aktualisiert: 03.02.2012 18:33 Uhr
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WÜRZBURG
Mit Tee und Schlafsack gegen die Kälte
Die Bahnhofsmissionen in Unterfranken haben angesichts eisiger Temperaturen Hochbetrieb
Ralf meditiert – bei klirrender Kälte auf dem Kiliansplatz in Würzburg. Der 48-Jährige ist seit Mai 2011 ohne festen Wohnsitz. Alles was er besitzt hat er im Rucksack bei sich. Vor den eisigen Minustemperaturen schützen ihn ein olivgrüner Thermoanzug, eine gleichfarbige Skimütze, derbe Stiefel und dicke Fäustlinge. „Es gibt doch Gegenden auf der Welt, da ist es noch viel kälter“, sagt er. So schlimm sei es hier in Würzburg doch gar nicht.
In den karitativen Einrichtungen in Unterfranken herrscht aber Hochbetrieb, berichtet der Pressedienst des Ordinariats. Einige Gäste schimpfen in der Würzburger Bahnhofsmission lautstark über die Kälte. Missionsleiter Michael Lindner-Jung hilft, wo er kann. Deutlich mehr heißen Tee schenken seine Mitarbeiter in diesen Tagen aus, drei bis fünf Tassen pro Person.
Die Bahnhofsmission Schweinfurt verzeichnet ebenfalls steigende Besucherzahlen. „Es kommen schon mehr Obdachlose und holen Decken ab. In den nächsten Tagen werden die Zahlen aber noch weiter steigen“, vermutet die Leiterin Ingeborg Fuchs. Menschen, die nicht wissen, wo sie die Nacht verbringen sollen, vermittelt sie an das Adolf-von-Kahl-Haus. Ist das voll belegt, „dann lösen wir für die Menschen Fahrkarten nach Würzburg“, erklärt Fuchs die letzte Lösung.
Denn die Würzburger Bahnhofsmission bietet auch Schlafplätze – allerdings nur für Frauen und Kinder. Vier Betten und ein Kinderbett gibt es am Hauptbahnhof. Männer werden an die Kurzzeitübernachtung vermittelt. Denn die sibirische Kälte bringt selbst für Obdachlose, die viel gewohnt sind, an ihre Grenzen. Einen Mann, der mehr als zehn Jahre auf der Straße gelebt hat, habe er nun an eine Einrichtung vermitteln können, sagt Lindner-Jung. Prekär ist die Situation der Menschen, die auf der Suche nach Arbeit aus Osteuropa nach Würzburg kommen, weiß der Würzburger Bahnhofmissionsleiter. „Diese Menschen haben wirklich nichts.“
Aber dann gibt es auch noch die, die „nicht vermittelbar“ sind. Das sind Menschen, die beispielsweise Hunde bei sich haben, die nicht in geschlossenen Räumen leben können, die sich verfolgt oder bedroht fühlen, oder die zu viel Alkohol konsumieren. Die können sich für die Nacht Schlafsäcke und Thermojacken bei der Bahnhofsmission abholen. „Leider haben wir nicht genug, um sie schon am Tag zu verteilen“, sagt Lindner-Jung.
Deshalb wendet sich die Bahnhofsmission nun an die Bevölkerung. „Wir suchen dringend wintertaugliche Schlafsäcke“, ruft Lindner-Jung zur Spende auf. Die können bei der Bahnhofsmission, links vom Hauptbahnhof hinter den Omnibushaltestellen abgegeben werden; Tel. (09 31) 5 23 10.
Schnelle Hilfe gab es vom Großhändler für Freizeit- und Campingbedarf Frankana. Das Unternehmen spendete 42 Schlafsäcke und 24 Isomatten. „Bei diesen Temperaturen zählt ja wirklich jede Minute. Wir hoffen, damit vielen Menschen in Würzburg helfen zu können“, sagt Frankana-Geschäftsführer Wilfried Neumann.
Und dann gibt es auch noch Obdachlose wie Ralf, die zu sehr Einzelgänger sind und für die eine warme Unterkunft nicht in Frage kommt. „Das ist zum Glück nicht die Menge“, sagt Lindner-Jung. Er hat stets ein Auge auf sie, bringt ihnen warmen Tee und packt Brote ein.

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