publiziert: 05.02.2012 17:42 Uhr
aktualisiert: 05.02.2012 18:13 Uhr
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Mein Montag: Dadord Eichhornstraße

Laut Kriminalstatistik ist Würzburg ein relativ sicherer Ort. Laut Kriminalroman-Statistik ist die Stadt dagegen ein Hort des Verbrechens. Davon künden die Einsätze von Kommissar Erich Rottmann, den Schoppenpfetzer-Autor Günther Huth seitenweise im Bischofshut ermitteln lässt. Im Kampf gegen Mord und Totschlag jagt Roman Rausch seinen Kommissar Kilian durch die Stadt, auf der Steinburg speisen die Gäste vorzugsweise beim Dinner-Krimi und ganz aktuell versuchen Privatdetektiv Strick und Kommissar Rabe im „Dadord Würzburg“ das Rätsel blutleerer Leichen zu lösen.

Die immense Leser- und Zuschauerresonanz zeigt, dass der Würzburger es offensichtlich gern kriminell hat – zumindest, solange keiner wirklich gemeuchelt wird. Der Hang liegt wahrscheinlich darin begründet, dass ihm in der Stadt einfach zu wenig passiert, weshalb manch einer bereits Hausbauten auf dem Marktplatz oder die Schließung einer kleiner Straße zwischen der Zellerau und Zell für ein Verbrechen hält.

Dass wir selbst alle kleine Übeltäter sind, ist den Kommissaren Rottmann und Co. indes entgangen, weil sie bei ihrer Schnüffelei den Dadord Mülltonne übersehen haben. Und der hat's in sich, auch ohne Leichen und Falschgeld. Wie die Stadtreiniger nach einer spektakulären Untersuchung enthüllt haben, wirft jeder von uns 117 Kilo Abfall jährlich in seinen Restmüllbehälter. Der Skandal dabei: Über die Hälfte davon wäre noch wiederzuverwerten. Damit sind nicht die abgetragenen löchrigen Hausschlappen gemeint, sondern recyclingfähige Wertstoffe, die wir an blauer Tonne und gelbem Sack vorbei entsorgen. Zehn Kilo Papier wirft jeder von uns jährlich in den Restmüll, was ganz schön viel Holz ist – hochgerechnet wahrscheinlich eine Allee in der Trautenauer Straße. Oder eine Holzpappelwald am Main. Oder so ähnlich.

Was auf den ersten Blick wie ein vorsätzliches Umweltverbrechen aussieht, kann natürlich auch den Hintergrund haben, dass die Papiertonne häufig schnell voll ist, während die große graue Tonne viel Platz bietet. Da sollten Rottmann und Rabe mal ermitteln.

Wenn sie dann im Altpapier schnüffeln, beispielsweise am Rathaus, fällt ihnen möglicherweise eine Skizze in die Hände, die Stadtbaurat Christian Baumgart dieser Tage entsorgt haben könnte. Die Zeichnung zeigt einen Pavillon über der Einfahrt zur Tiefgarage in der Eichhornstraße – mit Kiosk, WC und einem kleinen Gartenlokal. Dieses kleine Ensemble „schwebt“ auf zwei Plattformen über der Zufahrt. Eine „ästhetische und funktionale Aufwertung“ nannte Baumgart den Entwurf, als er diesen den Stadträten präsentierte – im Juli des Jahres 1998.

Da die Ratsherren offenbar schon damals Probleme mit der Ästhetik hatten, bügelten sie das Baumgartsche Meisterwerk umgehend ab – mit weitreichenden Spätfolgen, wie wir jetzt wissen. Denn ohne den krönenden Schwebepalast des Stadtbaurates am Bein lässt sich jetzt – zum Entsetzen der Anwohner – die Marktgaragenzufahrt vom Dadord Eichhornstraße locker in die Martinstraße verlegen.

Von Holger Welsch holger.welsch@mainpost.de
    
    

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