss.“ Marianne Rein hätte nach den Worten Rosenthals „der Welt viel geben können, wenn sie nicht erbarmungslos ermordet worden wäre“.

Denn im Alter von nur 30 Jahren wurde die junge literaturbegeisterte Jüdin am 27. November 1941 zusammen mit ihrer Mutter mit dem ersten Judentransport aus Würzburg nach Riga deportiert. Dort verliert sich ihre Spur. Wahrscheinlich verhungerte sie, oder sie wurde erschossen.

1993 fand Rosa Grimm in einer Ausstellung einen kurzen Hinweis auf die vergessene Lyrikerin, begab sich auf Spurensuche und wurde fündig. Gut 90 Gedichte sind erhalten geblieben, ebenso Briefe Reins an den jüdischen Schriftsteller Jakob Picard, dem im Gegensatz zu der jungen Würzburgerin die Ausreise in die USA gelang.

Spannende Choreographie

Aus den Briefen und Gedichten hatte Schauspieldirektor Bernhard Stengele für den Marianne-Rein-Abend eine interessante Auswahl zusammengestellt, die er in einer spannenden Choreografie und Dramaturgie auf die Bühne brachte. Lyrik und Briefauszüge wechselten geschickt mit Liedvertonungen einzelner Gedichte. Waren die Kompositionen von Paul Amrod auch für den ungeübten Zuhörer gut zu verkraften, wurden die Zuhörer im zweiten Teil mit den Vertonungen von Margret Wolf auf die Probe gestellt. Diese unerbittlichen Kompositionen standen aber durchaus im Zusammenhang mit der Todahnung der Gedichtautorin Marianne Rein.

Ein ausdrückliches Lob verdienten sich alle Mitwirkenden (Katia Bouscarrut, Milena Ivanova, Anne Diemer, Christina Theresa Motsch, Andrea Jörg, Eva-Maria Wurlitzer und Anna-Kathrin Berger), die der Wiederentdeckung des Werks von Marianne Rein einen ebenso würdigen Rahmen verliehen wie der Auszeichnung für Rosa Grimm. Es wäre zu wünschen, dass dieser Abend noch häufig wiederholt wird.

Zum Nachlesen und Nachhören gibt es das von Rosa Grimm herausgegebene Buch „Marianne Dora Rein – Das Werk“ im Würzburger Buchhandel. Buch und CD kostet 25 Euro.

Von unserem Redaktionsmitglied Karl-Georg Rötter
    
    

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