aktualisiert: 08.02.2012 18:28 Uhr
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RANDERSACKER
Närrische Seelsorge
Frech und fromm
In Randersacker macht sich Pfarrer Albrecht Kleinhenz zum Narren. Als Kirchefrääle steigt er in die Bütt. Und das auch noch mit Hingabe.
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Vom frommen Geistlichen zum frechen Narren: Pfarrer Albrecht Kleinhenz nimmt in Randersacker als altes Kirchefrääle in der Bütt kein Blatt vor den Mund.Foto: Theresa Müller -
Fasching und Kirche: Beim Faschingsnachmittag für Senioren aus Randersacker und Lindelbach schlüpfte in der Bütt der stellvertretende Randersackerer Bürgermeister Heiko Lörner (links) in die Rolle des Pfarrers. Der örtliche Pfarrer Albrecht Kleinhenz (rechts) half ihm beim Kostüm anlegen. Und: Pfarrer Kleinhenz ging ebenfalls in die Bütte: als Kirchefrääle.Foto: Theresa Müller
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Fasching und Kirche: Beim Faschingsnachmittag für Senioren aus Randersacker und Lindelbach schlüpfte in der Bütt der stellvertretende Randersackerer Bürgermeister Heiko Lörner (im Bild) in die Rolle des Pfarrers. Der örtliche Pfarrer selbst, Pfarrer Albrecht Kleinhenz, ging ebenfalls in die Bütte: als Kirchefrääle.Foto: Theresa Müller
Auf ziemlich vertrautem Fuß mit Menschen, die in aller Öffentlichkeit den nackten Hintern vorzeigen, steht in Randersacker der Pfarrer. Außerdem trägt er eine Pistole am Gürtel. Aber er treibt es noch bunter. Verkleidet als altes Weiblein entert der Geistliche die Bühne der Schulturnhalle und zieht so richtig vom Leder: Bei so viel Kirchensteuer sollte die Kirche ordentlich beheizt sein. Wer hat das Gotteshaus eigentlich geputzt und all die Spinnweben übersehen? Weshalb werden schon wieder Lieder gesungen, die kein Mensch kennt? Und warum zieht sich heute die Predigt bloß so lange hin?
Weil Fasching ist und der Pfarrer begeisterter Büttenredner. „Seelsorge ist Beziehung und Begegnung“, sagt Albrecht Kleinhenz. „Wenn Du keine Begegnung hast, kannst Du aufhören.“ Fasching eröffnet eine ganze Reihe von Möglichkeiten der Begegnung. Aus der Bütt kommuniziert Kleinhenz an den tollen Tagen nicht nur mit seinen Gläubigen, sondern mit allen, die er erreichen kann.
Das „Kirchefrääle“ ist heuer seine Figur. So werden im hiesigen Raum alte Frauen bezeichnet, die viel Zeit in der Kirche verbringen. In dieser Rolle und in der alten Bauerntracht seiner Oma nimmt Kleinhenz auch sich selbst auf den Arm. „Zu Fasching muss man das können“, sagt er. Kleinhenz mag den Fasching. Für ihn gehört zum katholischen Glauben auch das Freudvolle im Leben. „Die Faschingshochburgen sind doch die katholischen Städte.“ „Seelsorge ist Begegnung. Wenn Du keine Begegnung hast, kannst Du aufhören.“
Albrecht Kleinhenz Pfarrer in Randersacker
Randersacker ist für den gebürtigen Rhöner die dritte Pfarrstelle. Nach Triefenstein und Lohr/Sendelbach im Landkreis Main-Spessart kam der 59-Jährige vor fünf Jahren in die Maintalgemeinde. Seine Karriere als Büttenredner begann aber schon im Spessart. „Da war es üblich, dass Bürgermeister und Pfarrer bei den Faschingssitzungen ein Grußwort sprachen“, erinnert er sich. „Die Grußworte wurden immer länger. Und plötzlich war ich Büttenredner.“
Der ganze Mann steckt voller Lachen, wenn er von seinen Faschingserlebnissen erzählt. Wie er als guter Hirte „Stoff-Hünd“ an die SPD-Leute verteilte, die dann aufs Stichwort gauzen mussten. Wie er als Rhön-Hexe beim Faschingszug den Leuten mit seinem Besen die Hüte von den Köpfen stocherte – natürlich inkognito. Sein Auftritt als Förster und übergewichtiger Mann. Und als Kirche-frääle. Seine Interpretation dieser Figur interessierte auch das Bayerische Fernsehen. Die Büttenrede des Pfarrers beim Seniorenfasching der SPD in Randersacker wurde aufgezeichnet und soll am Mittwoch, 15. Februar, in der Sendung „Stationen“ gezeigt werden.
Albrecht Kleinhenz ist, seinem Beruf zum Trotze, alles andere als ein Kirchturmdenker. Er will Menschen zusammenbringen: die Randersackerer mit den Eibelstadtern, die Katholiken mit den Protestanten, die Frommen mit den weniger Frommen. Deshalb tritt er beim SPD-Fasching auf, auch wenn das manchen seiner Schäfchen nicht gefällt. Vom Stillstand hält er nichts. Nicht in der Politik und in der Kirche auch nicht.
Dass er anecken könnte, wenn er seine Meinung sagt, beunruhigt ihn kaum. Wie die Kirche mit Brüchen umgeht, ist derzeit Thema in der Pfarreiengemeinschaft. Kleinhenz thematisiert da die Haltung der Kirche gegenüber Geschiedenen. Er sucht zu solchen Themen das Gespräch, er diskutiert. In seinem Metier sieht sich der Geistliche eher als „Außenpolitiker“. Der Kontakt mit den Menschen beim Fußball und beim Fasching sind mehr nach seinem Geschmack als die Verwaltung seiner Kirchengemeinde.
Der Pfarrer spricht gern vom Brot und vom Wein als Sinnbilder für Arbeit und Vergnügen. Den Fasching ordnet er eindeutig dem Wein zu. „Ich würde aber sagen, es ist mehr Freude als bloßer Spaß. Die Freude kommt von innen heraus.“ Von vielen in Randersacker wird sie geteilt. Zum Beispiel vom zweiten Bürgermeister Heiko Lörner. Der hat sich beim Seniorenfasching als Pfarrer ausstaffiert und verabschiedet das Kirchefrääle nach dem Gottesdienst: „Ach, Herr Pfarrer“, säuselt das Weiblein mit dem stahlgrauen Oberlippenbart, „von mir aus hätte die Predigt noch viel länger dauern können!“
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»Alle 31 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare
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Berge (551 Kommentare) am 11.02.2012 18:33
LeiderLieber Katzenspiegel, diese Hoffnung muss leider enttäuscht werden. 2000 Jahre habeFeinde von Innen und Außen alles versucht. den Glauben an Jesus Christus zu zer- stören, für überholt oder gar tot erklärt. Was ist? Marx ist tot, Nitzsche ist tot, der Kommunismus und der Faschismus sind kläglich gescheitert. Christus und der Glaube an ihn lebt mehr denn eh und erlebt in vielen Teilen der Erde einen frühlinghaften Aufstieg. Die Zusage an Petrus und die Kirche hat sich bewiesen: Die Pforten des Bösen werden dich nicht besiegen. Christen werden leben,da hat Katzenspiegel längst die Katz oder .der..... geholt und kein Hahn kräht mehr danach. das ist die Wahrheit, die in Erfüllung geht. Keine hoffnungsvolle Zukunft! |
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closs (1300 Kommentare) am 11.02.2012 11:48
Wie soll man dem Heerder Säkularen nahebringen, was Christentum WIRKLICH ist, wenn sich "die Christen" (von außen unterscheidet man ja nicht) so darstellen? (Damit meine ich NICHT den hier thematisierten Pfarrer.) |
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Kauzenspiegel (536 Kommentare) am 10.02.2012 15:31
na hier geht's ja ab ^^Die Christen wetteifern um die Wette. Herrlich anzuschauen. Wie ein Fenster in ein dunkles, ungebildetes Gestern. Hoffentlich sind die Christen in einigen Jahren vom Erdboden verschwunden, dann kann ich mich an solche Kommentar-Threads herrlich schmunzelnd erinnern
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frei100 (422 Kommentare) am 10.02.2012 17:40
Es kommt der Tag.........wo sich alle Knie vor dem Gott der Bibel verbeugen werden und IHN als Herrn anerkennen. |
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Kauzenspiegel (536 Kommentare) am 11.02.2012 17:30
Man stelle sich einfach mal vor......dass das NIE passieren wird. Bitter, oder? Sie haben Ihr Leben auf dem Gedanken eines Gespenstes aufgebaut. Das ist schon fast traurig... |
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