publiziert: 22.02.2012 14:42 Uhr
aktualisiert: 22.02.2012 16:54 Uhr
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Neue Erkenntnisse zum Neuen Rathaus

Joachim Braun und Siegfried Scheder präsentierten ihre Forschungsergebnisse

Viele neue Erkenntnisse über das Ochsenfurter Rathaus sind durch die Forschungen und Untersuchungen in letzter Zeit ans Licht gekommen. Daher hatte der Arbeitskreis Geschichte zusammen mit dem Frankenbund und dem Stadtarchiv die Ochsenfurter Bürger zu einem Informationsabend eingeladen.

  • Historisches Dokument: Das älteste bekannte Bild vom Ochsenfurter Rathaus stammt aus dem Jahr 1850. Und fast genauso sieht das Gebäude heute immer noch aus. Gemalt hat es Karl August Lebschee. Es wird in der Staatsbibliothek Bamberg aufgehoben.
    Foto: HELMUT RIENECKER
  • Die Begeisterung für alte Gemäuer und Stadtgeschichten ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Joachim Braun (links) und Siegfried Scheder während einer kleinen Führung durch das Obergeschoss des Ochsenfurter Rathauses.
    Foto: HELMUT RIENECKER
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Mit soviel Zuspruch hatten die Veranstalter jedoch nicht gerechnet, für die 50 Bürger mussten im Ratssaal zusätzliche Stühle herangeschafft werden. Die Referenten waren zwei Personen, die auf verschiedene Arten ihre Forschungen betreiben, die aber die Begeisterung für die Stadtgeschichte und die Bauwerke zusammengebracht hat.

Da ist zum einem der ehemalige Theologiestudent Joachim Braun. Als ABM'ler kam er wie noch 15 weitere junge Akademiker für eine Zeit nach Ochsenfurt. Er half in den 80er Jahren bei der Sichtung und Ordnung des Ochsenfurter Archivs. Dabei fand der inzwischen als Angestellter arbeitende Mann seine Liebe zur Geschichte und besonders zur Stadt Ochsenfurt.

In zahlreichen Schriften hat er seine Forschungen über die Turmkopfchroniken der Stadt, ihre Juden, den Kastenhof und noch viele weitere Themen festgehalten. Sein neuestes Werk widmet sich dem Ochsenfurter Rathaus. Aus Bürgermeisterrechnungen der letzten 500 Jahre hat er sich ein Bild vom Rathaus gemacht.

Pragmatische Forschung

Der zweite Referent des Abends war der Ochsenfurter Restaurator Siegfried Scheder. Er hat in den vergangenen Jahren die Geschichte des Rathauses auf eine andere, pragmatischere Weise erforscht. Über 500 Öffnungen hat er während dieser Zeit in die Decken und Wände des altehrwürdigen Gebäudes gemacht.

Daher ist nun bekannt, wo sich Wandmalereien befinden, aus welchen Materialien die Wände gebaut worden und auch das Alter der einzelnen Bauabschnitte des Rathauses konnte so bestimmt werden. Auch einige Balken hat sich der Fachmann vorgenommen. Aus ihnen wurden Bohrkerne gezogen anhand derer sich das Alter der Hölzer bestimmen ließ.

Die offizielle Eröffnung des Rathauses datierte Braun auf das Jahr 1515. Das heißt, das Ochsenfurter Rathaus wird in drei Jahren ein halbes Jahrtausend alt. Eigentlich besteht es aus drei Häusern, was nur vom Ziehbrunnen aus zu sehen ist. Über die Jahrhunderte wurde an den Gebäuden immer wieder renoviert, restauriert und umgebaut.

Auch von außen hat es früher ganz anders ausgesehen. Denn die fotogene Vorderseite ist eigentlich ein Fachwerkhaus. Immer wieder wurde die Farbgebung der Gefache und der Balken geändert, bis es schließlich der neuen Mode wegen wie viele andere Fachwerkshäuser in der Stadt verputzt wurde.

Erst 60 Jahre nach dem Bau des repräsentativen Gebäudes berichtet eine erste Rechnung von inneren Verschönerungen. Für 70 Gulden und freie Kost und Logis malte der Meister Jakob Cay die Bilder in der Ratsstube. Aber auch der Rest des Rathaus-Innern war in früheren Zeiten bemalt.

Reste gefunden

Reste von gemalten Vorhänge und Girlanden an den Fenstern und Türen wurden schon in den 1980er Jahren unter dem Weiß der Wände gefunden. Auch Restaurator Scheder hat bei seinen „Grabungen“ unter Putzschichten Malereien gefunden.

Auch über die Räume konnten die beiden Fachleute detaillierte Auskunft geben. Da war zunächst der Keller. Lager für die großen Weinfässer mit deren Inhalt die Ratszechen bestritten wurden. Auch Gäste und vor allen die geistliche Obrigkeit aus Würzburg, der die Stadt seit 1295 gehörte, wurden daraus bewirtet.

Daneben gab es im Keller ein Gefängnis, die tiefe Kathrein und Lagerräume für die Stadtkasse und andere Schätze sowie Feuerlöscheimer.

Im Erdgeschoss fanden sich zwei Wachstuben, die so genannte Küche für die Verköstigung der Ratsmitglieder und der Stadtbediensteten. Außerdem war hier die städtische Waage untergebracht. Der Waagmeister war Herr über vier verschiedene Waagen, Waagbücher ein Zahlbrett und ein Schreibgerät.

Im Obergeschoss hat sich bis heute nicht viel verändert. Die Ratsstube hatte schon ihr heutiges Aussehen, doch der Vorraum reichte noch bis zur südlichen Fassade. Außerdem gab es hier Amts- und Verwaltungsstuben und das Bürgermeisterzimmer. Alle Räume waren mit einem Ofen und einem Leuchter ausgestattet.

Saal für Gästegruppen

Keine Ähnlichkeit mit den heutigen Verhältnissen hatte um 1600 das zweite Obergeschoss. Denn das war ein einziger großer Saal. Hier wurden große Gästegruppen bewirtet und auch schon einmal ein Theaterstück aufgeführt.

Hier befand sich auch die zweite, die große Küche des Rathauses. Einen Eindruck von der Pracht des Saales gibt heute nur noch das Trauungszimmer, das als Reststück des Saales nahezu original erhalten ist.

Der heute nahezu leere Dachboden diente damals in erster Linie als Rüstkammer. Hier lagerte neben Armbrüsten, Pfeilen, 81 langen Spießen, Schlachtschwerter sowie Feuerwaffen auch ein großes Zelt.

Und ganz oben im Lanzentürmchen tickte schon seit 1496 der Mondschein, wie die Ochsenfurter die astronomische Uhr mit der Anzeige der Mondphasen und –tage liebevoll nannten.

Von unserem Mitarbeiter HELMUT RIENECKER
    
    

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