publiziert: 13.07.2008 15:30 Uhr
aktualisiert: 13.07.2008 20:50 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text GIEBELSTADT
Mordlust ist immer dabei

Blutiges Spektakel: Florian-Geyer-Spiele auf der Freilichtbühne in Giebelstadt

Sie schaffen es einfach nicht. Jahr für Jahr kämpfen die Bauern in Giebelstadt im Geyer-Spiel um ihre Freiheit, und immer wird es schlimmer: Am Ende liegen sie in ihrem Blut, ihre Führer brennen auf Scheiterhaufen und der siegreiche Fürstbischof gönnt sich eine kleine Orgie.

  • Was für ein widerwärtiges Aas! Ritter Wilhelm von Grumbach (Mike Jerosch) malträtiert mit Lust die mutige Katarina (Diana Hufnagel), eine dem Geyer ergebene Bäuerin.
    FOTOs Thomas Obermeier
  • „Zucht und Ordnung tut Not!“ ruft Fürstbischof Konrad von Thüngen (Volker Kleinfeld). Er meint die Bauern und genießt die Frauen.
  • Florian Geyer (Oliver Tell) streitet mit Wort und Schwert.
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3 Bilder

Ach, der brave Florian Geyer. Gibt seine ritterlichen Privilegien auf, schlägt sich auf die Seite der Bauern, schafft sich an ihrem Unverstand ab, kämpft, wütet, wird gejagt und betrogen, und bezahlt den Ärger zum Schluss mit seinem Leben. Er hat es gern getan und sein Ende geahnt, mag sich das Publikum trösten. „Ich steh zum Recht, auch wenn es mich verderben sollte!“, ruft er anfangs, frisch verschworen mit den geplagten, von Adel und Klerus geschundenen Bauern.

 

    
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Florian Geyer
Giebelstadt
11.7.2008
    

Außerdem macht es ihm Spaß. Rebellion und Kampf sind nach seinem Geschmack. Man sieht es, wenn ihn die fürstbischöfliche Garde angreift, Spieß voran: Er lacht sie aus, er nimmt sie nicht ernst, er spielt mit ihnen. Nicht einmal den Geyer (kraftvoll und glaubwürdig dargestellt von Oliver Tell) treibt nur das Gute voran. Ein bisschen Mordlust ist überall dabei.

Was für ein elender herunter gekommener Haufen, diese Bauern von 1525. Das Schmink-Team der Karnevalsgesellschaft Giebelstadt leistet ganze Arbeit: schmutzig sind sie, kaputte Menschen. Zu Beginn treten sie noch demütig vor ihren Fürstbischof Konrad von Thüngen. Er möge ihnen doch was nachlassen von den Lasten, die er ihnen aufgibt, betteln sie, und lernen den Gottesmann kennen: Ein arroganter, herrschsüchtiger Egomane ist er, der sich mit Gott nur so weit verbunden fühlt, als er sich von ihm in sein Amt eingesetzt wähnt. Mitleid? Barmherzigkeit? Keine Spur. Die Bauern sind ihm egal, sie sind ihm nicht einmal einen Mord wert. Erst als sie Freiheit fordern, lässt er sie malträtieren wie lästiges Ungeziefer. Volker Kleinfeld bringt diesen Widerling so gut auf die Bühne, dass man wünscht, die Dreschflegel flögen ihm um die Ohren. Tun sie nicht.

Die Reichen sind keine besseren Menschen, nur weil sie reich sind. Und die Armen? Die sind auch nicht besser. Die sind nur arm. Und verführbar. Wer bietet mehr Heil und weniger Hunger? Mehr Freiheit? Mehr Rache? Sie laufen mal den gierigen, blutrünstigen Aufrührern Jäcklein Rohrbach und Georg Metzler nach, die sich frei fühlen, weil sie kein Gewissen haben, mal dem autoritären, aber klugen Geyer, mal dem Kapuzinerpater Ambros, dem einzigen, der es wirklich ernst meint mit der Religion. Gleich, wer gerade das Sagen hat: Es ist ein blutiges Morden und Schlachten vor der Ruine des Geyer-Schlosses in Giebelstadt. So laut knallen Schüsse und krachen Bomben, brüllen Dutzende Männer ihr Kriegsgeschrei und gellen die Schreie gequälter Frauen durch die Nacht, dass man das Rauschen des Windes in den mächtigen Bäumen drumherum nicht mehr hört.

Abgrundtief böse

Im Krieg brechen alle moralischen Dämme. Der Mensch verwahrlost innerlich, und immer gibt es welche, die im Sumpf der Gemeinheit und der Niedertracht aufblühen. Das ist der Ritter Wilhelm von Grumbach (abstoßend gut: Mike Jerosch): ein mörderisches, intrigantes Monstrum, abgrundtief böse, verkommen, ein Sadist. Er foltert und mordet mit Vergnügen und bedenkenlos, und erwischt er einen von der eigenen Partei, ist es ihm auch recht.

Regisseur Renier Baaken hat die Gräuel mit witzigen Szenen angereichert, sie machen das blutige Spektakel bekömmlich. Aber nicht einen Moment lang lässt er so tun, als sei Krieg ein angenehmer Zeitvertreib. Mit den tatsächlichen Geschehnissen des Bauernkrieges hat „Florian Geyer – der Rebell“ nicht viel zu tun. Baaken interpretiert die Ereignisse und kommt damit der Wirklichkeit wohl doch sehr nahe. Das Ergebnis ist sehenswert.

Im Blickpunkt

Weitere Vorstellungen: Freitag und Samstag, 18., 19. und 25., 26. Juli, jeweils um 20.30 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei Schreibwaren Krenkel, 97232 Giebelstadt, Tel. (09334) 3 97 und bei Main-Ticket.de, Theaterstraße 10, 97070 Würzburg, Tel. (0931) 5 55 54, E-Mail: info@mainticket.de. Weitere Informationen gibt es im Internet: www.florian-geyer-spiele.de

 
Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Jung
    
    

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